Siedlungen der Berliner Moderne

Gartenstadt Falkenberg
Siedlungen der Berliner Moderne
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Die Siedlungen

Die sechs Siedlungen entstanden zwischen 1913 und 1934. Architekten der klassischen Moderne gaben auf höchstem architektonischem Niveau Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg: moderne, bezahlbare Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne. Die qualitätsvolle Baukunst, die Formensprache, die Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen wurden zum Vorbild für das ganze 20. Jahrhundert.

Planung und Bau der Siedlungen markierten einen Strukturwandel im Wohnungswesen, wie er in dieser Form nur unter den besonderen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg möglich war. Als Gegenmodell zur privatwirtschaftlichen Bauspekulation mit ihren Mietskasernen sollten sie eine neue Architektur für eine neue Gesellschaft verwirklichen.

Ästhetische Vorstellungen der Avantgarde aus Kunst und Architektur verbanden sich dabei mit den sozialen Ideen der politischen Linken. Gewerkschaftliche, genossenschaftliche und städtische Baugesellschaften wurden zu den Trägern dieser gebauten Utopie.

Heute nimmt ein zweiter Wandel Form an. Die öffentliche Hand zieht sich aus dem Wohnungsbau zurück und privatisiert die Wohnungen an Mieter und Investoren. Und wieder werden die Siedlungen zum Modell, das zeigt, wie sich der Erhalt dieser emblematischen Baudenkmale mit zeitgemäßen Anforderungen an Ausstattung und Komfort in Einklang bringen lässt.

Aufnahme in die Welterbeliste

Das Welterbe-Komitee hat bei seiner 32. Sitzung in Quebec / Kanada am 07.07.2008 beschlossen, die sechs Siedlungen der Berliner Moderne in die Welterbe-Liste der UNESCO aufzunehmen. Der Antrag entspricht der UNESCO-Strategie, Stätten der Moderne verstärkt als Welterbe zu schützen. Die Siedlungen zeichnen sich international nicht nur durch ihre große Bedeutung, sondern auch durch ihren guten Erhaltungszustand aus.

Der außergewöhnliche universelle Wert (OUV)

  • Kriterium (ii): Die sechs Berliner Siedlungen zeigen beispielhaft den Wertewandel im europäischen Wohnungsbau, da sie als Ausdruck einer breiten Wohnreformbewegung entscheidend zur Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse beigetragen haben. Ihre städtebaulichen, architektonischen und freiraumplanerischen Qualitäten sowie damals entwickelten Wohnstandards hatten Vorbildwirkung für den sozialen Wohnungsbau in und außerhalb von Deutschland.
  • Kriterium (iv): Die sechs Berliner Siedlungen sind ein herausragendes Beispiel eines neuen städtebaulichen und architektonischer Typus auf der Suche nach verbesserten Wohn- und Lebensbedingungen. International renommierte Architekten entwickelten modellhaft neue Siedlungsstrukturen mit einer vorbildlichen sozialen und versorgungstechnischen Infrastruktur sowie Gemeinschaftseinrichtungen mit einem breiten Spektrum an gemeinschaftlichen Funktions- und Erlebnisräumen.

Zukunftsfähigkeit

Der Überlieferungszustand aller sechs Siedlungen ist ausgezeichnet – nicht zuletzt, weil die Denkmalpflege ihre Bedeutung schon vor Jahrzehnten erkannte und sich seither um den originalgetreuen Erhalt bemüht. Nach Vorarbeiten und Gutachten in den 1980er Jahren begann man spätestens in den 90er Jahren mit der fachgerechten Sanierung der Bauten und Freiflächen. Mit dem Denkmalschutzgesetz und – im Fall der Wohnstadt Carl Legien – einer Erhaltungssatzung nach Baugesetzbuch sichern heute für jeden Eigentümer verbindliche Vorschriften den weiteren Erhalt der sechs Siedlungen. Das ist umso wichtiger, als das Land Berlin seine Rolle im Wohnungsbau seit den 1990er Jahren neu definiert hat. Die Konzentration der öffentlichen Handlungsfelder und der entspannte, differenzierte Wohnungsmarkt sind zwingende Gründe für diesen jüngsten Paradigmenwandel. Vor diesem Hintergrund erhält die Rolle privater Eigentümer mehr Gewicht. Die Wohnungen sind als stadtnahe Alternative zum Umland, aber auch wegen ihrer qualitätsvollen Gestaltung bei Investoren wie Mietern gefragt.

Wo heutige Bedürfnisse durch die ursprüngliche Architektur (noch) nicht erfüllt werden, gilt es, in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege neue Lösungen zu entwickeln – etwa in Fragen der Wohnungsgrößen, des barrierefreien Wohnens oder bei zukunftsfähigen Umnutzungskonzepten für die siedlungsinterne Infrastruktur. Energieeinsparungen wurden bereits im Rahmen der Sanierungen realisiert: durch optimierte Kastenfenster, neue Haustechnik und die Dämmung von Keller und Dach. Das stabile Mauerwerk und die kompakte Bauweise der Siedlungen haben dafür ohnehin eine gute Ausgangsposition geschaffen. Positiv auf die Nachhaltigkeitsbilanz wirkt sich zudem die Lage der Siedlungen aus. Von Beginn an waren die Siedlungen nicht auf das Auto ausgelegt. Dafür ist überall ein Anschluss an das U- und S-Bahn-Netz vorhanden.

Gartenstadt Falkenberg

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Ausführliche Informationen zur Gartenstadt Falkenberg als Teil der UNESCO-Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“. Weitere Informationen

Siedlung Schillerpark

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

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Großsiedlung Britz

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Fotoarchiv

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Wohnstadt Carl Legien

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

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Weiße Stadt

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

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Großsiedlung Siemensstadt

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Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

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