Migrantinnen und Migranten

Gruppe von Seniorinnen und Senioren unterschiedlicher ethnischer Herkunft
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Ältere Migrantinnen und Migranten sind eine der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen in Berlin. Zu ihnen zählen Seniorinnen und Senioren, die vor allem in den 1960er Jahren aus unterschiedlichen Gründen eingewandert sind: Sie kamen als Flüchtlinge, Arbeitsmigranten, Aussiedler, Studenten oder Kaufleute. Oft haben sie Schwierigkeiten, sich im Altenhilfe- und insbesondere im Pflegesystem zurechtzufinden. Es gibt mehrere Stellen, die Auskünfte zur Pflege für Migrantinnen und Migranten geben und u. a. über das Versorgungsangebot, Versicherungsansprüche und Finanzierungsmöglichkeiten informieren.

Beratungsangebote für ältere Migrantinnen und Migranten

Kompetente Beratung, Informationen und Vermittlungshilfen erhalten Migrantinnen und Migranten bei den folgenden Stellen:

Kompetenzzentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe

Um älteren Migrantinnen und Migranten die Integration in das Altenhilfe- und Pflegesystem zu erleichtern, wurde im Jahr 2000 das Kompetenzzentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe ‘Kom•zen’ gegründet. Das Kom•zen spricht Empfehlungen zu den Themen Alter, Migration und Pflege aus, entwickelt Standards und setzt gemeinsam mit den Fachverantwortlichen Maßnahmen zur Teilhabe von älteren Zuwanderern um.

Aufgaben des Kompetenzzentrums Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe

Das Kom•zen
  • fördert kultursensible Kommunikation in den seniorenspezifischen Medien
  • ist Fachpartner für die kultursensible Ausgestaltung der Pflegestützpunkte
  • organisiert und begleitet den Fachdialog sowie Modellprojekte verantwortlicher Akteure am Runden Tisch Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe der Berliner Bezirke
  • fördert die Partizipation älterer Einwanderer im Rahmen des Partizipations- und Integrationsgesetzes des Landes Berlin (PartIntG)
  • begleitet die Arbeitsgemeinschaft Migration des Landesseniorenbeirates Berlin (LSBB)
  • organisiert Schulungen zur kultursensiblen Ausrichtung der sozialen Regeldienste mit dem Schwerpunkt interkulturelle Kompetenz
  • berät im Rahmen von Modellprojekten Öffnungsprozesse in der Altenpflege

Beratungsangebote für Einrichtungen, Verwaltungen und Dienste

Um den Zugang zur Versorgung für ältere Migrantinnen und Migranten in Berlin zu verbessern, fördert die für Soziales zuständige Senatsverwaltung das Kompetenzzentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe – Kom•zen.

Es berät Einrichtungen der Altenhilfe und Pflege, Verwaltungen, die Migrantenselbstorganisationen (MSOs) und Dienste zu migrationsspezifischen Anforderungen im Bereich der (Alten-)Pflege, um sie für die Bedürfnisse älterer Zuwanderer zu sensibilisieren und Organisationsentwicklungsprozesse anzuregen. Hierfür bietet das Kom•zen struktur- und organisationsbegleitende Unterstützung

Mehrsprachige Informationsblätter zur Pflege

Auf der Internetseite der Berliner Pflegestützpunkte gibt es über 30 Informationsblätter zu Pflegethemen in türkischer, russischer, polnischer, arabischer, bosnischer, vietnamesischer und englischer Sprache.

Analyse zur Versorgung von Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund der ersten Generation (AnVerMigr)

Die Studie wurde von der Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migrant*innen (GePGeMi e.V.) im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung im Zeitraum von August bis November 2018 durchgeführt.

Das Ziel der Studie war, einerseits in einer explorativen Weise Einblicke in die Versorgungssituation der Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund im Hinblick auf die Lebens- und Pflegeform zu gewinnen und ihre Erwartungen und Wünsche bezüglich der Pflege und Zugangsbarrieren bei der Inanspruchnahme von professionellen Angeboten im Bereich der Pflege zu beleuchten. Darüber hinaus wurde andererseits der Versuch unternommen, durch eine standardisierte Befragung der pflegerischen Einrichtungen einen Überblick über den Versorgungsstand Pflegebedürftiger mit (asiatischem) Migrationshintergrund in pflegerischen Einrichtungen und ihren aktuellen Stand der interkulturellen Orientierung und Öffnung zu bekommen.

Für die Studie wurden einerseits 12 Einzelinterviews mit Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund (aus Japan, Korea, Thailand und Vietnam) und zwei Gruppeninterviews mit jeweils acht Expert*innen bzw. Vertreter*innen asiatischer Communities und 18 potenziellen Pflegebedürftigen mit asiatischem Migrationshintergrund der ersten Generation ausgewertet. Andererseits wurden die Daten aus 231 Einrichtungen im Bereich der Pflege in Berlin analysiert.

Auf Basis der Ergebnisse sind folgende Empfehlungen abzuleiten:

  • Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung von Informationsdefiziten für kleinere Migrantengruppen
  • Erprobung eines individuellen Betreuungs- und Unterstützungskonzeptes insbesondere bei kleineren Migrantengruppen
  • Analyse der Dynamik und Funktionsweise der Nachbarschaftshilfe von kleineren Migrantengruppen
  • Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit der Pflegestützpunkte als erste Anlaufstelle
  • Gezielte Förderung der Interkulturellen Öffnung der Einrichtungen
  • Sensibilisierung pflegerischer Einrichtungen zum Thema „Freundlichkeit“
  • Berücksichtigung der Vielfalt der Migrantengruppen