Schwerstkranke und Sterbende

Medizinerin hält die Hand einer Seniorin
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Schwerstkranke und Sterbende können in Berlin ambulant durch Hospizdienste und stationär in Hospizen versorgt werden. Seit 2007 ist ein Leistungsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im SGB V festgeschrieben. Die SAPV richtet sich an Menschen, die auf die Versorgung von auf Palliativmedizin spezialisierten Ärzten und Palliativpflegediensten angewiesen sind, und deren Angehörige.

Hospize und Palliativversorgung in Berlin

In Berlin gibt es 28 ambulante Hospizdienste (inklusive vier Außenstellen) für Erwachsene und sieben Kinderhospizdienste, 15 stationäre Hospize mit insgesamt 223 Betten für Erwachsene und zwei Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit insgesamt 26 Betten, darunter sieben Plätze für die Stunden-, Tages- oder Nachtpflege. Darüber hinaus gibt es drei Krankenhäuser mit eigenem Hospizdienst.

Im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) gibt es zurzeit 82 zugelassene SAPV-Ärzte und 29 angegliederte SAPV-Leistungserbringer Pflege. Sieben Palliativstationen mit 55 ordnungsbehördlich genehmigten Betten (plus zehn bei Bedarf) ergänzen die ambulante Palliativversorgung.

Ca. 1.900 Ehrenamtliche engagieren sich in der Hospizarbeit in Berlin.

Gelegenheit, sich mit der Arbeit der ambulanten und stationären Hospize Berlins bekannt zu machen und mit den Themenfeldern Sterben, Tod und Trauer auseinander zu setzen, bietet unter anderem die jährlich stattfindende Berliner Hospizwoche des Hospiz- und Palliativverbandes Berlin. Der Hospiz- und Palliativverband Berlin und seine Mitgliedsorganisationen luden unter dem Motto „Hospiz im Kiez“ vom 23. bis 30. September 2018 zu zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der 20. Berliner Hospizwoche ein. Die Schirmherrschaft hatte Senatorin Dilek Kolat übernommen.

Hospiz- und Palliativkonzept für das Land Berlin

Der Senat hat im April 2011 das 3. Hospiz- und Palliativkonzept für das Land Berlin (Drucksache 16/4057 Abgeordnetenhaus Berlin) beschlossen, um die Betreuung, Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen in Berlin weiter zu verbessern.

Verankerung stationärer Hospizleistungen im Sozialgesetzbuch

Stationäre Hospizleistungen haben im Jahr 1997 Eingang in das Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) gefunden, Leistungen der ambulanten Hospizdienste im Rahmen der Sterbebegleitung im Jahr 2002. Seit 2007 ist darüber hinaus ein eigener Leistungsanspruch für eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im SGB V verankert worden. Als weitere Rechtsgrundlage wurden im März 2008 die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung veröffentlicht und im Juni 2008 die gemeinsamen Empfehlungen der Spitzenverbände der Krankenkassen (GKV Spitzenverband) verabschiedet.

Spezialisierte Beratung für schwerstkranke, sterbende Menschen und ihre Angehörigen

Die Zentrale Anlaufstelle Hospiz (ZAH) berät zu den Themen Sterbebegleitung, Tod, Trauer, Hospiz und Palliativversorgung und vermittelt Informationen und Hilfeangebote für schwerstkranke und sterbende Menschen und deren pflegende Angehörige. Auf ihren Seiten bietet die ZAH umfassende Informationen zu den Angebotsstrukturen mit Adressen und Telefonnummern sowie die Möglichkeit einer Online-Beratung. Zu Strukturen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung berät HomeCare Berlin e.V.
Das am 08.11.2016 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung (HPG) regelt erstmals einen Anspruch der Versicherten auf individuelle Beratung und Hilfestellung durch die gesetzlichen Krankenkassen bei der Auswahl und Inanspruchnahme von Leistungen der Palliativ- und Hospizversorgung. Dabei sollen Krankenkassen auch allgemein über Möglichkeiten persönlicher Vorsorge für die letzte Lebensphase informieren, insbesondere zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. In Berlin wird dieser Anspruch über die Pflegestützpunkte und direkt über die gesetzlichen Krankenkassen realisiert.

Die Datenbank Hilfelotse Berlin der Berliner Pflegestützpunkte enthält ebenfalls Adressen, Informationen und Beratungsangebote zu diesem Themenkomplex.

Broschüre 'Wenn Ihr Arzt nicht mehr heilen kann' der Senatsverwaltung

Die Broschüre ‘Wenn Ihr Arzt nicht mehr heilen kann – Informationen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer’ in der Schriftenreihe ‘Gut altern in Berlin’ ist in enger Zusammenarbeit mit der Zentralen Anlaufstelle Hospiz und dem Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie des Unionhilfswerkes entstanden. Die Broschüre soll sterbenden Menschen und ihren Angehörigen helfen, ihre schwierige Situation zu meistern und sich die Hilfe und Unterstützung zu holen, die sie dafür benötigen. Die Sterbebegleitung schwerkranker, hochbetagter und zum Teil an Demenz erkrankter Menschen und die besondere Situation von Familien mit einem schwerkranken, sterbenden Kind werden ebenfalls thematisiert.

"Wenn ihr Arzt nicht mehr heilen kann - Informationen rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer"

Die Version ist noch nicht vollständig barrierefrei und wird noch überarbeitet.

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Broschüre "Wenn das Leben endet ..." von Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. erstellt im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales

Wer bedenkt und bespricht schon gern den eigenen Tod oder den seiner Familienangehörigen? Um die Auseinandersetzung mit der letzten Lebensphase zu erleichtern, gibt die Broschüre “Wenn das Leben endet …” einen Überblick über die wichtigsten Informationen und Anlaufstellen in Berlin zu den Themen Vorsorgemaßnahmen, Pflege-, Palliativversorgung und Sterbebegleitung, zu erledigende Formalien im Todesfall und zum Umgang mit Trauer. Sie ergänzt damit die oben angeführte und umfangreichere Broschüre “Wenn Ihr Arzt nicht mehr heilen kann”.

Wenn das Leben endet

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Broschüre des Netzwerks Palliative Geriatrie Berlin zur Sorgekultur am Lebensende in Berliner Pflegeheimen

Die Broschüre ‘Sorgekultur am Lebensende in Berliner Pflegeheimen – Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin’ ist vom Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie des Unionhilfswerkes in Zusammenarbeit mit dem IFF Wien Palliative Care und Organisationsethik/Universität Klagenfurt und der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales erarbeitet worden. Sie gibt einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation zu diesem Thema in Berlin.

Das Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin (NPG Berlin) wird vom Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie (KPG) koordiniert. Das Projekt wird von der Robert Bosch Stiftung, der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales und dem Unionhilfswerk gefördert.

Für das Projekt hatten sich 20 Berliner Pflegeheime mit dem Ziel zusammengeschlossen, die Hospizkultur und Palliative-Care-Kompetenz in ihren Pflegeheimen nachhaltig zu etablieren. Schwerstkranke und sterbende Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre Angehörigen und Nahestehenden sollten bei der Auseinandersetzung mit der Verletzlichkeit, Endlichkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens unterstützt und damit die Voraussetzungen für ein würdiges Sterben geschaffen werden.

Die erste Phase des Projektes wurde 2012 abgeschlossen. Die Broschüre stellt die Ergebnisse der ersten Phase dar und ruft zur Beteiligung von 20 weiteren Pflegeheimen an der zweiten Phase, die 2013 begonnen hat, auf.

Sorgekultur am Lebensende in Berliner Pflegeheimen - Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin

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Fachtagungen zur palliativen Geriatrie

Die 13. Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin hat am 12. Oktober 2018 erfolgreich stattgefunden.

Die 14. Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin wurde dort angekündigt für den 18.10.2019.

Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland

Im Ergebnis eines breiten Beteiligungsprozesses entstand die ‘Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland’ und konnte im September 2010 veröffentlicht werden. In fünf Leitsätzen werden hier Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe formuliert, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu verbessern.
Unter Beteiligung Berliner Experten wurde eine Nationale Strategie zur Umsetzung der Charta erarbeitet, die am 17. Oktober 2016 durch eine Allianz von mehr als 50 Organisationen, die wesentliche Entscheidungsträger im Gesundheitswesen repräsentieren, mit konsentierten Handlungsempfehlungen verabschiedet.

Logo Berliner Initiative zur Umsetzung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland und ihrer Handlungsempfehlungen

Der Runde Tisch Hospiz- und Palliativversorgung Berlin unterstützt die Umsetzung der Charta. Bei neuen öffentlichkeitswirksamen Initiativen zur Umsetzung der Charta kann bei der Zentralen Anlaufstelle Hospiz (siehe oben) das Berliner Logo zur Charta-Umsetzung beantragt werden.

Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung

Der Deutsche Bundestag hat am 5. November 2015 mit großer Mehrheit das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung (HPG) beschlossen, das am 8. Dezember 2015 in Kraft getreten ist. Weitere Informationen zum Gesetz hat das Bundesministerium für Gesundheit bereitgestellt.

Kooperation zwischen Krankenhäusern und ambulanten Hospizdiensten

Das HPG enthält erstmals auch eine Regelung zur Erbringung qualifizierter ehrenamtlicher Sterbebegleitung durch ambulante Hospizdienste mit Auftrag des jeweiligen Krankenhausträgers.
Die Berliner Krankenhausgesellschaft, der Hospiz- und PalliativVerband Berlin und die zuständige Senatsverwaltung unterstützen die praktische Umsetzung, haben in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe Instrumente, entwickelt und auf einer Fachveranstaltung im November 2016 bereits vorliegende Kooperationserfahrungen, die entwickelte Instrumente, wie einen Musterkooperationsvertrag und Musterinformationsblätter, und beabsichtigte Angebote vorgestellt sowie notwendige Rahmenbedingungen diskutiert.