Ein kleines Gartenhaus wird zum gemeinsamen Wohnzimmer im Grünen

Interkultureller Garten von mehreren Generationen

Interkultureller Garten im AVA-Kiez

Östlich der U-Bahnlinie 6 – zwischen Seidel- und Otisstraße – liegt der AVA-Kiez. AVA steht für Auguste-Viktoria-Allee. Offenbar mag man in diesem Quartiersmanagementgebiet knackige Abkürzungen ganz besonders. Da gibt es den Sportplatz Klix-Arena, die Begegnungsstätte S.O.F.A., den Kinder- und Jugendclub QuäX oder den Jugendclub LAIV. Dieser wird gerade mit EU-Fördermitteln neu gebaut und zu einem Jugend- und Stadtteilzentrum erweitert. Mit dem JuX kam am 30. September eine weitere Einrichtung ins AVA-Abkürzungsverzeichnis. Der neue, eher ungewöhnliche Jugendtreff ist ein Gartenhaus. Das liegt ein ganzes Stück vom LAIV entfernt, erhielt aber ebenfalls eine Förderung aus dem »Programm Europa im Quartier«.

Plakat mit Vorhaben für das JuX im Jahr 2027

Ein Plakat mit Ideen der Jugendlichen für das Jahr 2027

Begonnen hatte das Projekt vor zwei Jahren. Damals übernahmen Engagierte der Berliner »Naturfreunde Berlin« ein ca. 390 Quadratmeter großes, völlig verwildertes Grundstück in der Kleingartenanlage am Wachtelweg. Heute gedeihen in dem vom Quartiersmanagement unterstützten AVA-Garten Obst, Gemüse und Kräuter – gemeinsam gepflegt von der multikulturellen Nachbarschaft aus den benachbarten Hochhäusern.

Dieses Erfolgsprojekt sprach sich im Kiez rum und weckte auch Interesse beim Verein »kein Abseits! e.V.« Dieser entwickelt bereits im LAIV und im QuäX sinnvolle Freizeitangebote und war schon länger auf der Suche nach einem weiteren, potenziellen Ort für Jugendliche aus dem nördlichen AVA-Kiez. 2025 wurde die Kooperation zwischen den beiden Vereinen fest vereinbart und so helfen auch Jugendliche seit diesem Jahr beim Gießen und Gärtnern. Im Frühjahr stellte »kein Abseits! e.V.« für das Projekt am Wachtelweg einen Antrag auf Fördermittel aus dem EFRE-Fonds und dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm »Sozialer Zusammenhalt“.

Hochbeet, Marke Eigenbau

Ein Hochbeet, Marke Eigenbau, mit Tomaten

Dieser wurde in Höhe von rd. 100.000 EUR bewilligt und machte neben dem Aufbau pädagogischer Angebote auch den Kauf des Gartenhauses möglich. Außerdem konnten weitere Anschaffungen für die Ausstattung getätigt werden. Das nutzt beiden Vereinen und schafft neue Verbindungen zwischen den Generationen und der Nachbarschaft. Die Jugendlichen profitieren vom Wissen der »Naturfreunde Berlin« und diese wiederum können auch das JuX mitbenutzen.

Bei der Anlieferung und dem eigenständigen Aufbau des Holzhauses packten viele Hände mit an. Dafür hatten die Jugendlichen ein eigenes Organisationsteam gegründet und beim wöchentlich stattfindenden »Mittwochstreff« Ideen zur Freizeitgestaltung, zur Ausstattung, Möblierung und zum Namen des Gartenhauses zusammengetragen. Im kommenden Jahr ist geplant, den Wochenplan weiter auszugestalten, die selbstorganisierten Angebote zu erweitern und die Kooperation mit der »Naturfreunde Berlin« zu vertiefen. Denn neben einem Treffpunkt für Jugendliche bleibt der AVA-Garten ein grüner Lernort für alle. Regelmäßig gibt es Kräuterseminare oder Einführungen ins Kompostieren. Am Austausch zwischen Familien und Jugendlichen – etwa zu den Gießzeiten und zur Bepflanzung der Hochbeete – will man festhalten.

Kartoffeln ernten beim Eröffnungsfest

Etwa vier Kilogramm Kartoffeln holten die jungen Gärtnerinnen und Gärtner aus ihrem Beet.

Auch gemeinsame Grillabende wie zum Eröffnungsfest von JuX am 30. September sollen zur Tradition werden. Zu diesem Anlass bereiteten Jugendliche und Familien gemeinsam das Buffet für die etwa 50 Gäste vor. Neben den Leckereien vom Grill wurden selbst geerntete Tomaten, Paprika und Möhren aufgetischt. Nachdem die rote Schleife mit der goldenen Schere durchschnitten war, lud »kein Abseits! e.V.« ins Haus. Dort lief auf der Leinwand eine Fotopräsentation über die Garten-Historie, draußen gab es Musik, ein Gartenquiz sowie die Chance, sich ein kunstvolles Henna-Tatoo auf die Hand malen zu lassen. Der Clou für die Jugendlichen war an diesem Abend wahrscheinlich die gemeinsame Kartoffelernte, denn nicht alle wussten etwas über die Herkunft der Hackfrüchte. Die werden demnächst auf dem Grill gebacken, mit Kräutersoßen aus eigener Herstellung ergänzt und gemeinsam verspeist.

Ein besonders wichtiges Vorhaben in diesem Herbst ist noch der Anschluss an das Stromnetz. Denn die Jugendlichen möchten hier auch im Winter zusammenkommen, Aktivitäten planen und selbst die Dinge in die Hand nehmen. Mit den bisher vorhandenen Solarpaneelen geht das im dunklen Winter nur begrenzt. Daher bewilligt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen einen Fördermittelzuschlag, doch den Kanal bis zum Verteilerkasten müssen die jungen Menschen selbst buddeln. Das Team von »kein Abseits! e.V.« sieht darin kein Problem. »Wir sind ja in Übung und können auf unsere Jugendlichen zählen«.