Pflegende Angehörige

Senior im Rollstuhl wird von seiner Tochter und Enkelin umarmt. Alle drei lächeln sich an.
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Rund 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, rund 50 Prozent ganz ohne professionelle Unterstützung versorgt – meist durch Angehörige, aber auch durch Freunde und Bekannte. Laut dem Berliner Familienbericht 2011 engagieren sich ungefähr 170.000 Berlinerinnen und Berliner in der Betreuung und Pflege von Angehörigen. Die Bedeutung der privaten Pflege für die Gepflegten und für die Gesellschaft als Ganzes ist dabei kaum zu überschätzen. Den Gepflegten ermöglicht sie den Verbleib im vertrauten Umfeld und die Aufrechterhaltung ihrer sozialen Beziehungen; für die Gesellschaft als Ganzes ermöglicht sie einen Grad der Zuwendung und Fürsorge, der mit professionellen Pflegediensten so nicht realisiert werden könnte.

Einen pflegebedürftigen oder demenzkranken Menschen zu betreuen ist eine verantwortungsvolle und anstrengende Aufgabe. Private Pflege ist körperlich und emotional belastend und geht häufig mit umfassenden Veränderungen im Leben der Pflegenden einher. Berufliche Einschränkungen und Verdienstausfall, Pflegekosten, soziale Isolation, bürokratische Hürden und unzählige offene Fragen bei der Bewältigung des Pflegealltags können Pflegende an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen. Ob auch künftig genügend Menschen die Pflege von Angehörigen, Freunden und Bekannten übernehmen, wird auch davon abhängen, ob es gelingt, die stillen Helfer angemessen zu unterstützen und ihre Leistungen zu würdigen.

Dank und Anerkennung: Woche der pflegenden Angehörigen

Pflegende Angehörige leisten einen unschätzbaren Dienst für die von ihnen Gepflegten und die Gesellschaft: pflegerisch, betreuend, sozial, wirtschaftlich und als ethisch-moralische Stütze. Sie sind ein zentraler Bestandteil unserer auf Solidarität beruhenden Wertegesellschaft. Ihre Pflegebereitschaft dokumentiert die nach wie vor sehr stark ausgeprägte Hilfekultur und Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft.

Um diese Leistungen mehr in den Fokus zu rücken und ihnen Dank und Anerkennung zu zollen, hat Berlin die Woche der pflegenden Angehörigen geschaffen. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis Berliner Einrichtungen und Institutionen organisiert die Fachstelle für pflegende Angehörige alle zwei Jahre diese Kulturwoche speziell für pflegende Angehörige.

2019 findet die 5. Woche vom 11.05. -17.05. unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller statt. Als Zeichen der besonderen Wertschätzung wird im Rahmen der Abschlussgala am 17.05.2019 die Ehrennadel „Berliner Pflegebär“ an pflegende Angehörige verliehen. Um der bundesweiten Bedeutung der Leistungen pflegender Angehöriger Nachdruck zu verleihen, wird hierbei erneut auch der von der Privaten Krankenversicherung bundesweite ausgeschriebene pflegecompass verliehen. Insgesamt werden 10 pflegende Angehörige stellvertretend für alle pflegenden Angehörigen geehrt.

Eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen wie z.B. Dampferfahrten, ein Kinonachmittag, ein Tanzcafé, ein Poetry-Slam, eine Zirkusveranstaltung für Familien, Besichtigungen und Wellnessveranstaltungen runden das Programm ab. Insgesamt gibt es im Monat Mai 33 Veranstaltungen. Alle Veranstaltungen sind für pflegende Angehörige kostenlos. Eine Versorgung der Pflegebedürftigen kann gegebenenfalls durch Kooperationspartner gesichert werden.

Weitere Informationen und Eintrittskarten zu den Veranstaltungen erhalten Sie bei der Fachstelle für pflegende Angehörige Tel.: 030-61 20 24 99 oder info@woche-der-pflegenden-angehoerigen.de sowie unter www.woche-der-pflegenden-angehörigen.de.

Entlastung und Unterstützung

Zur Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger ist in Berlin eine enorme Vielfalt an Angeboten entstanden: Pflegestützpunkte, Fachstellen für spezifische Bereiche der häuslichen Pflege, spezielle Beratungsangebote wie Pflege in Not, niedrigschwellige Betreuungsangebote, ambulante Pflegedienste, Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen und die Kontaktstellen Pflege-Engagement – die Liste ließe sich fortsetzen. Die Angebote spiegeln in ihrer Kreativität und Bandbreite die Vielfalt Berlins wider.
Informationen zu diesen Angeboten finden Sie auf diesen Seiten im Themenfeld Pflege und unter der Rubrik ‘Pflege zu Hause’. Einen guten Überblick über die bestehenden Angebote sowie Informationen und Tipps für die häusliche Pflege bietet zudem die Broschüre ‘Was ist, wenn…? 24 Fragen zum Thema häusliche Pflege’. Die Broschüre steht in mehreren Sprachen zum Download auf der Seite des Kompetenz Zentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe zur Verfügung.

Was ist, wenn…? 24 Fragen zum Thema häusliche Pflege

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Berliner Strategie zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen

Um das Unterstützungssystem für pflegende Angehörige bedarfsgerecht weiter zu entwickeln und zu vernetzen, wurde 2015 erstmals ein „Maßnahmenplan pflegende Angehörige“ von der Fachstelle für pflegende Angehörige gemeinsam mit Verwaltung und anderen Akteurinnen und Akteuren erarbeitet. Er bietet einen Überblick über den aktuellen Stand des Unterstützungssystems, beschreibt Handlungsbedarfe und Maßnahmen.

Schnell wurde deutlich, dass es über den Maßnahmenplan hinaus einer gesamtstädtischen Strategie bedarf, die die großen Handlungsfelder zur Stärkung pflegender Angehöriger bündelt. Erstmals wird daher ein solches Strategiepapier vorgelegt. Hierfür identifiziert die „Berliner Strategie zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen“ drei konkrete Handlungsfelder:

1. Anerkennungskultur und Beteiligungskultur
2. Information, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit
3. Alltagsunterstützung

Die Strategie steht zum Download zur Verfügung und wird fortlaufend aktualisiert.

Berliner Strategie zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen

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