Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt Wärmeplanungsentwurf des Senats ab – unwirtschaftlich und nicht umweltschonend

Pressemitteilung vom 05.05.2026

Der Berliner Senat will bis Ende Juni einen ersten Entwurf der Wärmeplanung vorlegen und setzt dabei vor allem auf den weiteren Ausbau der Fernwärme. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der Berliner Mieterverein und der BUND Berlin kritisieren diese Ausrichtung und fordern eine stärkere Berücksichtigung von Nahwärmenetzen auf Basis lokaler erneuerbarer Energien.

Ein vom Bezirk beauftragtes Gutachten der RWTH Aachen vergleicht acht Varianten der Wärmeversorgung für das Gebiet rund um den Klausenerplatz in Charlottenburg. Es zeigt, dass die vom Senat favorisierte Fernwärmelösung zu den kostenintensivsten Optionen für dieses Quartier gehört und weniger Kohlenstoffdioxid einspart als möglich.

Dagegen bieten lokale erneuerbare Energiequellen wie Geothermie, Abwasserwärme oder Solarthermie erhebliche Potenziale, auch in innerstädtischen Quartieren wie dem Klausenerplatz. Das Gutachten der RWTH Aachen zeigt, dass erneuerbare Nahwärmenetze technisch machbar, klimafreundlicher und teilweise kostengünstiger als Fernwärme sind. Diese Ergebnisse lassen sich nach Einschätzung des Bezirksamts auf weitere Quartiere übertragen.

Der Berliner Mieterverein, der BUND Berlin und das Bezirksamt haben entsprechende Stellungnahmen vorgelegt und fordern den Senat auf, dezentrale und erneuerbare Wärmelösungen systematisch in die Planung einzubeziehen, anstatt einseitig auf zentralisierte Fernwärme zu setzen.

Zudem warnen sie vor neuen Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und importierten Rohstoffen. Eine sozialverträgliche und klimaneutrale Wärmeversorgung sei nur mit einem stärkeren Fokus auf lokale, erneuerbare Energiequellen erreichbar.

Statements

Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Straßen und Grünflächen:
„Der Berliner Senat setzt mit seiner Wärmeplanung einseitig auf die Fernwärme der landeseigenen BEW. Unklar bleibt, wie das hochzentralisierte Fernwärmenetz, das auf Verbrennungsprozesse angewiesen ist, von teuren Energieimporten unabhängig werden kann. Die Wärmeplanung des Senats gefährdet nicht nur die Klimaziele Berlins. Die Preisexplosionen fossiler Energieträger infolge des Irankrieges werden zeitversetzt auch die Fernwärme verteuern. Die Endverbraucher, hauptsächlich Mieterinnen und Mieter in Berlin, sollen die Kosten tragen.

Dabei bietet die oberflächennahe Geothermie in Innenstadtquartieren deutlich mehr erneuerbare Wärme, als bisher bekannt. Zusammen mit Wärme aus Abwasser, Rechenzentren, Solarthermieanlagen und Gewässern könnten Nahwärmenetze in den Quartieren gespeist werden. Diese Netze mit ‘kalten’ Betriebstemperaturen ermöglichen die Kombination verschiedener Quellen und eine saisonale Wärmespeicherung im Untergrund. Schon minimale energetische Sanierungen der Wohnhäuser schaffen die Voraussetzungen, damit Gebäude erneuerbare Nahwärme nutzen können.

Der Bezirk hat 2020 und 2025 im Klausenerplatz-Quartier die technische Machbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit erneuerbarer Wärmeversorgungssysteme untersucht. Ein EE-Nahwärmenetz erweist sich dort als machbare, preisstabile, wettbewerbsfähige und klimafreundliche Alternative zur Fernwärme. Daher fordern wir Öffnungsklauseln für Bestands- und Ausbaugebiete der Fernwärme, um auch Nahwärmenetze mit lokalen erneuerbaren Energien zu ermöglichen.”

Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins e.V. (BMV):
„Mieterinnen und Mieter zahlen letztlich den Preis, können aber nicht mitbestimmen. Daher ist es für sie umso wichtiger, zu erfahren, welche Heizungsart die günstigste für ihre Wohnung ist.

Denn es macht preislich einen großen Unterscheid, ob Wohnhäuser durch Fernwärmeleitungen aus den BEW-Kraftwerken beheizt werden, wobei nach wie vor überwiegend (bis zu 70 Prozent) fossile Brennstoffe eingesetzt werden, oder alternativ mit sogenannter kalter Nahwärme, die aus Abwasserkanälen, Rechenzentren, Solarenergie oder oberflächennaher Geothermie gewonnen wird und die mittels lokaler Wärmepumpen auf bis zu 70 Grad Celsius im Vorlauf gebracht wird. Allein zwischen Fernwärme mit derzeit rund 17 Cent pro Quadratmeter und Wärmepumpen, die Wärme für rund 14 Cent pro Quadratmeter produzieren können, machen für Mietende in Zeiten einer sich verschärfenden Energiekrise einen Unterschied – bis zu einigen hundert Euro jährlich.

Es spricht viel dafür, dass lokale Wärmenetze für Mietende im Einzelfall und bei kluger Planung mittel- und langfristig günstiger als Fernwärme sein können.
Der BMV vermisst vor diesem Hintergrund eine grundlegende und öffentliche Stellungnahme der Berliner Energie und Wärme BEW GmbH zu dem Thema, nach welchen Kriterien in sogenannten Prüfgebieten der Wärmeplanung zwischen Nah- und Fernwärme abzuwägen ist. Als Landesunternehmen muss die BEW sich zudem transparent zu Ausbauplänen und Alternativen positionieren. Der Senat sollte eine Stabsstelle einrichten, welche die absehbaren Konflikte zwischen Nah- und Fernwärmekonzepten unter Einbeziehung der Bezirke und der BEW löst. Außerdem sollten die Bezirke durch koordinierende Wärme-Lotsen die konkrete Ausgestaltung des kommunalen Wärmeplans unterstützen.“

Daniel Buchholz, Umweltexperte und Vorstandsmitglied des BUND Berlin:
„Anstatt Bürgerenergie- und genossenschaftliche Wärmelösungen in den Quartieren aktiv zu unterstützen, behindert der Berliner Senat sie nach Kräften. Er setzt mit seinem neuen Wärmeplan einseitig auf die Fernwärme und fossil befeuerte Großkraftwerke. Das schadet Berlins Klimazielen und macht uns über viele Jahre abhängig von teuren Öl- und Gasimporten aus Krisenregionen.
In den Kiezen brauchen wir eine sichere und klimaneutrale Wärmeversorgung, sonst zahlen Berlins Mieter:innen die Zeche durch explodierende Heizkosten.
Dem Energiesparen und den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, auch in Berlins Bezirken. Öffentliche Gebäude und landeseigene Wohnungsanlagen sind der ideale Anker für dezentrale Wärmelösungen, diese Chance muss der Berliner Senat endlich nutzen.“

Im Auftrag
Räsch

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