Berlins baukulturelles Erbe präsentiert die wechselvolle, einzigartige und facettenreiche Geschichte des Landes. Denkmale sind essenziell für den Erhalt lokaler und kultureller Identität und binden „graue Energie“. Sie vermitteln wertvolles Wissen über Bautraditionen und bauklimatische Aspekte.
Die wegen ihrer besonderen Zeugniskraft unter Denkmalschutz stehenden Gebäude gilt es für unsere nachfolgenden Generationen zu bewahren. Ihre sinnvolle Weiternutzung schont zudem unsere Ressourcen und ist ein wichtiger Baustein bei den Bemühungen um einen effektiven Klimaschutz.
Denkmale bieten unterschiedliche Voraussetzungen: Vorindustrielle Gebäude sind oft reparaturfähig und aus regionalen Baustoffen errichtet. Manche jüngere Denkmale verfügen über Verschattungsanlagen oder Fassadenbegrünung für sommerlichen Wärmeschutz.
Für die Sanierung muss der Bestand umfassend untersucht werden, einschließlich Ertüchtigungspotenzialen an der Gebäudehülle und nutzungstechnischen Anpassungen. Ziel sollte ein Gesamtkonzept sein, das Energieeinsatz und Nutzungsbedingungen an die Möglichkeiten des Gebäudes anpasst und Eingriffe auf das Notwendige beschränkt.
Klimaschutz und Klimaanpassung bei denkmalgeschützten Gebäuden
Die Denkmalbehörden des Landes Berlin setzen sich für ein erfolgreiches Ineinandergreifen von klimapolitischen Zielen und den Zielstellungen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege ein.
Als Hilfestellung für Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer sowie Planende hat das Landesdenkmalamt Berlin unterschiedliche Leitfäden erarbeitet (u. a. Leitfaden „Denkmale & Energieeffizienz“, Leitfaden „Denkmale & Solaranlagen“ und Katalog „Sommerlicher Wärmeschutz“) sowie Solarkonzepte für denkmalgeschützte Siedlungen veröffentlicht. Alle Denkmalbehörden des Landes Berlin stehen für einen frühzeitigen Austausch und eine qualifizierte Beratung zur Verfügung.
Denkmalschutz im Klimawandel: Fünf Projekte aus der Praxis
Studie zum Einfluss des Klimawandels auf den Landschaftspark Glienicke
Aktuell wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf die in Berlin gelegenen Flächen des Landschaftspark Glienicke, des Böttcherberges und des Waldparks Nikolskoe untersucht und ein Konzept für Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt. Die Anlagen sind Teil der UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.
Projekt „Kastenfenstersanierung mit Leinöl“
Das “Projekt „Kastenfenstersanierung mit Leinöl, eine Praxisstudie” der Internationalen JugendBauhütte Berlin zeigt, dass Denkmalschutz auch Umweltschutz bedeutet. Unter fachlicher Anleitung sanierten fünf Freiwillige Kastenfenster, indem sie herkömmliche Farben entfernten und Leinölfarben verwendeten. Der Prozess wurde dokumentiert und in einem Film zusammengefasst.
Projekt „Bauhof“ (Bauen mit Re-Use-Materialien)
Der Neubau eines Seminar- und Werkstattgebäudes auf dem Gelände des historischen Bahnbetriebswerks Schöneweide für die Internationale JugendBauhütte Berlin setzt auf nachhaltiges, modernes und ressourcenschonendes Bauen. Mit Wissen über historische Bausubstanz und bewährte Handwerkstechniken entsteht so ein zukunftsweisendes Projekt.
Klimaanpassung bei denkmalgeschützten Park- und Gartenanlagen
Gartendenkmale tragen zum Klimaschutz bei, indem sie CO2 binden, Staub filtern, kühlen, Versickerung ermöglichen und Schatten spenden. Doch das sich verändernde Klima mit Starkregen, Stürmen, Trockenperioden und Grundwasserabsenkungen bedroht das kulturelle Erbe in denkmalgeschützten Park- und Gartenanlagen.
Die Denkmalpflege entwickelt gemeinsam mit Bauherren und Planern nachhaltige, denkmalverträgliche Konzepte, um auf diese Gefahren zu reagieren und Gartendenkmale für die Zukunft zu erhalten. Dabei kooperieren die Berliner Denkmalbehörden mit Partnern wie der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Aktuell werden erste Erfahrungen mit der Nachpflanzung hitzeresistenter Arten gesammelt.
Hitzeschutz in denkmalgeschützten Grünanlagen und Freiräumen
Eine besonders relevante Aufgabe ist das Thema Hitzeschutz in denkmalgeschützten Grünanlagen und Freiräumen. Einerseits können die Potentiale von Gartendenkmalen als schattige und kühlende Aufenthaltsorte in der Stadt durch Aktivierung historischer Strukturen wie Pergolen, Wasserspiele, Laubengänge und die Nachpflanzung ausgefallener Bäume optimiert werden; andererseits gilt es für besonders hitzegeprägte Orte neue Möglichkeiten von Baumpflanzungen oder weiteren schattenspendenden Elementen zu schaffen. Auch die Entsiegelung von Oberflächen hin zu sickerfähigen Belägen und Untergründen kann, soweit es aus denkmalpflegerischer Sicht unproblematisch ist, einen großen Beitrag leisten.
Weiterführende Informationen finden Sie auch auf der Website des Landesdenkmalamtes Berlin.