Blau-Grünes Bauen für die klimaangepasste Stadt - erlebbar in Berlins Mitte bis 25. Oktober

Eine Bank mit einem Regenwassermodul

Thema des Treffpunkts Bauwende 2026 auf dem Gelände der historischen Bauakademie ist "Blau-Grünes Bauen"

„Ach ist das schön kühl hier…“ Am 30. Juni ist die extreme Hitzewelle von 40 Grad zwar vorbei, aber in der in Stein gehauenen historischen Mitte Berlins reichen auch 24 Grad, um ins Schwitzen zu kommen. Die kühle Regenwasser-Bank kann bei weitem nicht allen Personen Platz bieten, die an diesem Tag an einer Führung über die Ausstellung zum Thema Blau-Grünes Bauen teilnehmen. Die Bank steht an einer begrünten Ziegelwand auf einem wenig befestigten Gelände am Schinkelplatz. Hier soll einmal die neue Bauakademie entstehen.

Als Zwischennutzung hat die Bundesstiftung Bauakademie hier den Treffpunkt Bauwende als Forum für Wissensaustausch etabliert – und genau dieser ist auch das Ziel der Reihe Klimawissen in der Städtebauförderung. Statt der üblichen Videokonferenz sind an diesem Tag Praxisbeispiele direkt und mit allen Sinnen erlebbar – von simplen Sofortmaßnahmen bis hin zu integrierten Gebäudekomponenten. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin sind auf dem Gelände außerdem zwei Forschungsprojekte zu sehen, die während des Ausstellungszeitraums bis zum 25. Oktober wissenschaftlich begleitet werden. Ausstellungstafeln mit Praxisbeispielen aus ganz Deutschland ergänzen die realen Interventionen auf der Fläche.

Treffpunkt Bauwende Blau-Gruenes Bauen

Ein schattiges Plätzchen unter klimaangepasster Bepflanzung - noch keine Selbstverständlichkeit im urbanen Raum

Über das Gelände mit den zahlreichen Installationen führen Katharina Auffarth, Grit Rudas und Dr. Paul Kober von der Berliner Regenwasseragentur. Die Agentur hat die Praxis-Ausstellung zusammen mit dem Bundesverband GebäudeGrün und der Bundesstiftung Bauakademie konzipiert.

Zu sehen sind zum Beispiel verschiedene Möglichkeiten der Wandbegrünung. Hier summt und brummt es, trotz der Hitze sind die Pflanzen gut angewachsen. Im Idealfall werden sie aus Regenwasserspeichern bewässert, wenn es genug Niederschlag gab. Fassadenbegrünung kann aber auch zum Gemüseanbau mit für die Ernte absenkbaren Rankhilfen genutzt werden. Gegenüber steht ein komplett mobiles „Grünes Zimmer“ für städtische Plätze, eine Lösung, wenn Entsiegelung und Verschattung nicht möglich sind. Auch eine leicht gemuldete Pflanzfläche – angelehnt an eine Versickerungsmulde – zeigt, wie solche Anlagen klimaangepasst gestaltet werden können.

Treffpunkt Bauwende Blau-Gruenes Bauen

Ausstellungstafeln und Sitzgelegenheiten aus wiederverwendeten Abbruchmaterialien im historischen Zentrum Berlins

Daneben lockt ein kleines Wäldchen in mobilen Beeten, auch hier ist der Kühlungseffekt enorm und hochwillkommen. Hier im lichten Schatten lassen sich in aller Ruhe per QR-Code und Audioguide Informationen zu digitalen Tools und zur letzten kommunalen Gärtnerei in Berlin abrufen – auf beides setzt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier werden u.a. heimische Wildstauden vermehrt, um die Biodiversität und Klimaresilienz der Grünflächen im Bezirk gezielt zu verbessern. Vorgestellt werden auch Nachbarschaftsinitiativen, wie ganz praktische Regentonnen. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es bereits ein digitales Antragsverfahren für diese Sondernutzung des Straßenlandes.

Ob Low-Tech oder Hightech – wer auf der Suche nach konkreten Lösungen ist, kann sie hier finden. Ausstellungstafeln und Sitzgelegenheiten sind aus wiederverwendeten Abbruchmaterialien gefertigt und laden zum Diskurs über die Vermeidung von Abriss und die Förderung des Erhalts von Bestandsbauten ein.

Aus der Runde wird konkret nachgefragt, zum Beispiel zu gesetzlichen Grundlagen für grundstücksübergreifende Lösungen. Auch hierfür gibt es schon ermutigende Beispiele, die sicher auf der Begleitveranstaltung am 1. Oktober vorgestellt werden. Mitunter fehlen noch Finanzierungs- und Betreibermodelle oder auch der Mut zur Anwendung. Genau deshalb ist diese Ausstellung so wichtig: Man kann sie bis 25. Oktober 2026 jederzeit ohne Anmeldung selbst besuchen oder an einer Veranstaltung teilnehmen. Termine sind auf den Websites der Bundesstiftung Bauakademie und der Berliner Regenwasseragentur abrufbar.