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Das Rathaus Schöneberg im Wandel der Zeit

Historische Ansicht des Rathauses Schöneberg

Die Gemeinde Schöneberg errichtete im Jahr 1874 am Richard-von-Weizsäcker-Platz 3 (damals noch Bahnstraße) sein Amtshaus mit angeschlossenem Gefängnis. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums der Gemeinde wurde in den Jahren 1891 und 1892 das Amtshaus an gleicher Stelle durch einen größeren Neubau ersetzt, dazu wurde ein Teil der benachbarten Dorfschule abgerissen.

Im Jahr 1898 erhielt Schöneberg das Stadtrecht, Die Einwohnerzahl stieg weiter rapide an und lag in jenem Jahr schon bei über 70.000. Unter Rudolph Wilde, dem ersten Bürgermeister Schönebergs, begannen die Planungen für den Bau des heutigen Rathauses Schöneberg.

Das alte Rathausgebäude am Richard-von-Weizsäcker-Platz wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Eine Gedenktafel an dem heute dort stehenden Wohnhaus erinnert an das „alte Rathaus der Stadt Schöneberg“. Im Foyer des Rathauses Schöneberg hängt ein Gemälde von Louis Lejeune, auf dem das Alte Amtshaus dargestellt ist.

Gemälde des alten Amtshauses im Foyer des Rathauses Schöneberg

Gedenktafel für das "Alte Schöneberger Rathaus" am ehemaligen Standort

1911 legte Oberbürgermeister Alexander Dominicus den Grundstein für das „Neue Rathaus“ der Stadt Schöneberg, das durch den enormen Bevölkerungszuwachs notwendig war. Neben Versammlungssälen und „Bureauräumen“ waren eine Ausstellungshalle, ein Bürgersaal für kulturelle Zwecke, eine Bibliothek und ein Ratsweinkeller vorgesehen.

Historische Ansicht eines großen Gebäudes mit Turm

Rathaus Schöneberg 1914 kurz vor Fertigstellung

Als der Bau der Berliner Architekten Jürgensen und Bachmann 1914 bezugsfertig war, herrschte Krieg. Statt üppiger Bankette gab es im Ratskeller eine „Volksküche“ und nebenan wurde eine Materialsammelstelle eingerichtet. Kaum war der Krieg vorbei und die Weimarer Republik ausgerufen, wurde Schöneberg 1920 zum 11. Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin. Aus Stadtverordneten wurden Bezirksverordnete.

Der Machtantritt der Nationalsozialisten bedeutete eine Entmachtung kommunaler Stellen. Das Bezirksamt wurde, wie die gesamtdeutsche Verwaltung, zum Ausführungsorgan der NS-Gesetze und Verordnungen. Das Gebäude überlebte den 2. Weltkrieg stark beschädigt. Doch die Arbeit ging weiter, Krisenmanagement war das Gebot der Stunde. Das Rathaus wurde für die Bevölkerung zur wichtigen Anlaufstelle: Hier war das Wohnungsamt und hier gab es Bezugsscheine – für Lebensmittel, Kohlen, Seife.
Auch wurde in der schweren Stunde versucht, schnell wieder das kulturelle Leben anzugehen: Für eine Theateraufführung im Bürgersaal diente ein Holzbrikett als Eintrittskarte.

Nach der politischen Spaltung der Stadt und der Blockade Berlins durch die Sowjets kam man auf die Idee, das Rathaus Schöneberg vorübergehend für die „Westberliner Regierung“ zu nutzen.
Der Bürgersaal wurde nun zum Plenarsaal umgebaut und der Bezirksbürgermeister räumte seinen Platz für den Regierenden Bürgermeister.

Über vierzig Jahre lang teilte sich der Bezirk Schöneberg „sein“ Rathaus mit der Berliner Stadtregierung – was zunächst ein Provisorium war, schien zur Dauerlösung zu werden. Hier arbeiteten Ernst Reuter, Willy Brandt und Richard von Weizsäcker, hier schrieben sich John F. Kennedy, Queen Elisabeth II. und unzählige andere Staatsgäste ins „Goldene Buch“ ein.

Vom Turm aus läutete die Freiheitsglocke ihre Botschaft in die Berliner Luft und auf dem Platz vor dem Rathaus versammelten sich Hunderttausende zu politischen Kundgebungen im Zeichen des Kalten Krieges.

Kennedys wohl berühmtester Satz: „Ich bin ein Berliner” wurde hier 1963 als wichtige Solidaritätsbekundung Amerikas von den Berliner_innen begeistert aufgenommen. Das tiefe Entsetzen der Bevölkerung nach seiner Ermordung spiegelte sich u.a. auch vor dem Rathaus wider und der Vorplatz wurde in Gedenken in „John-F.-Kennedy-Platz“ umbenannt.

Zur 750 Jahr Feier Berlins 1987 erstrahlte das Haus in neuem „alten Glanz“, zwei Jahre später fiel die Mauer, die Regierung zog ins Rote Rathaus, der ehemalige Preußische Landtag wurde der Sitz des Abgeordnetenhauses und der Bezirk hatte den gewaltigen Gebäudekomplex wieder für sich.

Heute arbeitet der Bezirksbürgermeister wieder in den angestammten Räumen, am originalen Schreibtisch von Alexander Dominicus und man kann den Glanz des Hauses noch deutlich anhand der wunderschönen repräsentativen Räumlichkeiten spüren.

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Postanschrift
10820 Berlin