Gebäude & Infrastruktur

Gebäude und Infrastruktur bieten grundlegende Hebel, um Emissionen zu verringern und Klimaschutz aktiv voranzubringen (siehe Klimaschutz – Energie & Gebäude). Gleichzeitig müssen sie an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels angepasst werden. Xhain steht dabei insbesondere aufgrund des hohen Versiegelungsgrades und der dichten Bebauung vor großen Herausforderungen. Der Bezirk hat mit rund 68 % den höchsten Versiegelungsgrad aller Berliner Bezirke. Einerseits sind Gebäude, Abwassersysteme, Verkehrsflächen und Freiflächen (wie Plätze, Sportanlagen und Schulhöfe) von Hitze und Starkregen betroffen. Andererseits können Maßnahmen an Gebäude und Infrastruktur einen wichtigen Beitrag leisten, um die Risiken durch die Folgen des Klimawandels zu verringern.

Wie sind Gebäude und Infrastruktur durch den Klimawandel betroffen?

Die steigenden Temperaturen und zunehmenden Hitzeereignissen führen dazu, dass sowohl draußen als auch in Innenräumen die thermische Belastung steigt und sich auf die Gesundheit auswirkt. Versiegelte Flächen, Gebäudefassaden und –dächer heizen sich tagsüber auf und kühlen durch den Wärmeinseleffekt nachts nicht ab. Weitergehend führen Starkregen und Hitze zu einem erhöhten Kühlenergiebedarf, Materialverschleiß an Straßen und ein erhöhtes Risiko für Überflutungen. So kann zum Beispiel (Regen)wasser vielerorts nicht versickern. Da ein Großteil der Kanalisation im Bezirk Mischkanalisation ist, in der Regen- und Schmutzwasser gemeinsam abgeleitet werden, kommt es zu regelmäßigen Überläufen der Kanalisation bei Starkregenereignissen. Diese Überläufe fließen in die Spree oder den Landwehrkanal und beeinträchtigen die Gewässerqualität stark und führen zu Fischsterben.

Klimadaten Xhain

Im Jahr 2024 wurden für den Bezirk ein Klimaschutz- und ein Klimaanpassungskonzept politisch beschlossen. Sie zeigen auf, wodurch im Bezirk Treibhausgasemissionen entstehen und wo der Bezirk schon jetzt besonders durch die Folgen des Klimawandels betroffen ist. Einen Einblick in diese Analysen gibt das KlimaDashboard, es stellt z.B. den Hitzebetroffenheitsindex (HBI) dar. Der zeigt, wo der Bezirk besonders durch Hitze betroffen ist – so genannte Hotspots. Im landesweiten Geoportal ist außerdem eine Starkregenhinweiskarte für Berlin veröffentlicht, die die Überflutungstiefe, Fließrichtung und –geschwindigkeit für extreme und außergewöhnliche Starkregenereignisse darstellt. Alle räumlichen Analysen sind außerdem im bezirklichen Geoportal MeinXhain abrufbar. Hier finden sich z.B. Daten zum Versiegelungsgrad.

Wie kann die Bezirksverwaltung tätig werden?

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, verfolgt der Bezirk zwei zentrale Ziele: die klimaresiliente Gestaltung von Flächen und die Schaffung klimaresilienter Gebäude. Ersteres umfasst die Verschattung von hitzebelasteten Orten, den Erhalt und die Schaffung von Versickerungs-, Speicher- und Verdunstungsflächen zur Kühlung sowie die Versorgung des Stadtgrüns und das Verhindern von Überläufen der Mischwasserkanalisation. Im Bereich der klimaresilienten Gebäude gibt es Handlungsspielräume in energetischen Sanierungsmaßnahmen (siehe Klimaschutz – Energie & Gebäude), in Dach- und Fassadenbegrünungen, in der Verschattung, der Durchlüftung und Verdunstung in Gebäudenähe und im baulichen Hitzeschutz, die jedoch mit hohen Kosten verbunden sind.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg kann unmittelbar Einfluss auf die Gestaltung von Flächen und Gebäuden nehmen, die im Eigentum des Bezirks liegen. Dazu gehört insbesondere der Straßenraum auf Nebenstraßen, Plätze, Schulen, inklusive der Schulhöfe, sowie Sportflächen. Der Bezirk verfügt vor allem über Schulgebäude und Sporthallen sowie bezirkliche Verwaltungsgebäude. Leider steht das Bezirksamt jedoch vor erheblichen finanziellen und strukturellen Herausforderungen bei der Umsetzung umfassender Klimaanpassungsmaßnahmen. Die finanziellen Mittel für Sanierungen und Unterhalt sind begrenzt, und Maßnahmen zur Entsiegelung sind stark abhängig von Fördermitteln auf Landes- oder Bundesebene.

Was passiert bereits?

In Xhain werden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, wie die folgenden Projekte exemplarisch zeigen. Darüber hinaus wurden im bezirklichen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept weitere Schlüsselmaßnahmen entwickelt, die es nun umzusetzen gilt. Das kann nur gemeinsam gelingen – Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, sind hier zu finden: von Förderprogrammen über Beratungsangebote bis hin zu Möglichkeiten der Vernetzung.

Görlitzer Ufer nach der Umgestaltung mit Fußweg, Radweg und begrüntem Mittelstreifen

Flächen entsiegeln

Mehr Möglichkeiten zur Versickerung, Speicherung und Verdunstung von Regenwasser helfen, in heißen Perioden die Luft zu kühlen und Pflanzen nachhaltiger mit Wasser zu versorgen. Wo der Bezirk bereits aktiv geworden ist, zeigt eine Karte. Weitere Informationen

Blick auf die bestehende Fußgängerzone Danneckerstraße mit Großpflastersteinen und Bäumen in Kübeln

Gartenstraße am Rudolfplatz umsetzen

Durch die Entsiegelung und Bepflanzung soll Regenwasser vor Ort versickern und verdunsten, um die Hitzebelastung zu reduzieren und die Gewässerqualität zu verbessern. Das Modellprojekt ist Teil des Bundesförderprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“. Weitere Informationen

Regenwasserbank

Regenwasser nutzen

Der Bezirk unterstützt das Sammeln von Regenwasser, damit es zur Bewässerung des Stadtgrüns genutzt werden kann. Dafür wurden an fünf Schulen im Bezirk Regentonnen aufgestellt und im Familienzentrum Menschenskinder die erste Regenwasserbank Berlins errichtet. Um eine Regentonne im öffentlichen Raum aufzustellen, braucht es eine Sondergenehmigung. Um die Beantragung zu erleichtern, hat der Bezirk die Informationen gebündelt und ein Formular bereitgestellt.

Naturnahe Wiese auf dem Georg-Parochial-Friedhof II

Grundstücksübergreifendes Regenwassermanagement fördern

Die denkmalgeschützten Friedhöfe an der Bergmannstraße könnten künftig mit gesammeltem Regenwasser des benachbarten Polizeigrundstücks bewässert werden. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie entstand im Auftrag des Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte (EVFBS) und der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) gemeinsam mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Auf dem Evangelischen Georgen-Parochial-Friedhof II wurde im Jahr 2022 bereits ein Projekt umgesetzt, bei dem Regenwasser von einem benachbarten Bürogebäude in einer Zisterne gesammelt und zur Bewässerung genutzt wird.

Entwurf des Neubaus eines Zentrums für Familie und Bildung am Ostbahnhof

Gebäude klimafit machen

Beim Neubau von Gebäuden sowie bei größeren Sanierungsvorhaben greifen rechtliche Vorgaben (z.B. zum Wärmeschutz, zur Versickerung von Regenwasser und zur Dachbegrünung), die bei bezirklichen Vorhaben umgesetzt werden. Auch Dachbegrünung und Grün-Solar-Dächer werden im Rahmen von Sanierungsvorhaben geprüft um umgesetzt soweit möglich. Beispiele für klimasensible Bauvorhaben sind die Sanierung des Stadtteilzentrums Frieder oder der geplante Neubau des Hauses für Familie und Bildung am Ostbahnhof.

Begrünte Fassade

Fassaden begrünen

Mehrere Pilotprojekte für Fassadenbegrünung sind in Planung, unter anderem an der Mittelpunktbibliothek am Kottbusser Tor und am Georg-Friedrich-Händel Gymnasium in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Für eine großflächige Umsetzung müssen Mittel für Unterhalt und Pflege gesichert werden.

Regenschirm im Regen

Kooperationen eingehen

Der Bezirk beteiligt sich an Forschungsprojekten zum nachhaltigen Regenwassermanagement, dazu gehören die Projekte BlueGreenStreets, AMAREX, SmartWater und MiSa.