Hitzesommer sind längst keine Ausnahme mehr. Steigende Temperaturen stellen auch Charlottenburg-Wilmersdorf vor große Herausforderungen. Um Straßen und Kieze widerstandsfähiger zu machen, setzt das Bezirksamt auf eine der wirkungsvollsten Maßnahmen der Klimaanpassung: mehr Bäume. Damit folgt Charlottenburg-Wilmersdorf als erster der zwölf Bezirke den Vorgaben des Klimaanpassungsgesetz des Landes Berlin.
Bäume wirken wie natürliche Klimaanlagen, spenden Schatten und geben über ihre Blätter Feuchtigkeit an ihre Umgebung ab. Schon jetzt stehen 42.000 Bäume im Bezirk. Bis 2040 soll die Zahl um weitere 10.000 Bäume steigen. Um Standorte für die neuen Bäume zu finden, analysiert zurzeit eine interdisziplinäre Gruppe aus Experten der bezirklichen Fachbereiche Grünflächen, Umwelt und Tiefbau gemeinsam mit einem externen Gutachter leere Baumscheiben.
160 neue Bäume für den Bezirk
„Baumscheiben“ nennen Fachleute die unversiegelten, mit Erde gefüllten Flächen um die Stämme von Straßenbäumen. Viele dieser Flächen sind durch Dürre und Schädlingsbefall verwaist. In den kommenden Monaten und Jahren sollen sie mit neuen Bäumen bepflanzt werden. Bis Ende des Jahres will das Bezirksamt rund 160 Standorte für Jungbäume prüfen und bepflanzen. Die Standorte liegen in Hitze-Hotspots des Bezirks. Die neuen Bäume bieten zukünftig wichtigen, kühlenden Schatten.
Für die schnelle Umsetzung arbeiten die Fachbereiche eng zusammen. Das Grünflächenamt bringt sein Wissen zur Bepflanzung ein, das Umweltamt steuert Klimaschutzaspekte bei, und das Tiefbauamt prüft die unter- und oberirdischen Gegebenheiten. Diese enge Zusammenarbeit ist in Berlin einzigartig.
Fachübergreifende Planung
Bei der Standortsuche müssen die Experten viele Fragen berücksichtigen: Wo ist der Bedarf an neuen Bäumen besonders hoch? Gibt es Balkone über der Baumscheibe, die das Wachstum behindern könnten? Liegen konkurrierende Planungen vor? Verlaufen in der Nähe U-Bahn- oder S-Bahn-Strecken? Und wo befinden sich Strom-, Gas-, Wasser- und Internetleitungen, zu denen ein Mindestabstand eingehalten werden sollte? Auch der Rad- und Autoverkehr spielt eine Rolle.
Hinzu kommen Anforderungen der guten fachlichen Praxis. Eine Baumscheibe sollte an der Oberfläche sechs Quadratmeter groß sein und unterirdisch zwölf Kubikmeter Platz für die Wurzeln geben. Doch ein Blick auf die Baumscheiben im Bezirk zeigt: Ihre Größen variieren stark. Das hat historische Gründe und soll bei der Neupflanzung geändert werden. Größere Baumscheiben ermöglichen den Bäumen, mehr Wasser aufzunehmen, fördern ihr Wachstum und verringern das Risiko von Trockenheit.
Die Neubepflanzung der Baumscheiben ist Teil des bezirklichen Konzepts zur Klimaanpassung (BAFOK). Dadurch setzt das Bezirksamt die Vorgaben des im November letzten Jahres veröffentlichten Berliner Klimaanpassungsgesetzes in die Praxis um. Steigende Temperaturen und die damit verbundenen Herausforderungen werden den Bezirk noch lange beschäftigen. Bei den bevorstehenden Projekten zur Klimaanpassung setzt das Bezirksamt auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam sollen die Kieze bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet werden.