Mobilität

Der dicht besiedelte Innenstadtbezirk Xhain ist täglich einer hohen Verkehrslast ausgesetzt. Viele Menschen bewegen sich in dem und durch den Bezirk. Dabei führt insbesondere die Nutzung privater Kraftfahrzeuge (Pkw, motorisierte Zweiräder), der motorisierte Individualverkehr (MIV), und der damit einhergehende Energieverbrauch zu relevanten Emissionen im Bezirk. Diese werden mobile oder nicht-stationäre Emissionen genannt. Wie wir von A nach B kommen, wirkt sich auch auf unsere Lebensqualität im Kiez sowie unsere Gesundheit aus. Der motorisierte Individualverkehr führt zu starker Luft- und Lärmbelastung, wohingegen Radfahren und Zufußgehen die Umwelt schonen und unsere Gesundheit fördern können.

Wie entstehen die verkehrsbedingten Emissionen?

In Xhain werden bereits viele Wege klimafreundlich zurückgelegt – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr. Trotz dieses hohen Anteils verursacht der MIV weiterhin einen Großteil der verkehrsbedingten Emissionen.

Die gute Erreichbarkeit durch ein dichtes Netz für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie der kontinuierliche Ausbau der Radinfrastruktur spiegeln das fortschrittliche Mobilitätsverhalten im Bezirk wider. Dennoch nimmt der MIV aktuell den größten Teil der Verkehrsflächen in Anspruch, während Flächen für den Umweltverbund – also für Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV – vergleichsweise knapp bemessen sind.

Gerade in einem dicht bebauten Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg ist der öffentliche Raum stark umkämpft. Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche führen zu einem hohen Flächendruck. Eine nachhaltige Umgestaltung der Verkehrsinfrastruktur bietet hier große Potenziale: Sie kann Flächen schaffen, die zum Zu-Fuß-Gehen, Radfahren oder Verweilen einladen – und dabei auch das Stadtklima verbessern.

Begrünte und entsiegelte Flächen fördern die Versickerung von Regenwasser, kühlen die Umgebungsluft und unterstützen die Wasserversorgung von Stadtgrün an heißen Tagen (siehe Klimaanpassung Gebäude & Infrastruktur).

Klimadaten Xhain

Im Jahr 2024 wurden für den Bezirk ein Klimaschutz- und ein Klimaanpassungskonzept politisch beschlossen. Sie zeigen auf, wodurch im Bezirk Treibhausgasemissionen entstehen und wo der Bezirk schon jetzt besonders durch die Folgen des Klimawandels betroffen ist. Einen Einblick in diese Analysen gibt das KlimaDashboard, so zum Beispiel in den bezirklichen Modal Split im Vergleich zum berlinweiten Modal Split. Alle räumlichen Analysen sind außerdem im bezirklichen Geoportal MeinXhain abrufbar, so z.B. die Radabstellanlagen und Reparaturstationen, Fahrradstraßen, E-Ladesäulen und neue Jelbi-Punkte.

Wie kann die Bezirksverwaltung tätig werden?

Die Bezirksverwaltung ist insbesondere im Nebenstraßennetz sowie für den ruhenden Verkehr zuständig. Dazu gibt es gemäß dem bestehenden gesetzlichen Rahmen verschiedene Handlungsmöglichkeiten für die Bezirksverwaltung. So kann sie z.B. mit dem straßenrechtlichen Instrument der Teileinziehung die Nutzung einer öffentlichen Straße auf bestimmte Benutzungsarten und –zwecke beschränken und so die Umwandlung in beispielsweise eine Fußgänger*innenzone ermöglichen.

Das Berliner Mobilitätsgesetz verankert den Vorrang des Umweltverbunds vor dem MIV und bietet eine wichtige Grundlage für Planungsentscheidungen. Diverse Fachkonzepte auf Landesebene, wie der Stadtentwicklungsplan Mobilität, der Radverkehrsplan und der Luftreinhalteplan, enthalten zusätzliche Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten für die Bezirke. Bei der Umsetzung stehen oft finanzielle Hürden im Weg, da die Bezirke insbesondere im Verkehrssektor stark abhängig von Entscheidungen der Senatsebene und damit einer höheren Unsicherheit ausgesetzt sind.

Wo liegen die größten Potenziale im Bezirk?

Um die Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren, bestehen in Xhain verschiedene Potenziale, die ausgeschöpft werden müssen.

  • Stärkung des Umweltverbundes: Aufgrund des bereits vergleichsweise guten Modal Split gilt es insbesondere den Modal Split langfristig zu halten und soweit möglich noch zu verbessern, indem die vorhandenen Alternativen zum MIV (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) optimiert und qualitativ verbessert werden.
  • Verbesserung der Flächengerechtigkeit: Durch eine Umverteilung des öffentlichen Raums zugunsten klimafreundlicher Verkehrsmittel kann der Umweltverbund gefördert und der MIV weiter reduziert, sowie dem hohen Flächennutzungsdruck im Bezirk begegnet werden.
  • Umsetzung der Stadt der kurzen Wege: Räumliche Nähe reduziert die Verkehrsdistanz und unterstützt die Nutzung von klimafreundlichen Mobilitätsangeboten. Die Ausrichtung von Planungen an diesem Grundsatz bietet für den dicht besiedelten Innenstadtbezirk einen relevanten Hebel.
  • Erhöhung der Elektrifizierung: Der Bezirk durch die Bereitstellung und Priorisierung von Flächen für E-Mobilität (Pkw, Lastenräder, Sharing-Angebote) zum Laden und sicheren Abstellen im Rahmen der Verkehrsplanung Einfluss nehmen.

Was passiert bereits?

In Xhain werden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, wie die folgenden Projekte exemplarisch zeigen. Darüber hinaus wurden im bezirklichen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept weitere Schlüsselmaßnahmen entwickelt, die es nun umzusetzen gilt. Das kann nur gemeinsam gelingen – Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, sind hier zu finden: von Förderprogrammen über Beratungsangebote bis hin zu Möglichkeiten der Vernetzung.

Die Website zum Verkehrsberuhigungskonzept

Flächendeckendes Verkehrsberuhigungskonzept umsetzen

Für Xhain gibt es bereits ein flächendeckendes Verkehrsberuhigungskonzept, welches nun Schritt für Schritt umgesetzt wird. So folgt nun aufbauend auf der Beteiligung im Ostkreuzkiez die Umsetzung erster Maßnahmen. Das Verkehrsberuhigungskonzept liefert ebenfalls die strategische Grundlage für die Umsetzung von Fußgänger*innenzonen und Schulzonen. Zudem setzt der Bezirk Modellprojekte zur Verkehrsberuhigung um. So wurde z.B. das Görlitzer Ufer umgestaltet und ist jetzt dem Rad- und Fußverkehr vorbehalten. Gleichzeitig konnte hier im Sinne der Klimaanpassung eine Fläche von 1.000 m² entsiegelt und begrünt werden. Weitere solcher Projekte befinden sich am Lausitzerplatz und im Gräfekiez.

vier Radfahrer auf einem Radweg

Radinfrastruktur ausbauen

Das Straßen- und Grünflächenamt arbeitet fortlaufend am Erhalt und der Stärkung der Radverkehrsinfrastruktur. Neben der Einrichtung von neuen Fahrradstraßen werden verstärkt Radabstellanlagen errichtet.

Foto einer Parkraumbewirtschaftungszone in Kreuzberg

Parkraumbewirtschaftung ausweiten

Das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg hat das Ziel, die Parkraumbewirtschaftung im Bezirk flächendeckend auszuweiten. So soll der knappe Platz auf den Straßen fairer verteilt werden z.B. zwischen den Unterschiedlichen Verkehrsarten (Kfz, Rad- und Fußverkehr) und auch die Wohnqualität durch Platz für qualitativ hochwertige Aufenthaltsflächen gesteigert werden. Dadurch werden auch die negativen Umweltauswirkungen, die bei der Parkplatzsuche entstehen, reduziert (z.B. Lärm- und Abgasbelastung) und die Aufenthaltsqualität und Gesundheit der Bewohner*innen gestärkt.