Wärmewende in Altbauquartieren: Forschungsprojekt entwickelt Blaupausen im Schöneberger Norden

Pressemitteilung Nr. 201 vom 26.05.2026

Der Schöneberger Norden

Eine Herausforderung in der Umsetzung der Wärmewende in Berlin sind die zahlreichen Altbauquartiere. In einem neuen Forschungsprojekt steht der Kiez „Schöneberger Norden“ Pate für die Entwicklung von Lösungen für die klimafreundliche und bezahlbare Wärmeversorgung von Bestandsgebäuden in stark verdichteten Innenstadtbereichen.

Das Projekt WärmSchöN untersucht mit Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE), wie Bezirk, Land und lokale Akteure die Wärmewende auf Quartiersebene gemeinsam umsetzen können und wie die Erfahrungen anderen Quartieren als Blaupausen dienen können.

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann betont:
„Damit eine sozialverträgliche Wärmewende gelingt, müssen Senat, Bezirk und Unternehmen vor Ort gut zusammenarbeiten. Zugleich sollten Bürger_innen frühzeitig einbringen können, was ihnen wichtig ist.“

Das Projekt WärmSchöN untersucht die dafür nötigen Prozesse und Werkzeuge.

Die Ergebnisse sollen auch in anderen dicht besiedelten Bestandsquartieren in Berlin und darüber hinaus als Vorbild für klimaneutrale und sozialverträgliche Wärmeversorgungslösungen dienen. Geplant sind aufbereitete Konzepte und Infomaterialien, die Bezirke und andere Akteure bei der Planung, Kommunikation und Realisierung unterstützen.

In dem Projekt kooperiert das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Hermann-Rietschel-Institut der Technischen Universität Berlin (TU Berlin), der Gewobag Energie- und Dienstleistungsgesellschaft, der AG Wärmewende beim Quartiersrat Schöneberger Norden und der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU).

Fernwärmenetz mit lokalen Wärmenetzen ergänzen

Bis 2045 will Berlin klimaneutral werden, doch noch immer ist Erdgas die wichtigste Wärmequelle.

Dr. Julika Weiß vom IÖW, Projektleiterin und Umweltingenieurin, erklärt:
„Damit Heizen auch in Zukunft bezahlbar bleibt, braucht es energetische Sanierungen und einen Ausstieg aus fossilen Wärmequellen. Der Schöneberger Norden ist ein typisches Beispiel für die Situation von Berliner Altbauquartieren: Sie bestehen überwiegend aus vermieteten Bestandsgebäuden, die aktuell einen hohen Energieverbrauch haben und – wenn sie nicht in Fernwärmenetzgebieten liegen – noch überwiegend mit Gas beheizt werden.“

Das Gebiet ist geprägt von einer dichten, gründerzeitlichen Blockrandbebauung aus der Zeit um 1900, die durch markante Nachkriegsbauten und soziale Wohnungsbauprojekte der 1970er-Jahre ergänzt wird.

In Bestandsgebieten, die in den nächsten Jahren keinen Anschluss ans Fernwärmenetz erhalten, stellt sich die Frage, wie diese zukünftig klimaneutral beheizt werden. Nahwärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien oder lokaler Abwärme können dort eine sinnvolle und wirtschaftliche Lösung sein. Derzeit gibt es jedoch noch viele Herausforderungen, lokale Wärmenetze anzustoßen und umzusetzen.

Von Partizipationsformaten bis zur technischen Machbarkeit

Das transdisziplinäre Projektteam bearbeitet vier Themenbereiche:

  • Erstens werden als wichtiger Baustein Kooperationsmodelle für Finanzierung und Betrieb eines möglichen lokalen Wärmenetzes untersucht.
  • Zweitens entwickelt das Team basierend auf Gesprächen mit Bürger_innen ein Konzept für eine partizipative und sozialverträgliche Umsetzung der Wärmeversorgung.
  • Drittens geht es darum, die Handlungsmöglichkeiten von Land und Bezirksamt zu verstehen und auszuweiten, etwa beim Bereitstellen von Flächen für die Wärmeerzeugung und -speicherung.
  • Viertens werden verschiedene technische Varianten für die klimaneutrale Wärmeversorgung und die energetische Sanierung verglichen und bewertet. Dazu betrachten die Forschenden etwa, welche lokalen Wärmequellen wie Geothermie oder Abwärme – etwa von Abwasser – in dem Untersuchungsgebiet verfügbar und wirtschaftlich erschließbar sind.