Warum Handeln nötig ist

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Klimaschutz und Klimaanpassung sind für Berlin als Hauptstadt und Großstadt mit über 3,8 Millionen Einwohner*innen zentrale Aufgaben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (SenStadt) leistet ihren Beitrag, die Stadt schrittweise klimaneutral, lebenswert und widerstandsfähig zu gestalten – mit städteplanerischen Instrumenten, konkreten Projekten, Förderprogrammen und strategischen Ansätzen.

Von globaler Herausforderung zur lokalen Verantwortung: Der Berliner Gebäudesektor

Der menschengemachte Klimawandel ist wissenschaftlich belegt und nicht bestreitbar. Die Erderwärmung ist so hoch wie seit mindestens 2.000 Jahren nicht mehr.

Globale Oberflächentemperatur

IPCC, 2021: Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. In: Naturwissenschaftliche Grundlagen. Beitrag von Arbeitsgruppe I zum Sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S.L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M.I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T.K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, and B. Zhou (eds.)]. In Druck. Deutsche Übersetzung auf Basis der Druckvorlage, Oktober 2021. Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn; Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Wien; Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT, ProClim, Bern, Februar 2022

2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 1,55 °C über dem vorindustriellen Niveau. Damit wurde die im Pariser Abkommen angestrebte 1,5°C-Grenze bereits überschritten. Auch in der Region Berlin Brandenburg lässt sich ein deutlicher Anstieg der Durchschnittstemperatur feststellen.

Hintergrundwissen

Die Klimadaten von 2024 bestätigen den Handlungsbedarf. Deutschland hat sich verpflichtet, im Rahmen des Pariser Klimaabkommens den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Entsprechend verfolgt Berlin klare Ziele: Bis 2045 soll die Stadt klimaneutral sein. Dafür müssen die CO₂-Emissionen im Vergleich zu 1990 schrittweise sinken – um 70 % bis 2030, 90 % bis 2040 und um mindestens 95 % bis 2045.

Berlin hat das Zwischenziel für 2020 (40 % Reduktion) mit fast 50 % Reduktion übertroffen. Dennoch sind weiterhin erhebliche Anstrengungen nötig, um die Klimaschutzziele zu erreichen – besonders im Gebäudesektor, der für über 40 % der Berliner Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Zwar gibt es auch im Gebäudesektor Fortschritte, doch der Rückgang der Emissionen stagniert in den letzten Jahren.

Berliner Gebäudesektor: CO₂-Emissionen und Ziel

Berliner Gebäudesektor: CO₂-Emissionen und Ziel

Zur Umsetzung der Berliner Klimaziele im Gebäudesektor sind kluge Lösungsansätze und klare Priorisierungen erforderlich, um folgende Herausforderungen zu bewältigen:

  • Komplexität der Aufgabe: Die Emissionsminderung im Gebäudesektor erfordert ganzheitliche Ansätze, da gebäudebezogene Maßnahmen und die Wärmewende eng miteinander verknüpft sind.
  • Abhängigkeit vom Energiesektor: Der Fortschritt im Gebäudesektor hängt stark von der Umstellung der Fernwärme auf erneuerbare Energien und Abwärme sowie vom Ausbau des Stromnetzes ab, um z.B. Wärmepumpen anzuschließen.
  • Finanzierbarkeit und Sozialverträglichkeit: Maßnahmen zur Energieeinsparung und Wärmewende müssen finanzierbar und sozialverträglich sein, insbesondere in einer Mieterstadt wie Berlin mit steigenden Warmmieten und angespannten Haushaltslagen.

Die Herausforderungen für Berlin beschränken sich aber nicht nur auf den Klimaschutz, also die Reduzierung des Beitrags zur Klimaerwärmung, sondern betreffen auch die Klimaanpassung. Schon heute gibt es spürbar mehr Hitzetage und weniger Niederschlag. Gefragt sind daher stadtweite Planungsansätze sowie lokale Maßnahmen – von der Quartiers- bis zur Grundstücksebene, etwa durch Dachbegrünungen oder Regenwassernutzung.

Klimaschutz und Klimaanpassung sind für Berlin nicht nur Pflicht, sondern auch Chance: Sie legen den Grundstein für eine lebenswerte, bezahlbare und zukunftsfähige Stadt. Klimagerechtes Bauen und Wohnen schafft Quartiere mit höherer Lebensqualität, niedrigeren Energiekosten und mehr Gemeinschaftsgefühl. Gleichzeitig stärkt es die Wirtschaft – durch Arbeitsplätze im Handwerk, innovative Start-ups und regionale Wertschöpfung. Insgesamt gilt, jeder Euro, jede Stunde Arbeit und jedes Engagement, die zielgerichtet und effizient in Klimaschutz und -anpassung fließen, sind ein Gewinn für die ökologische, soziale und wirtschaftliche Zukunft unserer Stadt.

Klimagerechtigkeit & soziale Aspekte

Der Klimawandel trifft nicht alle gleich: Einkommensschwache Haushalte, sozial benachteiligte Gruppen sowie ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen sind stärker betroffen – und haben gleichzeitig weniger Möglichkeiten, sich anzupassen. Klimagerechtigkeit bedeutet, diese Ungleichheiten abzubauen und allen den Zugang zu klimagerechten Lösungen zu ermöglichen. Vor allem darf niemand durch steigende Sanierungs- und Energiekosten abgehängt werden. Studien zeigen, dass insbesondere einkommensschwache Haushalte besonders unter Energiearmut leiden. Sie geben einen größeren Teil ihres Einkommens für Energie aus und leben häufiger in schlecht gedämmten Gebäuden mit veralteten Heizsystemen – eine doppelte Belastung durch hohe Mieten und Energiekosten.

Als Mieterstadt mit 82 % Mietwohnungen steht Berlin vor besonderen Herausforderungen: Einerseits müssen Wohnungen bezahlbar bleiben, gleichzeitig droht die Umlage von Sanierungs- und Dekarbonisierungskosten Mietende und Eigentümer:innen zu überlasten. Andererseits treiben verzögerte Sanierungen und Modernisierung der Wärmeversorgung die Heizkosten in die Höhe, gefährden die Klimaziele und verlängern die Abhängigkeit von teuren fossilen Energien.

Darüber hinaus bleibt der Berliner Wohnungsmarkt angespannt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, was zu hohen Mieten, Versorgungsengpässen und wenig Flexibilität bei sich ändernden Wohnbedarfen führt.

Die Bezahlbarkeit des Wohnens und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist daher bei der Umsetzung der Klimaziele für SenStadt oberstes Leitbild und Prämisse für die Bewertung von Zielbildern, Strategien und Maßnahmen im Gebäudesektor.

Berlin befindet sich bereits auf dem Weg zu klimagerechtem und sozialem Wohnen. Die SenStadt prüft und evaluiert fortwährend ihre Strategien und Maßnahmen, um sicherzustellen, dass sie den aktuellen Herausforderungen gerecht werden und kontinuierlich verbessert werden können.