Einsamkeit ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen betreffen kann. Gerade im Alter können Veränderungen wie der Übergang in den Ruhestand, der Verlust nahestehender Menschen, gesundheitliche Einschränkungen oder eingeschränkte Mobilität dazu führen, dass soziale Kontakte abnehmen. Gleichzeitig prägen auch Faktoren wie Wohnumfeld, finanzielle Möglichkeiten, kulturelle Zugänge oder Migrationserfahrungen die Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe.
Christine Fidancan, Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement und gegen Einsamkeit im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg:
„Einsamkeit lässt sich nicht durch ein einzelnes Angebot lösen. Es braucht ein Zusammenspiel verschiedener Akteur_innen, Orte der Begegnung und eine Kultur des Hinschauens.“
Der Fachtag widmet sich der Frage, wie ältere Menschen in ihrer Vielfalt erreicht, gestärkt und nachhaltig eingebunden werden können. Im Mittelpunkt stehen kommunale Handlungsmöglichkeiten, die Bedeutung von Begegnungsorten sowie die Rolle von Engagement, Nachbarschaft und professionellen Unterstützungsstrukturen.
Der Fachtag bringt Wissenschaft, Fachpraxis, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen. Die fachlichen Impulse greifen unterschiedliche Perspektiven auf Einsamkeit, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit auf.
- Carola Schaaf-Derichs (npo-coaching | Organisationsentwicklung) spricht über die Bedeutung freiwilligen Engagements als Chance für Teilhabe, Sinn und Gemeinschaft im Alter.
- Prof. Dr. med. Wolfram Hermann (Charité – Universitätsmedizin Berlin) beleuchtet mit dem Ansatz des Social Prescribing neue Wege, soziale Bedürfnisse stärker in Prävention und Versorgung einzubeziehen.
- Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin (Berlin School of Public Health), Mitglied der Sachverständigenkommission zum 9. Altenbericht der Bundesregierung, widmet sich der Vielfalt von Lebenslagen, ungleichen Teilhabechancen sowie diversitätssensibler Versorgung, alternden Migrant_innen und intersektionalen Perspektiven auf Gesundheit und Pflege.
Ergänzend ermöglichen praxisorientierte Workshops den Austausch zu konkreten Handlungsansätzen. Dabei werden Themen wie digitale Teilhabe und Digitalisierung mit Jacob Svaneeng (Projektleitung Digitalzebra), inklusive Quartiersentwicklung, Mobilität und Niedrigschwelligkeit mit Petra Potz, location³ sowie Kommunikation, Enttabuisierung und Zugänge zu Unterstützung im Kontext von Queer & Migration mit Eva Obernauer und Adam Smiley (Fachstelle LSBTI, Altern und Pflege, Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt) vertieft. Der Workshop zu Armut als Hürde sozialer Teilhabe in Kultur und Sport wird von Christiane Ströhl, Senior_innenarbeit des Bezirks geleitet. Ergänzt werden die Workshops durch Praxisbeispiele unter anderem von Silbernetz e. V., dem Lichtenrader ReWIR e.V., dem Theater der Erfahrungen, Freunde Alter Menschen e. V. und Über den Tellerrand e. V.
Der Fachtag wird durch das Ehrenamtsbüro des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg organisiert und knüpft an die Arbeit des lokalen Netzwerks gegen Einsamkeit an. Ziel ist es, Wissen zu teilen, erfolgreiche Ansätze sichtbar zu machen und gemeinsam Strategien für mehr soziale Teilhabe im Bezirk weiterzuentwickeln.