Bahnhofstraße Lichtenrade

Bahnhofstraße Lichtenrade März 24

Das Straßen- und Grünflächenamt erreichen regelmäßig Anfragen zum Baufortschritt im Großprojekt Umbau Bahnhofsstraße. Die Hinweise auf die wirtschaftlichen Belastungen, die eingeschränkte Erreichbarkeit und die allgemeine Beeinträchtigung der Aufenthaltsqualität werden sehr ernst genommen. Alle beteiligten Stellen sind an einer zügigen Realisierung interessiert. Die in einem möglichen Einwohnerantrag formulierte Forderung, die Gesamtmaßnahme bereits bis Ende 2027 fertigzustellen, ist aus Sicht der Bauausführung jedoch unter den gegebenen bautechnischen und personellen Rahmenbedingungen leider nicht realistisch umsetzbar.

Ein wesentlicher Grund hierfür liegt in der außerordentlichen Komplexität der Leitungssanierungen durch die Berliner Wasserbetriebe. Deren Arbeiten an den Regenwasser-, Abwasser- und Frischwasserleitungen nehmen einen weitaus größeren Umfang ein, als dies im Vorfeld der Planung in dieser Tiefe abgestimmt war. Da die Versorgung der Anwohner_innen während der gesamten Bauzeit lückenlos garantiert werden muss, sind aufwendige Leitungsprovisorien erforderlich, deren Herstellung und Inbetriebnahme zeitintensive Prozesse sind, die nicht beliebig verkürzt werden können.
Erschwerend kommt hinzu, dass im aktuellen Bauabschnitt zwar grundsätzlich mit dem Auftreten von Grundwasser gerechnet wurde, dieses jedoch in der Realität deutlich höher steht, als es im Zuge der ursprünglichen Baugrunderkundung während der Planung ermittelt worden war. Dies erforderte eine kurzfristige Umplanung hin zu einer komplexen, geschlossenen Wasserhaltung, die zunächst beantragt und hergestellt werden musste. Allein für die Arbeiten der Wasserbetriebe im kommenden 2. Bauabschnitt auf der Nordseite ist zudem ein Zeitraum von etwa acht bis zehn Monaten veranschlagt. Da der eigentliche Straßenbau erst nach dem vollständigen Abschluss dieser tiefbaulichen Leitungsarbeiten beginnen kann, ergibt sich hieraus eine zeitliche Abfolge, die eine Fertigstellung bis 2027 bautechnisch ausschließt. Seien Sie jedoch versichert, dass der Bezirk und alle Leitungsträger weiterhin alles daransetzen, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten und das Projekt so schnell wie unter diesen komplexen Bedingungen möglich abzuschließen.

Erschwert wird die Situation durch den branchenweiten Fachkräftemangel und die allgemeine Personalknappheit. Es ist generell sowie den beauftragten Firmen daher nicht möglich, die Kolonnen vor Ort beliebig zu verstärken, um die Prozesse massiv zu beschleunigen. Dennoch ist für die Arbeiten des Bezirksamtes bereits proaktiv reagiert worden: Nachdem die 2022 beauftragte Firma aufgrund eines unzureichenden Baufortschritts aus dem Vertrag entlassen werden musste, konnten wir mit der Neuausschreibung im Jahr 2024 ein leistungsfähigeres Unternehmen binden, das seither sichtbare Fortschritte erzielt. Wir sind zudem bestrebt, Arbeiten dort parallel auszuführen, wo dies ursprünglich nicht vorgesehen war, um Zeitverluste zu kompensieren. Dennoch bleiben wir von externen Faktoren und den Zeitplänen Dritter abhängig; so führen etwa unvorhersehbare Ereignisse wie die oben genannte Grundwassersituation sowie witterungsbedingte Winterpausen unweigerlich zu Verschiebungen im Zeitplan, auf die nur bedingt Einfluss genommen werden kann.

Bahnhofstraße Lichtenrade März 24

Hintergrund zum Projekt Bahnhofsstraße

Darum geht es:
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg führt im Rahmen des Städtebauförderprogramms “Lebendige Zentren und Quartiere” den Umbau der Bahnhofstraße in Lichtenrade durch. Dabei wird die Bahnhofstraße/Goltzstraße zwischen der Steinstraße und dem Kirchhainer Damm umgebaut. Die Planung basiert auf einer umfassenden Beteiligung von Bürger_innen und weiteren betroffenen Akteur_innen mittels Informationsveranstaltungen und Workshops. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit der Einkaufsstraße zu erhöhen. Im Zuge der Baumaßnahme werden die Fahrbahn- und Gehwegbefestigungen und Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut sowie die Straßenbeleuchtung erneuert. Einen großen Anteil an der Umbaumaßnahme haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB), welche Ihre Regenwasser-, Abwasser- und Frischwasserleitungen zurückbauen und neu verlegen. Die einzelnen Hausanschlüsse werden ebenfalls durch die Berliner Wasserbetriebe erneuert. Ebenso werden diverse Leitungen von den Leitungsträgern Stromnetz, NBB, Vodafone, Telekom, 1&1 Versatel erneuert/verlegt. Die InfraSignal, die für Lichtsignalanlagen (Ampeln) zuständig ist, ist ebenfalls im Projekt beteiligt.

So wird informiert:
Für die Öffentlichkeitsarbeit wurde ein externes Büro beauftragt, welches die Anwohner_innen und Gewerbetreibenden auf dem Laufenden hält und bei ihren Anliegen weiterhilft/unterstützt. Für den Informationsfluss gibt es einen Newsletter, eine Sprechstunde und diese Website. Des Weiteren gibt es Ansprechpartner_innen sowie Informationen auf der Website über die Beantragung von Überbrückungshilfen für betroffene Gewerbetreibende.

Das ist der Ablauf:
Die Umbaumaßnahme Bahnhofstraße/Goltzstraße wurde in 3 Bauabschnitte aufgeteilt. Der 1. Bauabschnitt reicht vom Kirchhainer Damm bis zur Mellener Straße. Der 2. Bauabschnitt reicht von der Mellener Straße bis zur Riedinger Straße. Der 3. Bauabschnitt geht von der Riedinger Straße bis zur Steinstraße/Briesingstraße. Damit der Verkehrs- und Geschäftsbetrieb während der Umbauarbeiten aufrechterhalten werden kann, werden die Umbauarbeiten halbseitig durchgeführt. Demnach wurden die 3 Bauabschnitte in jeweils 2 weitere Abschnitte, 1. Süd und 2. Nord, unterteilt. Die Bauarbeiten im jeweiligen Bauabschnitt sind nochmals in Fahrbahn- und Gehwegarbeiten aufgeteilt. Die Gehwegarbeiten werden sukzessive fertiggestellt, sodass die Gehwege vor den Geschäften schnellstmöglich wieder freigegeben werden können. Während der Gehwegarbeiten wird weiterhin der Zugang zu den Geschäften mithilfe von Provisorien aufrechterhalten, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.

Für jeden Bauabschnitt wird eine verkehrsrechtliche Anordnung bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) beantragt. Der Antrag beinhaltet einen Verkehrszeichenplan, in welchem die Absperrungen, Verkehrszeichen und Umleitungen dargestellt sind. Dieser wird seitens der SenMVKU geprüft und von den Teilnehmern öffentlicher Belange angehört. Die Verkehrsführung der Umbaumaßnahme Bahnhofstraße hat diesen Prozess durchlaufen und wurde von der SenMVKU angeordnet. Trotz der verkehrsrechtlichen Anordnung werden die Verkehrsführung und -sicherheit vor Ort immer wieder aufs Neue evaluiert. Erst kürzlich ist im Rahmen der Umbaumaßnahme Bahnhofstraße am 16.04.2026 an der Kreuzung Bahnhofstraße/Steinstraße – Briesingstraße eine provisorische Lichtsignalanlage (Ampel) nachgerüstet worden, um die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer an diesem Knotenpunkt sicherzustellen.

So verlief das Projekt bisher:
Die Umbauarbeiten der Bahnhofstraße haben im September 2022 im 1. Bauabschnitt auf der Nordseite begonnen. Aufgrund des schleppenden Baufortschritts wurde im Jahr 2024 mit der damaligen ausführenden Straßenbaufirma ein Aufhebungsvertrag geschlossen. Daraufhin wurden die Straßenbauarbeiten im Jahr 2024 erneut ausgeschrieben und beauftragt. Juni 2024 hat die neue Straßenbaufirma mit den Umbauarbeiten begonnen. Anfang September 2024 konnte die Nordseite des 1. Bauabschnitts fertiggestellt werden. Anschließend wurden die Arbeiten auf der Südseite des 1. Bauabschnittes im Bereich zwischen dem Kirchhainer Damm und der Goltzstraße begonnen und im Juni 2025 fertiggestellt. Die Südseite des 1. Bauabschnitts im Bereich zwischen der Goltzstraße und der Mellener Straße wurde Mitte Dezember 2025 fertiggestellt. Somit wurde der 1. Bauabschnitt bereits umgebaut. Mittlerweile befinden sich die Bauarbeiten im 2. Bauabschnitt auf der Südseite. Hier arbeiten derzeit ausschließlich die Berliner Wasserbetriebe im Baufeld. Durch das unerwartete vorfinden von Grundwasser in diesem Bauabschnitt innerhalb der Baugrube für den Schmutzwasserkanal der BWB, kam es zu Verzögerungen des Bauablaufs. Das Problem wurde Seitens der BWB gelöst, indem eine geschlossene Wasserhaltung (Grundwasserabsenkung) beantragt, beauftragt und hergestellt wird. Um längere Bauzeitverzögerungen zu vermeiden wurden die Arbeiten an der Trinkwasserleitung von der BWB vorgezogen und am 08.05.2026 bereits abgeschlossen. Ab der 20. KW beginnt die Inbetriebnahme der Grundwasserabsenkung und die Arbeiten am Schmutzwasserkanal.

Zur Information: es gab in den letzten Jahren eine zweite Großbaustelle in der Bahnhofstraße durch die Deutsche Bahn mit dem Bau der Dresdener Bahn. Diese Baumaßnahmen ist fast vollständig fertiggestellt. Nur die Wiederherstellung des Pfarrer-Lüttke-Haus Platzes ist noch offen. Nach Kenntnis des Bezirksamtes müssen sich Berliner Wasserbetriebe und Deutsche Bahn hier auf Details im Hinblick auf die Entwässerung einigen. Der Bezirk hat die beiden Akteure bereits mehrfach zur Finalisierung der Abstimmungen aufgefordert, damit auch hier noch in diesem Jahr wieder die Busse fahren können und der Platz für die Öffentlichkeit nutzbar wird.

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Straßen- und Grünflächenamt
Fachbereich Straßen