Open-Air-Ausstellung für das „Haus der Jugend“

  • Feedback-Box

    In der Feedback-Box wurden Hinweise aus der Bevölkerung gesammelt.

  • Die künftige Baufläche wurde mit Absperrband markiert.

    Der künftige Baukörper wurde Absperrband fixiert. Auf der Wiese waren die künftigen Räume markiert.

  • Nadine Fehlert begrüßt am Mikrofon die Gäste

    Der Jugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck, und Nadine Fehlert von der Gebietsbetreuung JMP begrüßten die Gäste zum Sommerfest.

  • Demonstration Haus der Jugend

    Mitglieder der Anwohner-Initiative demonstrierten für Lärmschutz.

  • Nachbarn diskutieren beim kleinen Sommerfest.

    Die Gäste informierten sich an den Stelltafeln und kamen miteinander ins Gespräch.

  • Akrobatik auf der Wiese für alle Gäste

    Beifall bekamen die jungen Akrobaten und Sänger von den beiden selbstverwalteten Jugendprojekten „Drugstore“ und „Potse“. Kinder aus der Nachbarschaft probierten die mitgebrachten Spielgeräte.

Ein Nachmittag am künftigen Standort wird zum Beispiel gelebter Demokratie

Seit langem ist es Ziel des Bezirks, im Norden von Tempelhof-Schöneberg eine neue dauerhafte Heimat für die seit den 1970er Jahren existierenden Jugendkollektive „Potse“ und „Drugstore“ zu finden. Die beiden selbstverwalteten Einrichtungen für Jugendliche und junge Erwachsene haben nur noch befristete Mietverträge und sind an mehreren Orten in der Stadt verteilt. Einen passenden Standort im bezirklichen Eigentum zu finden, der in absehbarer Zeit entwickelt werden kann, war nicht einfach. Am Ende dieses Prozesses fiel die Wahl auf ein Grundstück am Werner-Voss-Damm 47.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im November 2025 erhielt die Öffentlichkeit erstmals die Gelegenheit, sich näher mit dem Vorhaben vertraut zu machen und Meinungen zu äußern. Nicht alle Anwesenden sind vom Standort am Werner-Voss-Damm begeistert, insbesondere die Anwohner-Initiative. Das Bezirksamt nimmt die Bedenken ernst und informiert sowohl auf der Plattform mein.berlin.de als auch auf der stetig aktualisierten Projektwebsite des Jugendamtes. Dort sind Anregungen aus der Beteiligung dokumentiert. Sie flossen in die Auslobung zum Realisierungswettbewerb „Haus der Jugend“ ein, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen im Frühjahr 2026 durchführte.

Am 10. Juni 2026 eröffnete Oliver Schworck, Jugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, dann die Ausstellung mit den Wettbewerbsentwürfen der zehn eingeladenen Architekturbüros und gratulierte dem Architekten Max Hacke vom bürohacke zum 1. Preis. Auch diese Veranstaltung nahm ein Teil der unmittelbaren Nachbarschaft zum Anlass, ihre Bedenken zum Ausdruck zu bringen.

Als ein Angebot zum Dialog – aber auch, um über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren –, organisierten das Bezirksamt und die Gebietsbetreuung vom Büro Jahn, Mack & Partner am 28. August 2026 eine Open-Air-Ausstellung. Dazu luden sie die künftigen jugendlichen Nutzergruppen, Akteure aus der Jugendsozialarbeit, Nachbarn und das Architektenteam auf das Projektgrundstück ein. Um das Bauvorhaben anschaulicher zu machen, wurde dessen Grundriss auf den Rasen gesprüht und der zukünftige Baukörper durch Absperrbänder markiert. Die Anwohnerinitiative hatte außerdem zu diesem Anlass eine Demonstration angemeldet und protestierte erneut deutlich gegen die gefasste Entscheidung für den Standort am Werner-Voß-Damm. Sichtbar formiert mit Luftballons, bedruckt mit „abgelehnt!“ waren die Kritikerinnen und Kritiker eindeutig zu erkennen.

In ihrer kurzen Begrüßung warben Oliver Schworck und Nadine Fehlert dafür, die Veranstaltung als Gesprächsangebot zu nutzen, die Jugendprojekte näher kennenzulernen, aber auch Anregungen aufzuschreiben. Während sich die Erwachsenen austauschten und ihr Feedback auf den bereitliegenden Zetteln notierten, standen die Kinder am Eisstand Schlange, probierten selbstgebackene Pizza und Kuchen oder übten mit der Zirkusgruppe. Manche Familien setzten sich gemeinsam an die Bastelstände, die von den beiden Jugendkollektiven „Potse“ und „Drugstore“ sowie vom Jugendamt unter den Pavillons aufgebaut waren. Die Veranstaltung entwickelte sich durch dieses Zusammenspiel zu einem kleinen Sommerfest und so zu einer beispielhaften Veranstaltung gelebter Demokratie, geprägt vom Austausch zwischen Kritikern und Befürwortern des Vorhabens.

Etliche der ca. 120 Besucherinnen und Besucher nutzten indes die Gelegenheit, sich persönlich vom Stadtrat, dem Architekten Max Hacke und den Mitarbeitenden des Jugendamtes die Fakten zum Jugendhaus erklären zu lassen. Viele Nachfragen bezogen sich auf die Lärmschutz-Maßnahmen. Zudem waren an Stellwänden Pläne der drei prämierten Entwürfe angepinnt. Davor entwickelten sich Gespräche – auch zur grundsätzlichen Ausstattung der sozialen Infrastruktur in Berlin. Viele beschäftigt u.a., wo in einer dicht bebauten Stadt überhaupt noch Jugendclubs oder Spielplätze entstehen können, wie man Einrichtungen für mehr Gruppen öffnet und was man für Drogenkranke tun müsste. Oliver Schworck hörte sich verschiedene Meinungen an, ließ sich von Zwischenrufen aus der Nachbarschaft nicht beirren, und machte deutlich, dass das „Haus der Jugend“ mit den Themen Müll und Drogenkonsum nicht unmittelbar in Verbindung zu bringen ist. Man sei sich dieser Konfliktlagen bewusst und habe deshalb für den in der Nähe liegenden Bahnhof Südkreuz 2023 eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Bahn abgeschlossen. Auch dort wird die Umfeldgestaltung der Plätze über Mittel aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung finanziert.

Die künftige Einrichtung böte die Chance, durch neue Freizeit- und Beratungsangebote hier präventiv gegenzuhalten. Unter dem Motto „Jugend braucht Räume“ könne dieser moderne Bau helfen, den Bedarf für die Jugendarbeit zu decken. Das „Haus der Jugend“ soll im Jahr 2030 öffnen und mit multifunktionalen Räumen für Workshops, Werkstätten, Sport, Beratung und Probenräumen für Musik ausgestattet sein sowie Platz für einen freien Träger bieten. Der Kostenrahmen für das Vorhaben liegt nach aktuellen Schätzungen bei rd. 7,2 Mio. Euro. Etwa 5,4 Mio. Euro davon werden aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung finanziert.

Am Ende der vielen durchaus kontrovers, aber auch konstruktiv geführten Gespräche, erneuerte der Bezirksstadtrat stellvertretend für alle anderen Beteiligten das Angebot an die Nachbarschaft, den Standort gemeinsam zu entwickeln und dazu im Gespräch zu bleiben. Die Senatsverwaltung muss die Entwicklungsziele für das Fördergebiet im Blick behalten. Den Mangel an sozio-kultureller Infrastruktur für Jugendliche gilt es zu beheben, wofür das „Haus der Jugend” ein geeignetes Projekt ist.