Der Erhalt und die Weiterentwicklung des Bestands sind wichtige Prämissen einer nachhaltigen Baukultur bzw. einer erforderlichen neuen Umbaukultur. Diese erhält die gebundene – graue – Energie des Bestandes, minimiert den Materialverbrauch und schafft neue, architektonisch qualitätvolle Stadträume.
Ein Beispiel für „Umbaukultur“ ist die Umwandlung der „Alten Schlosserei“ in Neukölln von einer Werkhalle zu Wohnraum. Die Halle wurde entkernt und statisch gesichert. Neue Holzbauteile ergänzen den bestehenden Baukörper, während im Inneren die Backsteinoberflächen und die Tragstruktur sichtbar blieben. Der entsiegelte und begrünte Innenhof rundet das Projekt ab. Das Projekt verbindet Vergangenheit und Zukunft und zeigt neue Formen des Zusammenlebens auf.
Ein weiteres Beispiel ist der nachhaltige Quartiersumbau des Leuchtturmprojektes „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz. Der Gebäudekomplex entstand von 1968 – 1970 und war Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR, der nach der deutschen Wiedervereinigung von verschiedenen bundesdeutschen Behörden genutzt wurde. Der 3,2 Hektar umfassende Gebäudekomplex stand seit 2008 leer. 2017 hat das Land Berlin und somit die BIM das Areal übernommen und entwickelt es seither im Rahmen des gemeinwohlorientierten Modellprojekts „Haus der Statistik“. Dabei arbeiten fünf Kooperationspartner in der KOOP5 (Bezirk Mitte, Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), Zusammenkunft Berlin eG (ZKB), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (SenStadt) und BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH) unter breiter Beteiligung der
Berliner Stadtgesellschaft zusammen.
Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH sanierte beispielsweise Haus B + C grundlegend und schaffte so 2025 einem modernen Standort für die öffentliche Verwaltung. Der Umzug von 760 Arbeitsplätzen der BIM ins Haus der Statistik (Abschnitt D) ist für Mitte 2026 geplant. Zudem schafft die landeseigene WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH insgesamt 290 bezahlbare Wohnungen im Quartier – davon die Hälfte öffentlich gefördert. Die Fertigstellung der Wohn- und Gewerbeflächen ist für den Herbst 2030 geplant.
Ein weiteres Highlight: Die Energieversorgung erfolgt künftig durch ein innovatives, kaltes Nahwärmenetz der Berliner Stadtwerke, das Wärme und Kälte über die Nutzung von Abwasserwärme bereitstellt. Diese Anlage wird die größte ihrer Art in Berlin sein und ermöglicht jährlich eine CO₂-Einsparung von rund 722 Tonnen im gesamten Quartier.
Rund 6 Mio. Euro werden insgesamt in das Projekt investiert, welches als Vorbild für andere Quartiere in ganz Deutschland fungiert. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) gefördert.
Schulbauoffensive – klimagerecht und mit nachhaltigen Rohstoffen bauen
Die steigenden Schülerzahlen veranlassten Berlin im Jahr 2017 die Berliner Schulbauoffensive (BSO) ins Leben zu rufen. SenStadt übernimmt dabei die Bauherrenrolle für den Neubau von Schulgebäuden, Schulergänzungsbauten und Sporthallen. Dabei wird zunehmend auf eine modulare Typenbauweise gesetzt. Diese bietet zeitliche und wirtschaftliche Vorteile und ist baukonstruktiv ausgereift, energietechnisch optimiert und architektonisch hochwertig. Es entstehen hier in kurzer Zeit dauerhafte Schulgebäude mit zeitgemäßen, pädagogischen Raumkonzepten.
In einem Modellvorhaben zur Beschleunigung von Schulneubauten (BSO I) erfolgte an drei Standorten erstmals in Berlin die Errichtung von Schulen in Holzmodulbauweise. Im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise, konnten dadurch die neuen Schulen innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden.
Die Holzmodulbauweise hat sich seither etabliert und wurde bereits an über 89 Standorten im Schul- und Kitabau umgesetzt. Neben Einzelbauvorhaben werden derzeit folgende Bauprogramme in Holzbauweise realisiert:
- 32 Schulerweiterungsbauten in Holzmodulbauweise (HOMEB)
- 34 Typensporthallen
- bis zu 10 Holz-Compartmentschulen (HOCOMP)
- 9 Modulare Kitabauten (MOKIB)
Ein Vorzeigeprojekt im Rahmen der Schulbauoffensive ist das Typenbauprogramm der Holz-Compartmentschulen. Diese werden mit hohem Energieeffizienzstandard EH 40, Gründach und Photovoltaikanlagen errichtet. Entsprechend werden Sie mit dem Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen (BNB) im Erfüllungsgrad „Silber“ und dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) zertifiziert.