Marienfelder Feldmark erhält Status als Landschaftsschutzgebiet

Pressemitteilung Nr. 364 vom 01.09.2026

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg setzt sich für den langfristigen Erhalt der besonderen Kulturlandschaft ein

Die Marienfelder Feldmark gehört zu den letzten größeren zusammenhängenden landwirtschaftlich geprägten Landschaftsräumen im Süden Berlins. Mit der offiziellen Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Marienfelder Feldmark“ kann dieses besondere Gebiet nun langfristig geschützt werden.

Das förmliche Unterschutzstellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung hatte im November 2025 begonnen.

Mit einem öffentlichen Fest an der so genannten Müller-Linde am südlichen Stadtrand von Berlin wird die Ausweisung der Marienfelder Feldmark als Landschaftsschutzgebiet gefeiert. Die Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“ lädt zu der Feier mit Gesprächen, Musik und Spaziergängen ein:

Feier zur Unterschutzstellung der Marienfelder Feldmark

Freitag, 4. September 2026
von 14:00 bis ca. 18:00 Uhr

an der Müller-Linde,
Zugang über Schichauweg oder Blohmstraße, 12307 Berlin

Marienfelder Feldmark – eine ganzheitliche Kulturlandschaft

Die Feldmark ist keine unberührte Naturlandschaft, sondern eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft. Seit dem Mittelalter wurden die Flächen dort landwirtschaftlich genutzt. Durch das Zusammenspiel von Äckern, Wiesen, Feldgehölzen, Hecken und Gräben ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstanden.

Auch der historische Königsgraben gehört zu dieser Landschaft. Er wurde um 1775 unter Friedrich II. zur Entwässerung der damals häufig überschwemmten Flächen angelegt und ist bis heute als prägendes Landschaftselement erhalten.

Der Status als „Landschaftsschutzgebiet“ schließt ausdrücklich die Landwirtschaft als erwünschten Bestandteil der Feldmark mit ein, um den offenen Charakter und die artenreichen Lebensräume in dieser besonderen Kulturlandschaft zu schützen.

Im Gegensatz zu einem klassischen Naturschutzgebiet stehen hier der Schutz der gesamten Landschaft, ihre kulturhistorische Bedeutung sowie ihre Erholungsfunktion im Fokus. Schädliche Eingriffe, wie zum Beispiel Bodenabgrabungen oder die Errichtung von Gebäuden, werden per Verordnung begrenzt.

Naturschutz und Erholungsraum miteinander verbinden

Die Feldmark bietet unter anderem Lebensraum für Feldlerchen, Neuntöter, Haubenlerchen und Feldsperlinge. Insgesamt wurden in der gesamten Feldmark mehr als 80 Vogelarten nachgewiesen. Gerade für bodenbrütende Vögel sind die offenen Acker- und Wiesenflächen von besonderer Bedeutung.

Auch die Randbereiche der landwirtschaftlichen Flächen sind ökologisch außerordentlich wertvoll. Ackerrandstreifen bieten Insekten, Reptilien und Kleinsäugern Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten. In diesen Bereichen konnten sich zudem seltene Pflanzenarten wie das Mäuseschwänzchen wieder etablieren. Kleingewässer, Feldhecken und Wiesen ergänzen den vielfältigen Lebensraum. Einige dieser Biotope stehen bereits heute unter Schutz.

Im Rahmen eines mehrjährigen Wildbienenmonitorings wurden im Jahr 2023 in der Marienfelder Feldmark 113 Wildbienenarten nachgewiesen. Besonders bemerkenswert ist der Wiederfund einer seit 43 Jahren in Berlin verschollenen Art, nämlich der Pracht-Trauerbiene (Melecta luctuosa). Weitere Monitoring-Untersuchungen sollen folgen.

Die Marienfelder Feldmark ist zugleich ein wichtiger Naherholungsraum für die Menschen im Süden Tempelhof-Schönebergs. Als Rückzugsort vom stressigen Alltag erfüllt sie eine wichtige Funktion für die Gesundheit und Lebensqualität der Bürger_innen direkt vor ihrer Haustür und trägt durch das Erleben von Weite und Natur zum Stressabbau und zur Erholung bei.

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann:
„Die Marienfelder Feldmark ist ein besonderes Stück Berlin. Hier erleben wir, wie aus jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Nutzung eine wertvolle Kulturlandschaft entstanden ist. Wir wollen diese Verbindung von Landwirtschaft, Natur, Artenvielfalt und Erholung auch für kommende Generationen in unserem Bezirk bewahren. Die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet ist dafür ein wichtiger Schritt.
Ich danke den Mitgliedern der Bürgerinitiative ‚Rettet die Marienfelder Feldmark‘ für ihr jahrelanges leidenschaftliches Engagement.“

Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck:
„Die Marienfelder Feldmark bildet ein vielfältiges Lebensraummosaik. Mit ihren charakteristischen Ackerflächen, Gewässern und Heckenstrukturen bietet sie wertvolle Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und stärkt nachhaltig unsere heimische Biodiversität und ökologische Vielfalt. Außerdem ist die Feldmark ein relevanter Naturerholungsraum im Süden Tempelhof-Schönebergs und kühlt als ‚grüne Lunge‘ die umliegenden, versiegelten Wohngebiete ab.“

Regina Pribyl, Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“:
„Die hartnäckigen Bemühungen unserer Bürgerinitiative sind gegen viele Widerstände nach mehr als 40 Jahren doch erfolgreich. Es ist damit sichergestellt, dass die Marienfelder Feldmark für uns, unsere Kinder und die nächsten Generationen erhalten bleibt. Wir bedanken uns bei den heutigen Politiker_innen und Verwaltungsmitarbeitenden, dass sie den Prozess der Unterschutzstellung so unterstützt haben, dass wir jetzt das Landschaftsschutzgebiet Marienfelder Feldmark feierlich einweihen können.“