Entwicklungshilfe für mehr Biodiversität im Moabiter Fritz-Schloß-Park

Rundgang zur Biodiversität im Fritz-Schloß-Park 2026

Der Buntspecht ist eine von 20 Brutvogelarten im Fritz-Schloß-Park

Das Thema Umweltbildung ist ein wichtiger Baustein des Projekts Biodiversität im Fritz-Schloß-Park, gefördert aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung. Deshalb traf sich am 12. Juni 2026 eine Gruppe Interessierter am Eingang Turmstraße mit Projektleiter Uli Christmann vom Büro Landschaft planen + bauen, um die abgeschlossenen und die geplanten Maßnahmen aus dem 2025 fertiggestellten Konzept vor Ort kennenzulernen. Begleitet wurde der Rundgang von Verantwortlichen aus dem Stadtentwicklungsamt Mitte und von der Gebietsbeauftragten S.T.E.R.N. GmbH. Es war der zweite Rundgang zum Thema. Seit Projektbeginn 2024 sind schon deutliche Veränderungen erkennbar.

Stadtnatur als Rückzugsort

Uli Christmann begann seine Führung mit einem Plädoyer für die Stadtnatur. Im Angesicht der intensiven Agrarbelastung werde der ländliche Raum immer mehr zur sterilen Landschaft. Pestizide und Herbizide oder, in Christmanns Worten, Pflanzen- und Insektengifte, seien mittlerweile erschreckend wirkungsvoll. So könne ein Gramm eines modernen Insektizids bis zu 200 Millionen Bienen töten. In der sogenannten Krefelder Studie zum Insektensterben von 2017 wurde zwischen 1989 und 2016 ein Rückgang von 76 Prozent der Insektenbiomasse in deutschen Schutzgebieten festgestellt.

Toter Baum im Park

Abgestorben und dennoch voller Leben: Stehen gebliebenes Biotopholz als Habitat für Insekten, Vögel und Fledermäuse

Gerade deshalb stellt die Stadtnatur ein wichtiges Refugium nicht nur für Insekten dar. Das gilt auch für den Fritz-Schloß-Park. Hier wurden bei der Bestandsaufnahmen u.a. 20 Brutvogelarten gezählt, darunter Mäusebussard und Habicht, die sich hier in dem kleinen Revier vertragen, was keineswegs selbstverständlich ist.

Entwicklung des Fritz-Schloß-Parks

In den 1920er Jahren entstand auf einem Teil des Geländes Berlins damals größter Veranstaltungsort: das Poststadion. Nach dem 2. Weltkrieg und dem kalten Nachkriegswinter war das gesamte Gebiet eine Trümmerwüste. Erst 1954 entstand die Parkanlage, für die man auf den Trümmern eine relativ dünne Erdschicht verteilte.

Die Folge dieser Bodenzusammensetzung aus Trümmerteilen ist, dass sie stark dränierend wirkt und einen kapillaren Aufstieg des Grundwassers verhindert. Das heißt: Wasser versickert schnell und steigt nicht mehr auf. Dadurch ist der Park sehr anfällig für Trockenperioden, die in Folge der Klimakrise immer häufiger werden.

Maßnahmen im Park

Zur Förderung der Vogel- und Insektenwelt sind Habitatbäume eine bewährte und kostengünstige Möglichkeit. Abgestorbene Bäume bleiben dabei stehen oder liegen – auch wenn das erst einmal ungewohnt oder gar unaufgeräumt wirkt. Der offizielle Begriff Totholz sollte auf Vorschlag Christmanns lieber in Biotopholz geändert werden. Denn der Baum stirbt zwar, doch das Holz wird danach erst recht belebt, sei es durch Vögel, Termiten, Pilze oder Insekten.

Benjeshecke im Fritz-Schloß-Park

Eine Benjeshecke im Fritz-Schloß-Park

Der Park erfreut sich einer hohen Nutzungsdichte, was in manchen Fällen Konflikte verursacht. Besonders störend sind freilaufende Hunde: Durch das Streunen im Unterholz schrecken sie Bodenbrüter wie Nachtigallen auf und gefährden deren Nester. Menschliche Trampelpfade über bewachsene Flächen verursachen zusätzlich Schäden an der Vegetation. Hier kommt eine weitere naturnahe Lösung ins Spiel: die Totholz- oder Benjeshecke, die bereits im Artikel vom März beschrieben wurde. Drei Monate später ist deutlich zu erkennen, wie aus dem plattgelaufenen Rasendreieck eine gesunde Wiese geworden ist. Es blühen viele Lichtnelken und in der Hecke selbst haben sich die ersten Pilze und Flechten angesiedelt. Die Benjeshecke erfüllt eine doppelte Funktion: Sie lenkt den Fußverkehr, schirmt Hunde ab und dient gleichzeitig selbst als Lebensraum.

Gutachten zur Biodiversitaet im Fritz-Schloss-Park und Umgebung

Mehr Übersicht durch Staudenbeete entlang der Wege

Neben einer lenkenden Wirkung können Maßnahmen auch das Sicherheitsgefühl erhöhen. So wurden entlang eines Treppenweges hochwachsende Sträucher zurückgeschnitten und durch kleinere Stauden ersetzt. Durch den flacheren Bewuchs wirkt der Weg breiter und übersichtlicher, weil sich die Sichtachsen an Weggabelungen verbessert haben. Ökologisch gesehen drängt diese Maßnahme die dominanten Brombeeren und Schneebeeren zurück und sorgt für eine größere pflanzliche Vielfalt. Hier kommt ein weiteres Lieblingswort von Christmann zum Tragen, die „monotone Naturverjüngung“: Ohne menschlichen Eingriff würden sich Schnee-, Brombeere und Spitzahorn ungebremst ausbreiten – andere Arten hätten keine Chance.

Vom dichten Unterholz richtet sich der Blick wieder nach oben: Wer aufmerksam durch den Park spaziert und die Baumkronen beobachtet wird zwischen verschiedenen Vogelnestern auch einen Brutkasten für Waldkäuze erkennen sowie eine Klotzbeute – eine natürliche Behausung für Wildbienen, aus einem Stamm gefertigt. Der Brutkasten ist wohl noch nicht bewohnt, jedoch rechnet sich das Grünflächenamt gute Chancen für das nächste Jahr aus.

Klotzbeute für Wildbienen im Fritz-Schloß-Park

Klotzbeute für Wildbienen im Fritz-Schloß-Park

Erfolg durch enge Zusammenarbeit

Am Ende des Rundgangs betont Uli Christmann: Für die Erfolge im Fritz-Schloß-Park sei die Zusammenarbeit der Akteure entscheidend. Dadurch ist eine zeitnahe Umsetzung des Konzeptes möglich, teilweise schon nach wenigen Wochen. Von Anfang an war das Projekt umsetzungsorientiert konzipiert und an die Möglichkeiten der Grünflächenunterhaltung angepasst. Durch den engen Austausch mit dem Stadtentwicklungsamt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen konnten für die Umsetzung Fördermittel bereitgestellt und bei Bedarf Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit durch die S.T.E.R.N. GmbH ermöglicht werden. Das Umwelt- und Naturschutzamt ist ebenfalls über fachliche Beratung in den Prozess eingebunden.

Die Senatsverwaltung fördert über das Programm „Nachhaltige Erneuerung“ die ökologische Aufwertung des Fritz-Schloß-Parks mit 200.000 Euro innerhalb von fünf Jahren.

Wer Lust bekommen hat den Fritz-Schloß-Park neu zu erkunden, kann dies problemlos auf eigene Faust tun: Im Rahmen des Projekts wurde eine familienfreundliche, digitale Schnitzeljagd durch den Park in der kostenlosen Actionbound-App entwickelt.