Nachhaltiges Bauen - Nachhaltige Baustoffe und Holzbau

Schulerweiterungsbau in Holzmodulbauweise, Alt Lankwitzer Grundschule

Schulerweiterungsbau in Holzmodulbauweise, Alt Lankwitzer Grundschule

Nachhaltiges Bauen heißt, Gebäude ressourcenschonend und wirtschaftlich über ihren gesamten Lebenszyklus zu planen, zu betreiben und zurückzubauen, und hat in Berlin einen hohen Stellenwert.

Nachhaltiges Bauen

Der Bausektor verursacht nicht nur über 40 % der CO2-Emissionen in der Nutzungsphase. Bereits in der Produktion der Baustoffe wird in erheblichem Maße CO2 emittiert, zudem werden in der Bau-, Umbau- und Nachsorgephase 90 % der mineralischen Rohstoffe verbraucht und mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland produziert.

Nachhaltiges Bauen hat für SenStadt daher einen hohen Stellenwert. Gebäude sollen klimagerecht, wirtschaftlich, qualitativ hochwertig und langlebig sein – bei gleichzeitig gesundem und komfortablem Nutzerumfeld, durch:

  • Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude
  • Einsatz regenerativer Energien
  • Reduzierung der Versiegelung neuer Flächen und Entsiegelung
  • Fassaden- und Dachbegrünung
  • Einsatz recycelter/recycelbarer Materialien und Bauteile
  • Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen

Die Bauordnung für Berlin enthält seit 2018 den Grundsatz für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Es wurden auch Erleichterungen für den Holzbau geschaffen. Weitere bauordnungsrechtliche Regelungen zur Unterstützung des Klima- und Umweltschutzes sind:

  • Privilegierung von Wärmepumpen in Abstandsflächen,
  • Abstandsverringerung von Solaranlagen zu Brandwänden,
  • Begrünungspflicht für Dächer ≤ 10° Neigung und > 100 m² Fläche,
  • Mehr verfahrensfreie Vorhaben, z. B. bei Solaranlagen in, an und auf Dach- und Außenwandflächen auch bei Hochhäusern und
  • Pflicht zur Vorlage eines qualifizierten Freiflächenplans.

Darüber hinaus ist bei Neubauten und umfassenden Modernisierungen öffentlicher Gebäude Berlins das Erreichen des Qualitätsurteils „Silber“ in der Nachhaltigkeitsbewertung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes Pflicht (BNB-Hauptkriterien – Berlin.de). Die Bewertung erfolgt unter anderem durch Kriterien, wie dem Vorhandensein eines Gründachs oder einer Fassadenbegrünung oder dem erreichten Energieeffizienzstandard.

Umbaukultur in Berlin

Der Erhalt und die Weiterentwicklung des Bestands sind wichtige Prämissen einer nachhaltigen Baukultur bzw. einer erforderlichen neuen Umbaukultur. Diese erhält die gebundene – graue – Energie des Bestandes, minimiert den Materialverbrauch und schafft neue, architektonisch qualitätvolle Stadträume.

Ein Beispiel für „Umbaukultur“ ist die Umwandlung der „Alten Schlosserei“ in Neukölln von einer Werkhalle zu Wohnraum. Die Halle wurde entkernt und statisch gesichert. Neue Holzbauteile ergänzen den bestehenden Baukörper, während im Inneren die Backsteinoberflächen und die Tragstruktur sichtbar blieben. Der entsiegelte und begrünte Innenhof rundet das Projekt ab. Das Projekt verbindet Vergangenheit und Zukunft und zeigt neue Formen des Zusammenlebens auf.

Ein weiteres Beispiel ist der nachhaltige Quartiersumbau des Leuchtturmprojektes „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz. Der Gebäudekomplex entstand von 1968 – 1970 und war Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR, der nach der deutschen Wiedervereinigung von verschiedenen bundesdeutschen Behörden genutzt wurde. Der 3,2 Hektar umfassende Gebäudekomplex stand seit 2008 leer. 2017 hat das Land Berlin und somit die BIM das Areal übernommen und entwickelt es seither im Rahmen des gemeinwohlorientierten Modellprojekts „Haus der Statistik“. Dabei arbeiten fünf Kooperationspartner in der KOOP5 (Bezirk Mitte, Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), Zusammenkunft Berlin eG (ZKB), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (SenStadt) und BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH) unter breiter Beteiligung der Berliner Stadtgesellschaft zusammen.

Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH sanierte beispielsweise Haus B + C grundlegend und schaffte so 2025 einem modernen Standort für die öffentliche Verwaltung. Der Umzug von 760 Arbeitsplätzen der BIM ins Haus der Statistik (Abschnitt D) ist für Mitte 2026 geplant. Zudem schafft die landeseigene WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH insgesamt 290 bezahlbare Wohnungen im Quartier – davon die Hälfte öffentlich gefördert. Die Fertigstellung der Wohn- und Gewerbeflächen ist für den Herbst 2030 geplant.

Ein weiteres Highlight: Die Energieversorgung erfolgt künftig durch ein innovatives, kaltes Nahwärmenetz der Berliner Stadtwerke, das Wärme und Kälte über die Nutzung von Abwasserwärme bereitstellt. Diese Anlage wird die größte ihrer Art in Berlin sein und ermöglicht jährlich eine CO₂-Einsparung von rund 722 Tonnen im gesamten Quartier.

Rund 6 Mio. Euro werden insgesamt in das Projekt investiert, welches als Vorbild für andere Quartiere in ganz Deutschland fungiert. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördert.

Schulbauoffensive – klimagerecht und mit nachhaltigen Rohstoffen bauen

Die steigenden Schülerzahlen veranlassten Berlin im Jahr 2017 die Berliner Schulbauoffensive (BSO) ins Leben zu rufen. SenStadt übernimmt dabei die Bauherrenrolle für den Neubau von Schulgebäuden, Schulergänzungsbauten und Sporthallen. Dabei wird zunehmend auf eine modulare Typenbauweise gesetzt. Diese bietet zeitliche und wirtschaftliche Vorteile und ist baukonstruktiv ausgereift, energietechnisch optimiert und architektonisch hochwertig. Es entstehen hier in kurzer Zeit dauerhafte Schulgebäude mit zeitgemäßen, pädagogischen Raumkonzepten.

In einem Modellvorhaben zur Beschleunigung von Schulneubauten (BSO I) erfolgte an drei Standorten erstmals in Berlin die Errichtung von Schulen in Holzmodulbauweise. Im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise, konnten dadurch die neuen Schulen innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden.

Die Holzmodulbauweise hat sich seither etabliert und wurde bereits an über 89 Standorten im Schul- und Kitabau umgesetzt. Neben Einzelbauvorhaben werden derzeit folgende Bauprogramme in Holzbauweise realisiert:

  • 32 Schulerweiterungsbauten in Holzmodulbauweise (HOMEB)
  • 34 Typensporthallen
  • bis zu 10 Holz-Compartmentschulen (HOCOMP)
  • 9 Modulare Kitabauten (MOKIB)

Ein Vorzeigeprojekt im Rahmen der Schulbauoffensive ist das Typenbauprogramm der Holz-Compartmentschulen. Diese werden mit hohem Energieeffizienzstandard EH 40, Gründach und Photovoltaikanlagen errichtet. Entsprechend werden Sie mit dem Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen (BNB) im Erfüllungsgrad „Silber“ und dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) zertifiziert.

Ausblick und Timberhaus

Berlin hat im Holzbau bereits viel erreicht. Um auch künftig eine Vorbildrolle einzunehmen, gilt es aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen und offen für neue Ideen zu bleiben.

SenStadt beteiligt sich deshalb am EU-Forschungs- und Innovationsprojekt TIMBERHAUS: ES verfolgt das Ziel, die Potenziale des Bauens mit Holz auf europäischer Ebene besser zu verstehen und weiterzuentwickeln. TIMBERHAUS eröffnet damit neue Perspektiven auf bislang umgenutzte Holzressourcen und leistet einen wichtigen Beitrag zur klimagerechten Transformation des Bauens.

Entscheidend sind dabei folgende Handlungsfelder:

  • Netzwerke und Austausch: Plattformen wie der Landesbeirat Holz Berlin-Brandenburg oder die Koalition für Holzbau auf Bundesebene fördern den fachlichen Dialog.
  • Fachkräfte und Produktion: Der Ausbau von Kapazitäten sowie die Aus- und Fortbildung von Planern und Handwerkern ist essenziell.
  • Innovation: Über den Tellerrand blicken, Erfahrungen teilen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Dazu wird zum Beispiel am Standort Berlin TXL das Kompetenzzentrum für innovative Materialien und Holzbau (FUTR HUT) entstehen. Es soll den interdisziplinären Austausch fördern, nachhaltiges Bauen sichtbar machen und Plattformen für innovative Anwendungsbeispiele schaffen.