Lektionen aus Xhain: Delegation aus Paris besucht unseren Bezirk

Besuch im Graefekiez

Drei Tage lang besuchte die Pariser Stadtverwaltung Friedrichshain Kreuzberg – ein Rückbesuch, der an den intensiven Austausch in Paris im Herbst 2025 anknüpft und zeigt, wie viel Europas Metropolen voneinander lernen können.

Der Besuch fand im Rahmen des von der European Urban Initiative finanzierten Verwaltungsaustauschs statt. Nach dem Blick auf die Pariser Klimamaßnahmen im Oktober stand nun die Berliner Perspektive im Mittelpunkt: Wie setzt Friedrichshain Kreuzberg seine ambitionierten Klimaschutz und -anpassungsziele um? Welche Projekte zeigen bereits Wirkung? Und wie gelingt es, Transformationsprozesse sozial gerecht mit den Menschen vor Ort gemeinsam zu gestalten?

Lausitzer Platz

Tag 1: Klimaschutz im Kiez – vom Dragonerareal bis zur Bergmannstraße

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann eröffnete den Austausch im Kiezraum auf dem Dragonerareal. Sie berichtete von bleibenden Eindrücken aus Paris und stellte diese den Visionen und Vorhaben in Xhain gegenüber. Das Klimateam der Organisationseinheit Klima & Internationales vertiefte den inhaltlichen Einstieg, indem sie die Klimaschutz und Klimaanpassungsstrategie des Bezirks vorstellten zeigten, wie Friedrichshain Kreuzberg als dicht bebauter und vielfältiger Bezirk als Labor für innovative, pragmatische und sichtbare Lösungen funktioniert.

Im Anschluss sprach Alexander Matthes vom Stadtentwicklungsamt über das Dragonerareal, ein Transformationsgebiet in Berlin. Hier entsteht mit dem Rathausblock
ein Modellquartier für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, bezahlbares Wohnen und klimafreundlichen Städtebau.

Danach ging es weiter, um konkreten Projekte in der Blücherstraße und Bergmannstraße zu besuchen. Verkehrsberuhigung, Entsiegelung, neue Grünflächen und sichere Wege für Fußgänger*innen und Radfahrende zeigen, wie Klimaschutz und -anpassung in einem Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam gedacht werden können. Melanie Henneberger, Fachbereichsleiterin im Straßen und Grünflächenamt, erläuterte, wie der Bezirk Schritt für Schritt lebenswertere Aufenthalts- und Begegnungsorte schafft.

Schranke

Tag 2: Mobilitätswende und gerechter öffentlicher Raum

Am Dienstag stand die Mobilitätswende im Fokus. Im Ostkreuz Kiez besichtigte die Delegation neue Radwege und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, die im Rahmen der flächendeckenden Verkehrsberuhigung „Xhain beruhigt sich“. In der Revaler Straße wurde darüber gesprochen, welchen Einfluss der Einbau von Bänken auf ehemaligen Parkplätzen hatte.

Während der Tour gab es einen angeregten Austausch zu vielen Details der Maßnahmen, denn Paris steht ähnlichen Herausforderungen im öffentlichen Raum gegenüber. So wurde zum Beispiel über Querungsmöglichkeiten, unterschiedliche Modalfilter und die Gestaltung von Schildern diskutiert.
Am Nachmittag folgte eine Präsentation zur Gestaltung von Schulzonen mit einem Fokus auf die Themen Beteiligung und Gender Mainstreaming. Friedrichshain Kreuzberg zeigt, wie Planung inklusiver wird, wenn gendersensible Perspektiven miteinbezogen werden. Die Stadtgestalter*innen aus Paris und Friedrichshain-Kreuzberg waren sich darin einig, dass das Thema relevant und gleichzeitig sehr komplex ist.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Delegation die Scharnweberstraße: eine Schulzone mit Regentonne, Verkehrsberuhigung und neuem Grün. Im Fokus stand die Beteiligung der Schule, der Nachbarschaft und lokalen Initiativen im Planungs- und Gestaltungsprozess. Für die Delegation war es besonders interessant zu erfahren, wie die Schulzone insgesamt angenommen wird, was gut funktioniert und welche Aspekte sich als tatsächlich problematisch zeigen.

Görlitzer Ufer

Tag 3: Graefekiez, Lausitzer Platz und die Jugendverkehrsschule

Der Mittwoch führte die Delegation in den Graefekiez – ein Gebiet, das durch verkehrsberuhigte Bereiche und entsiegelte Flächen umgestaltet wurde. Die Pariser Delegation erlebte vor Ort, wie der Bezirk gemeinsam mit der Nachbarschaft Lösungen entwickelt hat, die Klimaanpassung mit Wünschen nach einem grünen und erholsamen Begegnungsorten berücksichtigen.

Weiter ging es zum Lausitzer Platz, wo Entsiegelung, neue Grünflächen und klimaresiliente Gestaltung sichtbar werden. Beim gemeinsamen Mittagessen blieb Zeit für vertiefende Gespräche über Parallelen und Unterschiede in der Umsetzung von Maßnahmen, beispielsweise bei der finanziellen Ausstattung oder den Anforderungen an Barrierefreiheit.

Zum Abschluss besuchte die Delegation die Jugendverkehrsschule im Görlitzer Park und das Görlitzer Ufer. In der Jugendverkehrsschule erklärte deren Leiter Boris Kolipost den Besucher*innen, wie Viertklässler*innen in Berlin mit der Schule herkommen, um ihre Fahrradprüfung abzulegen. Die Pariser*innen waren angetan vom Aufbau der Verkehrsschule und ihren Angeboten. Auch sie wissen, wie frühzeitige Verkehrserziehung, sichere Wege und klimagerechte Umgestaltung zusammenwirken, um Kindern mehr Selbstständigkeit und Sicherheit im Straßenraum zu ermöglichen. Derlei Angebote gibt es in Paris bislang nicht.

Jelbi-Station

Gemeinsam lernen, gemeinsam vorangehen

Der Rückbesuch machte deutlich, dass Friedrichshain Kreuzberg nicht nur von Paris lernt, sondern selbst Wissen weitergeben kann. Für die Fachkolleg*innen aus Paris wurde unter anderem die Beteiligung von Anwohner*innen bei Kiezbegrünung, die Einsatzmöglichkeiten von Modalfiltern zur Verkehrsberuhigung, die Umsetzung barrierefreier Fußgängerwege und die zentrale praktische Verkehrserziehung in den Jugendverkehrsschulen mit Blick auf ihre Übertragbarkeit auf den Pariser Kontext diskutiert.

Paris und Xhain verbindet das Ziel, urbane Räume lebenswerter, gerechter und widerstandsfähiger zu machen. Der europäische Fachaustausch endet am Mittwochabend mit der Abreise der Delegation nach Paris – doch die Zusammenarbeit geht weiter. Denn die Herausforderungen der Klimakrise machen nicht an Stadtgrenzen halt, und die Lösungen entstehen dort, wo Städte und Menschen voneinander lernen.