Denkmal und Klimaschutz

Rrevitalisierte Bötzow-Brauerei, 2021

Revitalisierte Bötzow-Brauerei, 2021

Denkmalpflege als Baustein des Klimaschutzes

Kaum ein gesellschaftspolitisches Thema hat derzeit so viel Relevanz, auch im Bereich des Bauens, wie der Klimaschutz. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und die Reduzierung von CO2 stützen sich unter anderem auf die nachhaltige Auswahl von Bauweisen und Materialien und auf intelligente Konzepte zur Energieversorgung eines Gebäudes. Die Denkmalpflege steht dabei mit ihren Grundsätzen des Erhaltens und Reparierens sowie der Verwendung traditioneller – oft lokal gewonnener – Baustoffe nicht nur für die Bewahrung und Authentizität des kulturellen Erbes. Sie liefert auch einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung, allein durch die Weiternutzung bestehender Gebäude.

Denkmalgeschützte Gebäude unter Berücksichtigung energetischer Aspekte zu sanieren ist meist mit erhöhten Anstrengungen verbunden, da hier die Gebote des Substanzerhalts, der Materialgerechtigkeit und der Bewahrung des Erscheinungsbildes den Rahmen vorgeben. Der Erhalt von Baudenkmalen ist jedoch integraler Bestandteil einer auf ökologischer, ökonomischer und soziokulturellen Nachhaltigkeit basierenden Stadtentwicklung.

Zum Weiterlesen (Auswahl aktueller Grundsatzpapiere)

Themen

Trockenheit in der Jungfernheide, 2022

Trockenheit in der Jungfernheide, 2022

Denkmale im Klimawandel: Folgen und Gefahren für Bau- und Gartendenkmale

Das sich verändernde Klima führt in unseren städtischen und ländlichen Lebensräumen zu Umwelteinflüssen, die direkte Auswirkungen auf unsere Bau- und Gartendenkmale haben. Starkregen- oder Windvorkommnisse, Trockenperioden, Grundwasserabsenkungen usw. bedrohen das kulturelle Erbe in der Substanz. Besonders betroffen sind hierbei Gartendenkmale aber auch das Inventar von Kirchen, Pfahlgründungen oder historische Dachdeckungen und andere Bauteile erleiden substanzielle Verluste. Die Aufgabe der Denkmalpflege ist es, zu diesen Effekten Daten zu sammeln und auszuwerten und gemeinsam mit Bauherren und Planern nachhaltige, denkmalverträgliche Konzepte zu entwickeln, die auf solche potentielle Gefahren reagieren, damit Bau- und Gartendenkmale unter diesen Bedingungen für die Zukunft erhalten werden können. Dabei ist immer häufiger auf akute und stark zerstörerische Ereignisse zu reagieren. Monitoring, Simulationen aber auch die Erforschung von Klimaanpassungen, die bereits historisch an Gebäuden umgesetzt wurden, sind weitere Arbeitsbereiche, die aufgrund des Klimawandels auch unmittelbare Relevanz in der Denkmalpflege haben.

Weitere Informationen:

Historisches Stahlfenster ertüchtigt mit Innenflügel und Bauteiltemperierung, 2022

Historisches Stahlfenster ertüchtigt mit Innenflügel und Bauteiltemperierung, 2022

Intelligent ertüchtigen: Fenster, Wärmedämmung und passgenaue Anforderungen

Auch bei Baudenkmalen ist es möglich, durch gezielte Maßnahmen den Energieverbrauch zu senken, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Behaglichkeit zu erhöhen. Bestehen zudem bautechnische oder bauphysikalische Mängel sind Ertüchtigungsmaßnahmen für eine langfristige Schadensfreiheit notwendig. Voraussetzung ist immer, dass der Bestand sorgsam hinsichtlich des baulichen Zustands, seiner konstruktiven Besonderheiten und Materialien untersucht wird. Bei einem denkmalgeschützten Gebäude ist außerdem festzustellen, worin sein Denkmalwert und erhaltenswertes, charakteristisches Erscheinungsbild bestehen. Darauf aufbauend kann ein individuelles Maßnahmenpaket entwickelt werden, welches die Gebäudesubstanz schont und auf die baulichen Besonderheiten und Denkmaleigenschaften abgestimmt ist.
Oft genügen schon wenige Maßnahmen, um ein Gebäude energetisch spürbar aufzuwerten. Dies kann beispielsweise das Einbringen von Dichtungen zur Verhinderung von Zugluft oder die Ertüchtigung von Fenstern sein. Auch eine Dach- oder Kellerdeckendämmung bringt vielfach bereits eine deutliche thermische Verbesserung. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll und denkmalverträglich sein, eine Innen- oder Außendämmung zu konzeptionieren. Nicht zuletzt ist die Modernisierung von Haustechnik eine naheliegende und effektive Maßnahme zur Energieeinsparung. Energieberater für Baudenkmale (siehe auch Fördermöglichkeiten) können Sie bei der Planung geeigneter Maßnahmen unterstützen. Ratsam ist es auch, ein Bauphysikbüro hinzuziehen.

Arbeitshilfen für die Planung in der Denkmalpflege und nützliche Informationen:

Bemusterung einer PV-Anlage am Denkmal

Bemusterung einer PV-Anlage am Denkmal

Baudenkmale und Solarenergie: So kann es klappen!

Solaranlagen zur Unterstützung der Energieversorgung eines Gebäudes gewinnen im Hinblick auf Energiesicherheit und Ressourcenschonung weiter an Bedeutung. Berlin verfügt über einen großen Bestand an Flachdächern. Dies ermöglicht, dass dort installierte Anlagen meist unauffällig bleiben, auch am Denkmal. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Rote Rathaus, welches über eine große Anzahl an Solarmodulen auf dem Dach verfügt, die vom öffentlichen Raum jedoch nicht wahrnehmbar sind. Ab 2023 gilt in Berlin die Solarpflicht für Neubauten und bei wesentlichen Baumaßnahmen an Dächern. Für Denkmale und deren Umgebung gibt es jedoch Ausnahmen, wenn eine Denkmalverträglichkeit nicht gewährleistet werden kann. Solaranlagen dürfen die historische Aussagekraft und das Erscheinungsbild von prägenden Dachflächen mit ihren charakteristischen Dachdeckungen nicht schmälern. Gegebenenfalls lassen sich aber Kompensationsflächen (z.B. untergeordnete Nebengebäude oder die Beteiligung an Gemeinschaftsanlagen oder Anlagen, die aus öffentlich zugänglichen Bereichen nicht einsehbar sind) finden. Auch wird zu beobachten sein, welche weiteren Produkte die Solarindustrie in den nächsten Jahren auf den Markt bringt und ob diese im Einzelfall als denkmalverträglich bewertet werden können. In Kürze veröffentlicht das Landesdenkmalamt einen Leitfaden “Baudenkmale und Solarenergie”, der umfassend über Möglichkeiten und Restriktionen informiert. Für eine Beratung zu den Möglichkeiten der Umsetzung einer Solaranlage auf Ihrem denkmalgeschützten Gebäude sollten Sie frühzeitig Kontakt mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde aufnehmen.

Arbeitshilfen zum Thema Baudenkmale und Solarenergie und weiterführende Informationen:

Historischer Sonnenschutz, 2022

Historischer Sonnenschutz, 2022

Damals und heute: Sommerlicher Wärmeschutz

Der Schutz vor sommerlicher Überhitzung von Wohn- und Arbeitsbereichen ist seit jeher ein Thema des Bauens. Berlins historischer Baubestand zeugt von einer Vielzahl an Verschattungselementen, die Teil der Fassade und oft bewusst in die Architekturgestaltung einbezogen sind. Der Aspekt gewinnt in Anbetracht von Klimaveränderungen und gebotener Energieeinsparung durch Verzicht auf Klimaanlagen noch mehr an Bedeutung.

In Zusammenarbeit mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hat das Landesdenkmalamt daher einen Katalog zusammengestellt, der denkmalverträgliche Lösungen für die Ertüchtigung von Baudenkmalen mit Verschattungsanlagen vorschlägt.

Weitere Informationen:

Fördermöglichkeiten: Effizienzhaus Denkmal und Energieberater für Baudenkmale

Zur Abmilderung der finanziellen Aufwendungen für den Erhalt von Denkmalen können Denkmaleigentümer verschiedene Fördermöglichkeiten und steuerlichen Erleichterungen in Anspruch nehmen. Dies ist auch für energetische Sanierungsmaßnahmen am Denkmal möglich: Im Fördersegment „Energieeffizient Sanieren“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurde hierfür der Programmteil „Effizienzhaus Denkmal“ eingeführt. Aufgrund des notwendigen Erhalts der Denkmalsubstanz bestehen vereinfachte Förderbedingungen und Anforderungen an den zu erreichenden Jahres-Primärenergiebedarf. Neben einer energetischen Komplettsanierung können auch Einzelmaßnahmen durchgeführt werden, wie zum Beispiel die Ertüchtigung von Fenstern.

Um diese Förderung zu erhalten, müssen entsprechend ausgebildete Sachverständige („Energieberater für Baudenkmale“) hinzugezogen werden. Energieberater für Baudenkmale haben eine zertifizierte Fortbildung absolviert, deren Leitfaden von der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerksunterhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA) und der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL), der deutschlandweiten Dachorganisation der Denkmalfachämter, erarbeitet wurde. Mit ihren speziellen Kenntnissen zum Umgang mit Baudenkmalen sowie entsprechendem bauphysikalischem Wissen sind sie in der Lage, auch in Hinblick auf die Interessen des Eigentümers, eine geeignete, denkmalverträgliche Konzeption für die energetische Verbesserung des Gebäudes zu entwickeln.

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Nutzen der Ökobilanz

Denk mal nachhaltig: Ökobilanzen und Lebenszyklen

Bei der energetischen Ertüchtigung ist immer auch zu bedenken, ob die einzelne Maßnahme ökologisch sinnvoll ist, denn Baustoffe müssen in der Regel unter hohem Energieaufwand hergestellt und transportiert werden. Vor dem Hintergrund, dass der Bausektor einen wesentlichen Teil der klimaschädlichen CO2-Emmissionen zu verantworten hat und die natürlichen Ressourcenvorkommen endlich sind, ist das nachhaltige Bauen in den letzten Jahren immer weiter in den Fokus gerückt. Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben Leitfäden für verschiedene Anwendungszwecke erarbeitet, die es möglich machen, anhand bestimmter Kriterien, Gebäude hinsichtlich ihrer ökologischen, ökonomischen soziokulturellen Qualität zu bewerten. Planung, Betrieb und Standort des Gebäudes werden ebenfalls einbezogen. Die Ökobilanzierung ermöglicht hierbei über eine neutrale Berechnungs- und Optimierungsmethode die Analyse des Lebenszyklus (LCA) eines Gebäudes, eines Produkts oder einer Dienstleistung. Von der „Wiege bis zur Bahre“ werden sämtliche Emissionen und Ressourcenverbräuche erfasst; die Ermittlung entsprechender Lebenszykluskosten trifft dabei eine Aussage zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit (s. Grafik).

Der denkmalgeschützte Baubestand kann aufgrund seiner besonderen Anforderungen an den Erhalt von Substanz und Erscheinungsbild vielfach im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme nicht die thermische Qualität einer nach diesen Prinzipien optimierten, neu errichteten Gebäudehülle erreichen. Nachweisverfahren zur Energieeffizienz konzentrieren sich zudem bisher auf den Gebäudebetrieb. Allerdings lässt sich für Bestandsgebäude in die Waagschale legen, dass diese bereits in vieler Hinsicht normierte Lebenszyklen überdauert haben und „graue Energie“ nicht unerheblich binden. Rückblickend kann hierauf bisher zwar kaum auf belastbare Vergleichs- und Modellberechnungen zurückgegriffen werden. Jedoch ist für eine denkmalgerechte Instandsetzung, die auf Reparatur, schonende Ertüchtigungsmaßnahmen und auf die Verwendung traditioneller Baustoffe setzt, weniger Treibhauspotenzial zu bilanzieren als bei Abriss und großflächiger Erneuerung von Bauteilen. In dieser Hinsicht trägt eine substanzschonende Denkmalinstandsetzung zum Klimaschutz bei. Ökobilanzierungen werden zukünftig sicher eine noch verbreitetere Rolle in der Bautätigkeit haben. In diesem Zusammenhang sollten die Aspekte von Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und die Verlängerung der Nutzungsdauer von bereits bestehender, – Energie bindender – Gebäudesubstanz mehr Gewicht bekommen.

Baudenkmale tragen nicht nur zur lokalen und kulturellen Identität bei, sondern sie vermitteln auch wertvolles Wissen über lokale Bautraditionen und über Jahrhunderte erprobte bauklimatische Aspekte. Auch aus diesem Grund müssen sie als Teil einer nachhaltigen Entwicklung von Lebensräumen verstanden werden.

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