Landeseigene Wohnungsunternehmen

Berlin hat mit seinen sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) und der berlinovo einen Bestand von etwa 400.000 Wohnungen – das ist in etwa jede vierte Wohnung in der Stadt.

Die LWU und die berlinovo müssen wirtschaftlich handeln und gleichzeitig bezahlbaren, klimagerechten Wohnraum durch nachhaltigen Neubau und Bestandsanpassung schaffen.

Klimaschutz: Zentral sind energetische Sanierungen zur Senkung des Energiebedarfs und die Umstellung auf klimafreundliche Energie.

CO2-Reduktionspfade der LWU und berlinovo

Der energetische Zustand des Bestandes ist vergleichsweise gut. Entsprechend der energetischen Sanierungsaktivitäten konnten die CO2-Emissionen in Durchschnitt von 31 kg CO2/m²/Jahr im Jahr 2010 auf 19 kg CO2e/m²/Jahr im Jahr 2024 reduziert werden.

Entwicklung der CO2-Emissionen (CO2/m²/Jahr) bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen und der berlinovo

Entwicklung der CO2-Emissionen (CO2/m²/Jahr) bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen und der berlinovo - Quelle: Beantwortung der Schriftlichen Anfrage S19-22364

CO2-Reduktionspfade der LWU und berlinovo; Daten aus Beantwortung der Schriftlichen Anfrage S19-22364

Auch hier zeigt sich der noch verbleibende Weg zur Klimaneutralität. Um dieses Ziel zu erreichen, ist neben der Reduzierung des Energieverbrauchs durch energetische Sanierungen die Versorgung mit grüner bzw. klimaneutraler Energie das zentrale Schlüsselelement. Hierfür sind erhebliche Investitionen erforderlich, die bei gleichzeitiger Sicherung der Bezahlbarkeit der Mieten geplant und realisiert werden müssen.

Investitionen für energetische Sanierungen des Wohnungsbestandes zwischen 2020 und 2024 sowie Investitionsprognose bis 2033

Investitionen für energetische Sanierungen des Wohnungsbestandes zwischen 2020 und 2024 sowie Investitionsprognose bis 2033

Wohnflächensuffizienz: Ein weiterer Hebel für den Klimaschutz ist die bedarfsgerechte Nutzung von Wohnraum. Weniger Wohnfläche pro Person bedeutet einen geringeren Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser und Strom. Auch wenn der angespannte Wohnungsmarkt den Tausch erschwert, werden tauschbereite Mieter*innen mit dem Wohnungstauschportal www.inberlinwohnen.de unterstützt. Zudem werden im Rahmen des Wohnungswechsel- und Wohnungsverkleinerungsprogramms bis zu drei passende Wohnungsangebote innerhalb von zwölf Monaten gemacht. Haushalte mit geringem Einkommen können einen Mieterlass erhalten.

Klimaanpassung: Die LWU und die berlinovo setzen zur Klimaanpassung auf Hitzeschutz, nachhaltiges Ressourcen- und Regenwassermanagement. Im Neubau verhindern u. a. Verschattungselemente, Sonnenschutzverglasung und durchdachte Freiraumplanung Überhitzung. Energetische Sanierungen, Entsiegelung, klimaresiliente Bepflanzung und helle Fassaden reduzieren zudem Wärmeeinträge. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die Schaffung von beschatteten Aufenthaltsbereichen, Pergolen und kühlen Rückzugsräumen – oft kombiniert mit Informations- und Beteiligungsformaten für Mieter:innen.

Auch bei der Errichtung der Neuen Stadtquartiere sind die LWU wichtige Akteure.

Beispiele für die Aktivitäten der LWU und berlinovo:

Im Pallasseum der Gewobag in Schöneberg wurde durch die Nutzung der Abwärme eines IT-Netzknotens eine warmmieten- und klimaneutrale Umstellung der Wärmeversorgung für 500 Wohnungen realisiert. Eine Win-Win-Situation für den Abwärmeerzeuger, den Nahwärmebetreiber, die Mieter*innen, das landeseigene Wohnungsunternehmen und das Klima.

STADT UND LAND startete zwei Neubauprojekte, um klima- und ressourcenoptimierten Mietwohnungsbau zu erproben. In Alt-Britz entstehen seit 2023 zwei Gebäude in Holz-Lehm- und Ziegel-Holz-Bauweise. Zudem begann in 2024 der Bau des TYPENHAUS eco in Holz-Hybrid-Bauweise sowie eines Zwillingsbaus in Massivbauweise auf den Buckower Feldern. Die Vergleichbarkeit der Gebäude ermöglicht Erkenntnisse für zukünftige Bauvorhaben bezüglich Klimaschutz, Ressourcenschonung und kreislaufgerechter Planung. Untersucht wird, wie viel CO2 durch ökologische Baustoffe im Vergleich zu konventionellen Materialien eingespart werden kann und ob ökologischer Geschosswohnungsbau wirtschaftlich ist.

Die degewo hat 2025 in Köpenick das Klimahaus in Holz-Hybrid-Bauweise fertiggestellt. Das multifunktionale Dach erzeugt mit Photovoltaikanlagen Strom und trägt mit extensiver Begrünung zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Regenwasserspeicherung bei. Das umlaufende, intensiv begrünte Vordach im ersten Obergeschoss sowie die Fassadenbegrünung sorgen für Kühlung, Verschattung und erhöhen die Biodiversität. Weitere Projektinformationen finden Sie auf der Seite eines der Planungsbüros (weberbrunner).

Ein Erfolgsbeispiel für Synergienutzung ist die Kombination einer energetischen Sanierung mit einer Dachaufstockung durch die HOWOGE in Buch. Die Aufstockung in Holzhybridbauweise schafft zusätzlichen Wohnraum ohne Neuversiegelung und nutzt die bestehende Infrastruktur.

Aufstockung eines HOWOGE Bestandsgebäudes um 3 Etagen mittels Holzhybridbauweise

Die GESOBAU erzeugt mit Photovoltaikanlagen auf Pankower Wohngebäudedächern Mieterstrom – sauber, günstig und direkt vor Ort. Insgesamt errichteten die Berliner Stadtwerke 24 Einzelanlagen auf 14 Dächern der GESOBAU. An den Erfolg aus 2015 anknüpfend wurden 2020 weitere GESOBAU Gebäude in Pankow mit Photovoltaikanlagen für Mieterstrom ausgerüstet.

Mit ihrem Projekt „Grüne Höfe bringt die WBM gemeinsam mit der Mieterschaft grüne Oasen in die Mitte Berlins. Ein weiteres Projekt der WBM ist die Mitwirkung am Umbau des Quartiers „Haus der Statistik“. Weitere Informationen hierzu finden Sie im folgenden Abschnitt „Nachhaltiges Bauen – Nachhaltige Baustoffe und Holzbau“.

Ein eindrucksvolles Projekt der Berlinovo in Pankow: Wasserrecycling mit Wärmerückholung in einer siebengeschossigen Apartmentanlage für Studierende mit 399 Apartments. Grauwasser aus Duschen und Handwaschbecken wird vor Ort zu Betriebswasser für die Toilettenspülung aufbereitet. Gleichzeitig wird die im Abwasser enthaltene Wärme über Wärmetauscher zurückgewonnen und für die Warmwasserbereitung genutzt – so sinken Trinkwasserverbrauch und externer Wärmebedarf.