Berlin, Baden-Württemberg und Bayern: Gemeinsam für einen digitalen ÖGD der Zukunft

Pressemitteilung vom 03.09.2026

Seit dem 1. September arbeitet Berlin im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) Hand in Hand mit Baden-Württemberg und Bayern. Das Land Berlin ist der länderübergreifenden Kooperation „Einheitliches Digitales Ökosystem ÖGD (EDÖ²)“ beigetreten, die von Baden-Württemberg und Bayern initiiert wurde – ein wichtiger Schritt, um die Digitalisierung der Gesundheitsämter effizienter, kostengünstiger und zukunftssicher zu gestalten.

Im Rahmen der Vereinbarung entwickeln und betreiben die drei Länder eine gemeinsame, modular aufgebaute Fachanwendungslandschaft für die Gesundheitsämter. Basis ist die Plattform „ÖGDigital“, die in Baden-Württemberg bereits flächendeckend im Einsatz ist und aktuell in Bayern ausgerollt wird. Der Vorteil: Bestehende Module lassen sich mitnutzen, während neue Funktionen in abgestimmter Zusammenarbeit entstehen. So werden Entwicklungs- und Betriebskosten geteilt – und Doppelarbeit vermieden.

Die Kooperation setzt damit eine zentrale Forderung des Paktes für den ÖGD um, den Bund und Länder 2021 beschlossen haben. Statt Insellösungen zu schaffen, entsteht so ein einheitliches digitales Ökosystem mit klaren Vorteilen:

  • Arbeitsteilung: Aufgaben werden gemeinsam priorisiert und umgesetzt.
  • Kosteneffizienz: Entwicklungsaufwand und Betriebskosten werden fair aufgeteilt.
  • Flexibilität: Jedes Land kann Module an seine Bedürfnisse anpassen und gleichzeitig von den Lösungen der anderen profitieren.

Dazu Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege: „Die Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist eine Daueraufgabe, die kein Land allein stemmen kann. Mit unserem Beitritt zur Kooperation stärken wir nicht nur den Berliner ÖGD, sondern machen ihn auch leistungsfähiger für ganz Deutschland. Unsere Berliner Gesundheitsämter profitieren von der Vorarbeit Baden-Württembergs und Bayerns – und umgekehrt. So schaffen wir Synergien, sparen Ressourcen und setzen auf eine nachhaltige Digitalisierung.“

Dazu Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit, Baden-Württemberg:
„Die Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Wie unverzichtbar leistungsfähige Gesundheitsämter sind, haben die Pandemieerfahrungen der vergangenen Jahre eindrücklich gezeigt. Mit der Digitalisierung heben wir Potenziale, stärken die Gesundheitsämter und verbessern den Service für die Bürgerinnen und Bürger sowie den Arbeitsalltag der Beschäftigten. Dass Berlin nun zu unserer Kooperation mit Bayern hinzukommt, ist ein starkes Signal: Gemeinsam bringen wir den ÖGD voran. Berlin heißen wir herzlich willkommen.”

Dazu Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach: „Ein leistungsfähiger Öffentlicher Gesundheitsdienst ist der Schlüssel für einen nachhaltigen Schutz der Gesundheit unserer Bevölkerung. Zentral ist dabei, dass wir deutschlandweit ein einheitliches Digitales Ökosystem entwickeln und nicht jedes Land auf Insellösungen setzt. Ich freue mich deshalb, dass unsere Kooperation mit Baden-Württemberg ausgeweitet und damit die ämter- und länderübergreifende Zusammenarbeit gestärkt wird. So können Entwicklungen ausgetauscht und mitgenutzt werden. Bayern bringt hier seine Kompetenzen und Investitionen unter anderem aus der Entwicklung der Fachmodule zur Trinkwasser- und Badegewässerüberwachung ein, die in die Plattform ÖGDigital integriert sind.“

Als erstes beitretendes Bundesland stärkt Berlin die Grundlage für eine bundesweite Ausweitung der Kooperation. Der Schritt ist das Ergebnis monatelanger Vorarbeit: Bereits im August 2025 unterzeichnete Berlin eine Absichtserklärung. Erste Tests mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales und vier Bezirken zur Anbindung an das Berliner Landesnetz verliefen erfolgreich, weitere folgen schrittweise.

Mit seinem klientenzentrierten Fallbearbeitungssystem „KliFaB“ steuert Berlin einen eigenen Baustein zur Länderkooperation bei. Ab 2027 soll das System die veralteten MS-Access-Lösungen in den zwölf Berliner Gesundheitsämtern ersetzen und zentrale Prozesse digital abbilden – von der Falldokumentation über Termin- und Dokumentenmanagement bis hin zum Berichtswesen in den Sozialpsychiatrischen Diensten (SpD), den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten (KJPD), den Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung, Krebs und chronischen Erkrankungen (BfB) und den Zentren für sinnesbehinderte Menschen.

Die Bürgerinnen und Bürger profitieren von den schnelleren und effizienteren Dienstleistungen der digitalen Prozesse. Mitarbeitende im ÖGD werden durch moderne, integrierte Arbeitsabläufe entlastet. Sensible Gesundheitsdaten werden im Zuge des zentralen Betriebs besser geschützt. Zudem können Baden-Württemberg und Bayern das Berliner Modul KliFaB an ihre Prozesse anpassen, während Berlin umgekehrt von bereits entwickelten Lösungen (z.B. der Schnittstelle zu SHAPTH, der bundesweiten Austauschplattform für Trinkwasserhygiene) profitiert.

Das Vorhaben baut auf dem Pakt für den ÖGD (2021-2026) auf, aus dem Berlin bereits rund 21 Millionen Euro in die Digitalisierung investiert hat. Das ITDZ Berlin begleitet das Projekt fachlich – etwa bei der Anbindung an das Berliner Landesnetz und der Einbindung der Berliner IKT-Basisdienste.