Inhaltsspalte

Thema des Monats Januar 2007

Tradition mit Zukunft: Wie soll sich der Kurfürstendamm städtebaulich entwickeln?

Die Bezirksverordnetenversammlung diskutiert

Deutschlands populärster Boulevard ist immer wieder in der Diskussion. Jubel und Kritik wechseln einander in schneller Folge ab. Nachdem im vergangenen Jahr die Krisenstimmen überwogen, künden die letzten Meldungen wieder von großem Erfolg, besten Perspektiven und ungebremster Aufbruchstimmung: Fast alle Ladenflächen sind vermietet, und neue attraktive Geschäfte werden bald eröffnen. Auch für den Bezirk stehen einige Entscheidungen zur städtebaulichen Weiterentwicklung des Kurfürstendammes an.

SPD-Fraktion

Der Kurfürstendamm gilt weit über Charlottenburg-Wilmersdorf und die Stadt hinaus als das Schaufenster Berlins. Bei Touristen wie Berlinern gleichermaßen beliebt, ist er auch das wichtigste Aushängeschild für unseren Bezirk. Deshalb tut der Bezirk gut daran, städtebaulichen Veränderungen nur nach intensiver Auseinandersetzung mit dem einzelnen Vorhaben zuzustimmen und dabei die gewachsenen Strukturen mit einzubeziehen. Gerade die Auseinandersetzung um das Kudamm-Karree als Theaterstandort zeigt in diesem Zusammenhang, wie wichtig es für die Politik ist, Druck auf einen Investor ausüben zu können. Gemeinsam mit den Bürgern und nicht zuletzt auch durch den persönlichen Einsatz von Klaus Wowereit ist es so gelungen, den Theaterstandort mit direktem Straßenzugang entgegen ursprünglicher Planungen zu erhalten. Gleichzeitig erfordern immer noch sichtbare Kriegsnarben, architektonische Fehltritte vergangener Jahrzehnte und städtebauliche Lücken wie der Halensee-Graben aber auch in Zukunft erhebliche Investitionen, um den Kudamm städtebaulich weiterentwickeln zu können. Diese Investitionen begrüßen wir deshalb ausdrücklich. Gemeinsam mit Investoren und Bürgern wollen wir so in den nächsten Jahren dafür Sorge tragen, dass dieser traditionsreiche Boulevard auch einer großartigen Zukunft entgegen sehen kann.
Kai Lobo

CDU-Fraktion

2006 hat der Kudamm erneut eine positive Entwicklung erlebt. Zahlreiche hochwertige Einzelhandelsgeschäfte haben eröffnet und die Neuansiedlung des “Reinhardts” im Kempinski hat die Ecke Fasanenstraße erheblich belebt. Besonderes Markenzeichen des Kurfürstendamms ist die Mischung aus Einzelhandel, Unterhaltung, Dienstleistung und Wohnen. Letzteres ist zur Belebung der City nach Ladenschluss dringend erforderlich, deshalb müssen die entsprechenden Bebauungspläne zur Stabilisierung der Wohnanteile vorangetrieben werden.
Um die Einzelhandelsnutzung nicht zur Monostruktur werden zu lassen, tritt die CDU vehement für den Erhalt des Theater-Standorts im Kudamm-Karree und gegen die Umwandlung des Hauses Cumberland in ein Shopping-Center ein. Die Aktivitäten des von der CDU gestellten Baustadtrates zur Verbesserung des Erscheinungsbildes des Kurfürstendamms werden von der Fraktion unterstützt. Dazu zählt unter anderem die Umgestaltung der Kurfürstendammplätze vom Joachimstaler über den Breitscheidplatz bis zum Georg-Grosz-Platz in diesem Jahr. Dauerhaft müssen die Anrainer und insbesondere die Grundstückseigentümer am Kudamm mit in die Verantwortung genommen werden, da es für sie besonders interessant ist, dass ihre Immobilie an einem funktionierenden und hochwertigen Boulevard liegt.
Bodo Schmitt

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Kudamm hat in seiner Geschichte als Boulevard, Vergnügungs-, Kauf- und kulturelles Kommunikationszentrum unterschiedlichste Höhepunkte der Berliner Geschichte mitgeprägt. Er ist trotz der Diskussionen für Berlin einzigartig und nicht durch Retortenquartiere ersetzbar. Doch was in den letzten 15 Jahren an Veränderungen in Berlins Mitte stattgefunden hat, ging am Kudamm nicht spurlos vorbei. Aktuell geht es um geeignete Maßnahmen, die sowohl neue Akzente setzen als auch die Bewahrung vorhandener Qualitäten sichern.
Das Einkaufsquartier zwischen Tauentzien und Joachimstaler Straße am Kopf des Kudamms bedarf funktioneller Erweiterungen (Zoofenster, Bikinihaus) und muss weiter in den mittleren Kurfürstendamm hineinstrahlen. Deswegen spricht grundsätzlich nichts gegen eine Aufwertung des Einzelhandels im Kudamm-Karree, sofern damit keine Beeinträchtigung der Boulevard-Theater verbunden ist. Denn das kulturelle Leben am Kudamm muss gestärkt werden.
Für ihn und seine Seitenstraßen als Wohnquartier bedarf es intensiver Pflege durch Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum (grüne Plätze statt Blech) und Wohnsicherungsbebauungspläne.
Der Güterbahnhof Halensee am Ende des Kudamms erfordert eine würdige städtebauliche und funktionale Neuordnung, die neue Akzente setzt. Das Miteinander von Anliegern und Investoren könnte hier wegweisend sein und gemeinsam neue Impulse setzen!
Dr. Bert Lehmann

FDP-Fraktion

Der Kurfürstendamm muss seiner Tradition entsprechend als Boulevard wieder hergestellt werden. Hierzu ist eine gesunde Mischung aus hochwertigen Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten anzustreben. Leerstehende Gebäude, wie das Haus Cumberland, bedürfen dringend der Entwicklung durch geeignete Investoren.
Die Ansiedelung neuer Kinos, Restaurants und Straßencafés ist notwendig. Die Theater sind zu erhalten. Die Mittelinsel ist bis zum Adenauerplatz zu begrünen. Die entfallenden Parkplätze sind in den Seitenstraßen neu zu schaffen. Die Bürgersteige sind in den Sommermonaten durch zusätzliche Blumenkübel ansprechender zu gestalten.
Auf die Gewerbetreibenden ist einzuwirken, um die Öffnungszeiten zu verlängern. Dadurch kommt es zu einer Belebung auch in den Abendstunden.
Im Bereich zwischen Adenauerplatz und Rathenauplatz ist die gesunde Mischung zwischen Wohnungen und Geschäften zu erhalten. Dabei bedarf es dringend zusätzlicher Freizeitangebote vorzugsweise am Lehniner Platz. Auch auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Halensee könnten zusätzliche Freizeitangebote entstehen. Nur so kann erreicht werden, dass sich der Kurfürstendamm langfristig als Flaniermeile gegenüber den neu entstandenen Zentren behaupten kann.
Wolfgang Weuthen

Fraktionslose Bezirksverordnete (Die Linkspartei.PDS)

Quo vadis Q-Damm? Gibt es ihn eigentlich noch, den berühmten Weltstadt-Boulevard des Berliner Westens? Nun, er scheint stabiler zu sein als vermutet. Allerdings gerät zunehmend in Vergessenheit, dass dieser Boulevard sich bis zum Halensee zieht. Dem westlichen Teil – vom Tauentzien bis etwa zur Uhlandstraße – geht es gut, dem längeren Teil bis zum Rathenauplatz hingegen droht zunehmend die Deklassierung – nicht erst seit die Deutsche Bank sich angeschickt hat, im Interesse des Profits die Theater zu schließen.
Hier kann und muss Kommunalpolitik eingreifen. Es ist letztlich Sache der Volksvertretung festzusetzen, welche Entwicklung wir alle für den gesamten Ku-Damm wollen – Billig-Discounter haben auf einem Boulevard jedenfalls ebenso wenig zu suchen wie Burger-Buden und Baustoffhändler. Gerade bei den anstehenden Entscheidungen für die Bebauung des Güterbahnhofes Halensee, der zum östlichen Tor zum Ku-Damm werden könnte und sollte, muss daher mit größter Sorgfalt vorgegangen werden.
Im Mittelpunkt der Überlegungen muss die Aufwertung des Boulevards stehen. Wie wär’s mit einer historischen Straßen(bummel)bahn vom Wittenbergplatz bis zum Henriettenplatz?
Hans-Ulrich Riedel