Tempelhof-Schöneberg zeichnet Engagement gegen Einsamkeit aus: Berliner Aids-Hilfe e. V. gewinnt Gemeinschaftspreis 2026
Pressemitteilung Nr. 270 vom 29.06.2026
Am Freitagabend wurde im Rathaus Schöneberg zum zweiten Mal der „Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters zur Würdigung von Engagement gegen Einsamkeit“ verliehen. Mit dem Preis zeichnet das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Projekte, Initiativen und Einzelpersonen aus, die sich in besonderer Weise für Begegnung, Teilhabe und ein solidarisches Miteinander im Bezirk einsetzen.
Der erste Platz des Gemeinschaftspreises 2026 geht an das Projekt „Freunde im Krankenhaus (FriKs)“ der Berliner Aids-Hilfe e.V. Der zweite Platz wurde an die Initiative „Zusammen statt lost – Jugend gegen Einsamkeit“ von Gangway e.V. und Streetworker Nejat Kalayci vergeben. Drei weitere Projekte wurden für ihr herausragendes Engagement nominiert: „LeseBesuch“ der Bürgerstiftung Berlin, „Nachbarschaftsbrot e.V.“ sowie der Chorverband Berlin e.V.
- Erster Platz: „Freunde im Krankenhaus (FriKs)“ – Berliner Aids-Hilfe e.V.: Der Gemeinschaftspreis 2026 geht an die „Freunde im Krankenhaus (FriKs)“ der Berliner Aids-Hilfe e.V. Seit vielen Jahren besuchen 17 ehrenamtlich Engagierte jeden Sonntag Patient_innen im St. Joseph Krankenhaus sowie eine Klinik in Tempelhof-Schöneberg, ohne Ausnahme, 52 Wochen im Jahr, auch an Feiertagen wie Weihnachten und Silvester. Die Ehrenamtlichen verwandeln den Aufenthaltsraum des Krankenhauses in ein kleines Café: Sie laden Patient_innen aller Stationen ein, schaffen Begegnung bei Kaffee und Kuchen und besuchen Menschen, die ihr Zimmer nicht verlassen können, direkt am Bett. Dabei geht ihr Engagement weit über ein Besuchsangebot hinaus. Die FriKs sind häufig erste Vertrauenspersonen für Menschen, die mit einer HIV-Diagnose oder einer schweren Lebenssituation konfrontiert sind. Sie schaffen Räume, in denen Sorgen, Ängste und Fragen Platz haben. Viele Ehrenamtliche leben selbst mit HIV und geben durch ihre persönliche Geschichte Hoffnung und Orientierung. Das Projekt wird ausschließlich durch Spenden getragen und steht beispielhaft für verlässliches, kontinuierliches Engagement gegen Einsamkeit dort, wo soziale Isolation besonders schwer wiegen kann.
- Zweiter Platz: „Zusammen statt lost – Jugend gegen Einsamkeit“ –Nejat Kalayci: Den zweiten Platz erhält die Initiative „Zusammen statt lost – Jugend gegen Einsamkeit“, begleitet durch Streetworker Nejat Kalayci. Engagierte Jugendliche aus Tempelhof-Schöneberg setzen sich insbesondere in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester für obdachlose Menschen im öffentlichen Raum ein. Sie organisieren Lebensmittel und Getränke über selbst gewonnene Sachspenden lokaler Geschäfte und Bäckereien und suchen vor allem das persönliche Gespräch. Besonders hervorzuheben ist die doppelte Wirkung des Projekts: Es schafft Begegnung und Unterstützung für Menschen, die von Einsamkeit und sozialer Ausgrenzung betroffen sind und stärkt gleichzeitig die Jugendlichen selbst. Durch die eigenständige Planung und Umsetzung erfahren sie Selbstwirksamkeit, übernehmen Verantwortung und erleben, dass gemeinsames Handeln etwas verändern kann.
- „LeseBesuch“ – Bürgerstiftung Berlin: Für ihr Engagement gegen Einsamkeit im Alter wurde das Projekt „LeseBesuch“ der Bürgerstiftung Berlin nominiert. 18 ehrenamtliche Lesepat_innen besuchen regelmäßig Senior_innen in Berliner Einrichtungen, sechs davon in Tempelhof-Schöneberg und schenken Zeit, Aufmerksamkeit und kulturelle Teilhabe. Vorgelesen werden persönliche Wunschtexte, Zeitungsartikel, Romane oder Klassiker. Für viele ältere Menschen entstehen dadurch wertvolle Momente des Austauschs und der Verbindung.
- „Nachbarschaftsbrot e.V.“: Nominiert wurde ebenfalls Nachbarschaftsbrot e.V. mit seinem mobilen Lehmbackofen „Suze“ u.a. am John-F.-Kennedy-Platz vor dem Rathaus Schöneberg. Das Projekt lädt Menschen jeden Alters regelmäßig zum gemeinsamen Backen ein, ohne Anmeldung, ohne Konsumzwang und ohne Vorkenntnisse. Seit 2025 entstehen bei den Backtagen Begegnungen zwischen Anwohnenden, Passant_innen und Interessierten. Aus spontanen Gesprächen entwickeln sich neue Kontakte und nachbarschaftliche Verbindungen.
- „Im Chor zuhause“ – Chorverband Berlin e.V.: Ebenfalls nominiert wurde der Chorverband Berlin e.V., das gemeinschaftliches Singen als verbindendes Element in den Mittelpunkt stellt. Unter dem Motto „Jede Stimme zählt“ bringt der Verband die Berliner Chorszene in die Bezirke und schafft niedrigschwellige Begegnungsangebote für Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe. In Tempelhof-Schöneberg sind unter anderem Veranstaltungen auf dem Gelände der Malzfabrik sowie bei IKEA Tempelhof geplant. Das Projekt zeigt, wie Musik und gemeinsames Erleben Menschen zusammenbringen und neue Gemeinschaft entstehen lassen können.
Engagement sichtbar machen und Netzwerke stärken
Der Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters ist Teil des Engagements des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg, Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung sichtbar zu machen und lokale Lösungsansätze zu stärken. Die Preisverleihung brachte Engagierte, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen und bot Raum für Austausch und Vernetzung. Ziel ist es, die vielfältigen Ansätze im Bezirk weiter miteinander zu verbinden und die Bedeutung von Begegnungsorten und freiwilligem Engagement langfristig zu stärken.
Kontakt
Ehrenamtsbüro
Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement und gegen Einsamkeit
Christine Fidancan