Neue Stadtquartiere

Schrägluftbild Buckower Felder 2026

Bis 2040 wächst Berlins Bevölkerung auf rund 4 Mio. Einwohner, für die über 200.000 neue Wohnungen nötig werden. Um neuen Wohnraum zu schaffen, werden 24 neue Stadtquartiere (NSQ) geschaffen – sozial gemischt, grün und gut an den ÖPNV angebunden. Ihre Entwicklung folgt nachhaltigen und sozialen Leitlinien und ist beispielhaft in den folgenden Unterkapiteln dargestellt.

Grundlagenkonzept Klimaschutz und -anpassung

Ein Grundlagenkonzept für Klimaschutz und Klimaanpassung ermöglicht es mittels Modellierung und Bilanzierung die klimatischen Auswirkungen von verschiedenen Planungsalternativen miteinander zu vergleichen und daraus Handlungsempfehlungen und Maßnahmen abzuleiten.

Für weitere Informationen kann das Grundlagenkonzept für Klimaschutz und Klimaanpassung für das NSQ Blankenburger Süden beispielhaft als Teil der vorbereitenden Untersuchungen hier heruntergeladen werden. Das Quartier wird mit 8.600 Wohnungen, zahlreichen Gewerbeflächen, neuen Schulen sowie Grün- und Freiflächen das derzeit größte Wohnungsbauprojekt im Land Berlin. Für das NSQ wurden frühzeitig holistische und umsetzungsorientierte Fachgrundlagen erarbeitet, die die bisherigen Planungen im Hinblick auf stadtklimatische Wirkungen bewertet, so dass Handlungsansätze und Lösungen mit dem Ziel eines klimaneutralen und bestmöglich an den Klimawandel angepassten Quartiers erarbeitet werden konnten.

Energiekonzepte und klimaneutrale Wärmeversorgung

Für die NSQ ist jeweils eine klimaneutrale, also fossilfreie, auf erneuerbare Energien und unvermeidbarer Abwärme basierende Wärmeversorgung zu sichern.

Ein Beispiel ist die Realisierung einer nachhaltigen Wärmeversorgung (kaltes Nahwärmenetz, welches teilweise mittels Abwasserwärme betrieben wird) im NSQ Buckower Felder, das auf dem erarbeiteten Energiekonzept basiert.

Untersuchung zum Klimaschutz (Neubau vs. Bestandserhalt)

Im NSQ Neue Mitte Tempelhof werden ab 2026 mindestens 540 Wohnungen sowie Gebäude für öffentliche, kulturelle und Bildungsnutzung neu errichtet. Für dieses NSQ erfolgte eine Untersuchung zum Vergleich der CO₂-Emissionen von Sanierung versus Neubau. Zur Reduzierung von CO₂-Emissionen wurde eine Lebenszyklusbilanz für den Vergleich unterschiedlicher Szenarien über 50 Jahre aufgestellt. Berücksichtigt wurden Graue Emissionen, Betrieb, Mobilität und natürliche Kohlenstoffsenken.

Ergebnis: Im Vergleich zum Bestand kann durch die Neuordnung und Verdichtung des Quartiers trotz höherer Geschossflächen eine leichte Reduktion der Gesamtemissionen um ca. 6 % erreicht werden – vor allem durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Klimaneutralität im Betrieb ist ab 2050 möglich. Optimierter Neubau, insbesondere in Holzbauweise, kann überdies bis zu 52 % der Grauen Emissionen einsparen. Zusätzliche Maßnahmen in Mobilität, Betrieb und Gebäudestandards tragen zur weiteren Reduktion bei. Die Bilanz liefert wertvolle Empfehlungen für eine klimaneutrale Umsetzung und bildet die Grundlage für nachhaltige Hochbauplanungen im neuen Stadtquartier.

Regenwassermanagement

Regenwasserbewirtschaftung ist zentral für die NSQ. Ziel ist, Regenwasser vor Ort zu versickern, um Mikroklima und Resilienz zu verbessern, statt es in die Kanalisation zu leiten.

Das NSQ Schumacher Quartier wird als weitgehend abflussfreies Quartier und nach den Prinzipien der wassersensiblen und hitzeangepassten Stadtentwicklung geplant. Regenwasser wird als wertvolle Ressource begriffen: Durch Speicherung, Verdunstung und Versickerung wird Niederschlagswasser vor Ort zur Bewässerung von Grünflächen, zur Kühlung des Quartiers und zur Grundwasseranreicherung genutzt. Regenwasser verbleibt im Quartier und gelangt nicht in die Kanalisation. Dafür kommen auf den Baufeldern ebenso wie in den öffentlichen Räumen unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Maßnahmen zum Einsatz – von blau-grünen Retentionsdächern über Versickerungsflächen bis hin zu einer wasserdurchlässigen und begrünten Freiraumgestaltung. Die Ergebnisse des 2021 erstellten Regenwasserbewirtschaftungskonzepts können im Quartiersbuch (ab Seite 71) und in der Kurzzusammenfassung eingesehen werden.

Auch für das NSQ Johannisthal Adlershof wurde ein nachhaltiges Schwammstadtkonzept entwickelt: Zur Stärkung des natürlichen Wasserhaushalts, Verbesserung der Grundwasser- und Gewässerqualität, Förderung der Biodiversität und ökologischen Funktionen, Optimierung des Stadtklimas sowie zur vielfältigen Gestaltung von Freiflächen und Stadtraum durch Multifunktionalität von Flächen. Die Umsetzung erfolgt durch einen integrierten Planungsprozess und intensiven Fachaustausch.

Nachhaltige Baustoffe und Holzbauweise

Die NSQ sollen langfristig bezahlbare und nachhaltige Wohnungen bieten. Statt klimaschädlicher Baustoffe, wie Zement und Beton, setzt Berlin auf alternative Materialien.

Ein Beispiel hierfür ist das NSQ Schumacher Quartier. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Entscheidung, das Quartier in Holzbauweise zu errichten und die Wohnungsbauakteure zur Umsetzung der Holzbauweise zu verpflichten. Weitere Informationen zur Nutzung von nachhaltigen Baustoffen finden sich im Quartiersbuch (ab Seite 71).