Zur Einweihung des Luftbrückendenkmals beim Flughafen Tempelhof strömten dann am 10. Juli 1951 zehntausende Berliner. In seiner Festrede bezog sich Reuter nicht nur auf die Formensprache des Denkmals: „Symbolisch schwingt der Bogen der Luftbrücke mit den drei Bahnen, die die Hilfe der amerikanischen, englischen und französischen Nation symbolisieren – zum Westen. Zu diesem Westen gehören wir, mit ihm wollen wir verbunden sein.“
Damit verwies er auf die vielschichtige Bedeutung der Luftbrücke und des auch als Hungerharke bekannten Denkmals.
Sie war – wie dies die 1959 von Willy Brandt gegründete Stiftung im Namen trägt – eine offizielle Anerkennung der Westberliner für die erhaltene Hilfe: ein „Luftbrückendank“, listet und ehrt damit die 78 Personen, die im Rahmen der Luftbrücke ums Leben kamen. Die meisten von ihnen waren amerikanische und britische Piloten, von denen viele nur wenige Jahre zuvor Bomben auf die Deutschen abgeworfen hatten, und die nun ihr Leben für die Freiheit der Westberliner gaben.
Die erfolgreiche Luftbrücke veränderte dauerhaft die Beziehungen zwischen den Westdeutschen und den damals noch westlichen Besatzungsmächten auf politischer, aber ebenso auf persönlicher Ebene: aus Feinden wurden Freunde.
Am 23. Mai 1949, nur gut zehn Tage nach dem Ende der Blockade, erhielten die Westdeutschen mit der Gründung der Bundesrepublik einen großen Teil ihrer Souveränität zurück und wurden nach und nach politisch, wirtschaftlich und militärisch zu einem engen Verbündeten und Partner. Sie gehörten nun wieder zum „Westen“. Das wäre wohl auch ohne Luftbrücke geschehen, aber sicherlich erst Jahre später. Und ja, auch der Kalte Krieg und nicht nur von den USA als notwendig erachtete Einbindung der Deutschen spielte eine wichtige Rolle.
Die Luftbrücke war erfolgreich, weil vor allem die Amerikaner und die Briten mit Entschiedenheit die Freiheit der Westberliner zu verteidigen bereit waren.
Gemeinsam mit ihren deutschen Helfern vollbrachten sie eine logistische Meisterleistung.
In Washington, London und anderswo war man bereit, den Westdeutschen Vertrauen zu schenken, trotz allem.
Und dieses Vertrauen zahlte sich aus. Deutschland ist seit Jahrzehnten von zentraler Bedeutung für die europäische Einigung und die transatlantische Partnerschaft.
Beides steckt heute in einer tiefen Krise, und um so wichtiger ist es sich zu erinnern, wie wichtig gemeinsame Werte, deren entschlossene Verteidigung und das gemeinsame Handeln von Verbündeten und Partner ist – und wie all das half, aus einer zerstörten Welt eine neue aufzubauen.