Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Viele Menschen stehen vor der Herausforderung, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Besonders Frauen sind hierbei häufig mit zusätzlichen Belastungen konfrontiert, da sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit weiterhin den größten Anteil an unbezahlter Sorgearbeit übernehmen – etwa bei der Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen oder im Haushalt.

Gender Care Gap: Ungleichverteilung der Sorgearbeit

Der Gender Care Gap ist ein zentraler Indikator für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. Er beschreibt den Unterschied im Zeitaufwand, den Frauen und Männer für unbezahlte Sorgearbeit wie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit und Ehrenamt, aufbringen.

Frauen leisten in Deutschland deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer: Der aktuelle Gender Care Gap beträgt 43,4 Prozent. Das bedeutet, Frauen investieren durchschnittlich täglich 43,4 Prozent mehr Zeit in unbezahlte Sorgearbeit als Männer – etwa 76 Minuten pro Tag. Männer verbringen pro Woche knapp 20 Stunden, Frauen knapp 29 Stunden mit unbezahlter Sorgearbeit. Werden bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen betrachtet, arbeiten Frauen sogar mehr als Männer.

Diese Ungleichverteilung führt dazu, dass Frauen weniger Zeit für berufliche Entwicklung, Weiterbildung oder Erholung haben und seltener in Führungspositionen vertreten sind. In der Folge spiegelt sich diese strukturelle Benachteiligung auch in finanzieller Hinsicht wider: Frauen erzielen im Durchschnitt geringere Einkommen, sind dadurch ökonomisch weniger unabhängig und stärker von Altersarmut betroffen.

Bedeutung der Vereinbarkeit für die Gleichstellung und Arbeitswelt

Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ist daher ein zentrales Thema der Gleichstellungspolitik. Sie zielt darauf ab, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglichen, familiäre Verantwortung und berufliche Entwicklung miteinander zu vereinbaren.

Die Bedeutung der Vereinbarkeit für die Arbeitswelt ist enorm: Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Fachkräfte gewinnen und halten können, ob Beschäftigte motiviert und leistungsfähig bleiben und wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz sind. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind familienfreundliche Arbeitsbedingungen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Erfolgsfaktoren für eine bessere Vereinbarkeit

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege zu verbessern. Dazu zählen flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte wie Homeoffice, die es erleichtern, Beruf und familiäre Pflichten besser zu koordinieren, sowie eine paritätische Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Partner. Ebenso entscheidend ist eine Unternehmenskultur, die die Vereinbarkeit und Gleichstellung aktiv fördert. Staatliche Leistungen wie Elterngeld, Pflegegeld oder Kindergeld bieten finanzielle Entlastung und schaffen Sicherheit. Eine gut ausgebaute Infrastruktur unterstützt Familien und pflegende Angehörige im Alltag – etwa durch zuverlässige und hochwertige Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen sowie gut erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungs- und Beratungsangebote.

Kinderbetreuung in Berlin

In Berlin haben alle Eltern mit einem Kind ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung von bis zu sieben Stunden täglich in einer Kita oder bei einer Tagespflegeperson. Um gute Rahmenbedingungen für Eltern zu schaffen. Wenn die Arbeitszeiten (inklusive Wegzeiten) regelmäßig die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtung überschreiten, können Eltern beim Jugendamt einen Antrag auf ergänzende Kindertagespflege stellen. Die Betreuung findet meist im häuslichen Umfeld der Familie statt und ist kostenfrei. Flexible Angebote richten sich besonders an Alleinerziehende oder Eltern mit unregelmäßigem Betreuungsbedarf, z. B. bei Arztterminen, kurzfristigen Terminen oder zur Entlastung im Alltag. Die kostenfreie Betreuung kann stundenweise, nach individueller Absprache und oft auch kurzfristig erfolgen – entweder in Familienzentren, bei Trägern oder zu Hause.

  • Berlinweite Angebote ergänzender und flexibler Kinderbetreuung (Auflistung, Stand August 2025)

    PDF-Dokument (861.4 kB)
    Dokument: SenASGIVA

  • Merkblatt Ergänzende Kindertagespflege 2021

    PDF-Dokument (115.4 kB)
    Dokument: SenFrauen

Beratungsangebote zum Thema Vereinbarkeit

Projekt KOBRA vom Berliner Frauenbund 1945 e. V

Die von der Abteilung Frauen und Gleichstellung geförderte Fachstelle Vereinbarkeit Beruf, Familie und Pflege des Projektes KOBRA vom Berliner Frauenbund 1945 e. V. berät Menschen mit Fürsorgeverantwortung und Personalverantwortliche in Unternehmen und Betrieben über die rechtlichen Regelungen zur Gestaltung der Elternzeit und der (Familien-)Pflegezeit und entwickelt gemeinsam mit ihnen individuelle Lösungen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Neben telefonischer Kurzberatung, werden Einzel- und Paarberatung (Anm. Paarberatung nur für werdende Eltern) sowie Gruppenberatung angeboten. Für Unternehmen und Betriebe sowie für Fachleute und Multiplikator*innen bietet KOBRA Beratungen, Schulungen und Workshops an. Für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf steht zusätzlich das ortsunabhängige Pflegeportal von Projekt KOBRA zur Verfügung, das berlinweit pflegenden Angehörige, Personen mit Personalverantwortung und Fachleute adressiert.

Strukturstelle ergänzende und flexible Kinderbetreuung von SHIA e.V.

Die von der Abteilung Frauen und Gleichstellung geförderte Strukturstelle berät Eltern, insbesondere Alleinerziehende, zur ergänzenden Kindertagespflege, Notfallbetreuung, flexible Betreuungsangebote und Patenschaften. Die Beratung richtet sich neben (alleinerziehenden) Eltern auch an Fachkräfte. Neben Einzelberatungen werden auch verschiedene Gruppenangebote und Informationsveranstaltungen angeboten. Die Beratung erfolgt telefonisch, online oder persönlich oder per Mail.

Weiterführende Informationen

Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung

Abteilung Frauen und Gleichstellung

Ansprechpartnerin

Stefanie Vorberger