Auch auf Worte kommt es an: Für Respekt und Menschenwürde in der aktuellen Debatte
In jüngster Zeit haben öffentliche Aussagen erneut deutlich gemacht, wie verletzend und spaltend Formulierungen wirken können, die einzelne Gruppen abwerten und/ oder ihre Zugehörigkeit in Frage stellen. Diese Äußerungen treffen viele Menschen direkt und verstärken bestehende Ausschlüsse und gesellschaftliche Spannungen.
Wir nehmen die dadurch ausgelösten Verletzungen, Irritationen und Sorgen wahr – sowohl von den betroffenen Communities als auch aus der breiteren Bezirksgesellschaft. Als Partizipationsbüro begegnen wir ihnen mit einer klaren Haltung: Wir stehen für die Anerkennung der Menschenwürde aller Menschen und für ein solidarisches Zusammenleben.
Besondere Verantwortung öffentlicher Personen und Institutionen
Menschen in öffentlichen Ämtern tragen eine besondere Verantwortung für die Sprache, die sie verwenden, und für die Wirkung, die ihre Worte entfalten. Öffentliche Aussagen haben immer Einfluss auf das gesellschaftliche Klima und auf das Vertrauen in demokratische Institutionen.
Als empfangende und beratende Stelle erleben wir unmittelbar, wie sich abwertende oder pauschalisierende Äußerungen auf das Sicherheitsgefühl und das Vertrauen der Menschen auswirken.
Das Partizipationsbüro versteht sich u.a. als Partner, der aufmerksam begleitet, stärkt und Räume eröffnet, in denen alle Menschen mit Respekt agieren können – würdeorientiert und diskriminierungskritisch.
Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Bezirk, der durch Vielfalt, Engagement und ein starkes demokratisches Selbstverständnis geprägt ist. Diese Qualitäten wollen wir schützen und weiter stärken.
Die aktuelle Debatte zeigt erneut: Ein respektvolles Miteinander ist eine gemeinsame Aufgabe.
Umso mehr appellieren wir an alle Verantwortungsträger*innen ihrer besonderen Rolle gerecht zu werden und aktiv zu einem Klima des gegenseitigen Respekts beizutragen.
Jetzt mitmachen: Deutschlands größte Umfrage zu Diskriminierung
Das Partizipationsbüro Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt die neue, deutschlandweite Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes – und lädt alle herzlich zur Teilnahme ein. Ihre Erfahrungen sind wichtig, um Diskriminierung sichtbar zu machen und politische Maßnahmen wirksam weiterzuentwickeln.
Worum geht es?
Vom 12. November 2025 bis zum 28. Februar 2026 führt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland durch. Ziel ist es, ein umfassendes Bild davon zu erhalten, wo Menschen Benachteiligung erleben, in welchen Lebensbereichen dies geschieht und welche Folgen daraus entstehen.
Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wird die Befragung von einer bundesweiten Informationskampagne begleitet – und auch wir im Bezirk möchten dazu beitragen, dass so viele Stimmen wie möglich gehört werden.
Wer kann teilnehmen?
Alle Menschen ab 14 Jahren,
die in Deutschland Diskriminierung erlebt haben.
Die Teilnahme ist:
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anonym
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barrierearm
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in vielen Sprachen und Formaten verfügbar
Damit soll sichergestellt werden, dass wirklich alle Menschen – unabhängig von Sprache, technischen Möglichkeiten oder individuellen Bedürfnissen – an der Befragung teilnehmen können.
Warum ist Ihre Stimme wichtig?
In Zeiten, in denen Gleichberechtigung und gleiche Rechte für alle Menschen zunehmend infrage gestellt werden, kommt Ihrer Beteiligung besondere Bedeutung zu. Jede einzelne Teilnahme hilft dabei, Diskriminierung sichtbar zu machen und politischen Entscheidungsträger*innen ein realistisches Bild der gesellschaftlichen Realität zu vermitteln.
Je mehr Menschen sich beteiligen, desto klarer und eindringlicher wird das Signal: Diskriminierung betrifft viele – und wir brauchen wirksame Maßnahmen dagegen.
So können Sie teilnehmen
Alle Informationen sowie den Online-Fragebogen finden Sie hier:
www.diskriminierung-umfrage.de
Material zum Weiterverbreiten
Unterstützen Sie die Umfrage, indem Sie sie in Ihrem Umfeld, in Initiativen, Nachbarschaften, Einrichtungen oder über Social Media teilen:
Flyer, Postkarten & Poster zur kostenfreien Bestellung:
www.diskriminierung-umfrage.de/bestellen
Banner, SharePics & digitale Materialien zum Download:
www.diskriminierung-umfrage.de/downloads
Machen Sie mit – Ihre Perspektive zählt!
Gemeinsam können wir dazu beitragen, Diskriminierung in Deutschland sichtbar zu machen und konkrete Verbesserungen anzustoßen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Roma* Day 2025
Am 8. April wird der internationale Roma* Day begangen – ein Tag des Gedenkens und der Sichtbarkeit. Dieser Tag erinnert an den ersten Welt-Roma*-Kongress, der am 8. April 1971 in London stattfand und ein bedeutender Meilenstein für die politische und kulturelle Selbstbestimmung der Roma* war. Delegierte verschiedener Communities beschlossen damals zusammenzuarbeiten und wesentliche Symbole wie die Roma*-Flagge und die Hymne “Gelem, Gelem” zu etablieren.
Trotz starker Widerstände erzielten Roma*-Organisationen und Aktivist*innen entscheidende rechtliche, soziale und kulturelle Fortschritte. Dazu gehören u.a. im Jahr 1982 die juristische Anerkennung des nationalsozialistischen Völkermords an Sinti* und Roma* und ihre Bestätigung auf EU-Ebene in 2016, die Institutionalisierung von Selbstvertretungsorganisationen, etwa durch die Gründung und Etablierung des Zentralrats Deutscher Sinti* und Roma*, die politische und rechtliche Anerkennung der deutschen Sinti* und Roma* als nationale Minderheit in 1997, die Durchsetzung der Eigenbezeichnungen „Sinti“ und „Roma“ und die Schaffung von Gedenkorten und Gedenktagen.
Das langjährige, beharrliche Engagement der Selbstvertretungsorganisationen trägt auch heute entscheidend dazu bei, dass geflüchtete Roma* zunehmend Aufmerksamkeit, mehr Unterstützung und bedarfsgerechte Beratung erhalten. Zeitgleich setzen sich Roma*-Communities fortwährend gegen Stereotype, Racial Profiling und diskriminierende mediale Berichterstattung ein.
Die Einrichtung von Beauftragtenstellen, Kommissionen oder Denkmälern sind wichtige Errungenschaften, die weiterhin Teil unserer Politik bleiben müssen, um Roma* aktiv und nachhaltig in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubinden und bestehende institutionelle Diskriminierungen und Ungleichheiten abzubauen.
Der Roma* Day 2025 ruft dazu auf, Haltung zu zeigen: Für Respekt, Chancengerechtigkeit und eine Gesellschaft, in der alle in ihrer Unterschiedlichkeit gehört und gesehen werden.
Auch auf lokaler Ebene setzen wir ein klares Zeichen. Mit der Öffnung bezirklicher Gremien für Selbstorganisationen, der expliziten Ansprache für Vertretungen besonders marginalisierter Communities, der Förderung von Peer-to-Peer-Angeboten sowie der kontinuierlichen Fürsprache stärkt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Partizipationsbüro gezielt benachteiligte Communities und ihre strukturelle Teilhabe – darunter auch Roma* und Sinti*.
Aus dem Partizipationsbüro zum internationalen Tag gegen Rassismus
Der Kampf gegen Rassismus ist kein einmaliges symbolisches Ereignis, kein einmaliger Aktionstag – er ist eine alltägliche Aufgabe. Es geht nicht um bloße Sichtbarmachung, sondern um tiefgehende, strukturelle Veränderungen. Statt oberflächlicher Maßnahmen brauchen wir konsequente, intersektionale Strategien gegen Rassismus und Diskriminierung, soziale Ungerechtigkeit und demokratiefeindliche Entwicklungen.
Und doch nutzen auch wir den unentbehrlichen Internationalen Tag gegen Rassismus, um eine brandgefährliche Entwicklung beim Namen zu nennen:
Unsere Gesellschaft befindet sich in einem massiv regressiven Rückschritt. Zurzeit erleben wir eine systematische Einschränkung demokratischer und sozialer Errungenschaften. Die Migrationsgesellschaft an sich wird als Problem verhandelt. Rassismus und intersektionale Diskriminierungen wirken in alle gesellschaftlichen und politischen Bereiche hinein und verhindern Demokratie und (echte) Teilhabe. Während viele entmenschlichend über statt mit migrantisierten Menschen sprechen, werden die eigentlichen Krisen in den Hintergrund gedrängt: die sozialen Probleme, die Ungleichheit, der Abbau des Sozialstaats und dessen Folgen, die Klimakatastrophe, geopolitische Kriege und die erneute globale Aufrüstung.
Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit einer zunehmenden Demokratiefeindlichkeit. Demokratische Strukturen werden vor unseren Augen systematisch abgebaut – der Schutz von Minderheiten, der Kampf gegen Diskriminierung, die Förderung einer pluralen, gerechten Gesellschaft.
Auch die Lage in Friedrichshain-Kreuzberg spitzt sich zu. Dabei ist Friedrichshain-Kreuzberg ein Ort, der seit langem für Vielfalt, Widerstand und eine kämpferische Zivilgesellschaft steht – diese Tradition gilt es weiterhin zu verteidigen.
Unsere Gesellschaft ist vielfältig und das ist ihre Stärke. Es liegt an uns allen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der die Partizipation kein Privileg, sondern ein grundlegendes Recht aller ist. Ein gerechtes Zusammenleben ist nur möglich, wenn alle Menschen unabhängig von Herkunft, Status, Religion, Geschlecht, Sexualität, körperlicher, geistiger oder mentaler Situation angstfrei leben können und gleiche Rechte und Chancen haben. Demokratie lebt von unserer Unterschiedlichkeit, von Konfliktfähigkeit, davon, dass wir sie lebendig halten und sie gemeinsam verteidigen.
Rassismus zu bekämpfen heißt, eine gerechte Zukunft zu kreieren. Jeden Tag.
Zum internationalen Frauentag aus dem Partizipationsbüro: intersektionaler Feminismus bleibt Zukunftsaufgabe!
Die Geschichte feministischer Bewegungen in Berlin zeigt: Geschlechtergerechtigkeit ist untrennbar mit Fragen von Migration, Flucht, sozialer Herkunft und Queerness verbunden. Das Berliner Partizipations- und Migrationsgesetz verpflichtet Politik und Verwaltung, diese Perspektiven nicht nur zu berücksichtigen, sondern strukturell zu verankern.
Migrantische, Refugee, queere und feministische Bewegungen haben Berlin über Jahrzehnte mitgestaltet. Migrantische Feminist*innen und Selbstorganisationen haben Schutzräume aufgebaut, für rechtliche, soziale und politische Teilhabe gestritten und Stadtentwicklung aktiv geprägt. Besetzungen von Häusern am Kottbusser Tor oder des Oranienplatzes zeigen eindrücklich: Die Kämpfe für Wohnraum, Bleiberecht, gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung sind auch feministische Kämpfe.
Doch was über lange Jahre erkämpft wurde, steht heute wieder auf dem Spiel. Migrationsfeindliche und antifeministische Strömungen gewinnen an Einfluss und stellen Errungenschaften infrage, die als selbstverständlich galten. Während klassenübergreifende feministische Bewegungen in den 1990er und frühen 2000er Jahren bereits weitreichende Debatten über Intersektionalität, reproduktive Rechte und geschlechtliche Vielfalt führten, erleben wir heute einen Backlash: Verschärfung im Asyl- und Sozialrecht, zunehmende geschlechtsspezifische Gewalt und Angriffe auf feministische und antirassistische Strukturen. Insbesondere Frauen und queere Personen, die Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind, sind davon betroffen. Diese Entwicklungen zeigen: gesellschaftliche Fortschritte sind nicht unumkehrbar.
Auch Institutionen sind kein unveränderliches Naturgesetz, sie sind das Ergebnis von Aushandlungsprozessen. Was heute als Recht oder selbstverständlich gilt, kann morgen wieder eingeschränkt oder abgeschafft werden. Es reicht nicht, sich auf bestehende Strukturen zu verlassen – Demokratie muss aktiv verteidigt, weiterentwickelt und geschützt werden.
Die Pluralität der Stimmen im Bezirk, die gelebte Solidarität, die erkämpften Strukturen der Antidiskriminierungsarbeit und die migrantischen Selbstorganisationen zeigen, wie eine gerechte und vielfältige Gesellschaft aussehen kann. Der Bezirk ist ein Ort, der wichtige Impulse für eine gleichberechtigte, demokratische Zukunft gibt. Eine Zukunft, in der wir nicht nur gegen Ausschlüsse kämpfen, sondern Räume schaffen, in denen die Grund- und Menschenrechte aller Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder aktuellem Aufenthaltsstatus nicht nur anerkannt, sondern selbstverständlich geachtet und gelebt werden.
Wir bleiben dran! Gemeinsam anders machen wir einen Unterschied – mit Ihnen treten wir in Friedrichshain-Kreuzberg für eine Zukunft ein, in der intersektionaler Feminismus nicht nur eine Forderung, sondern gelebter Alltag ist.