Die TEIL-BAR – eine Erfolgsgeschichte aus ehrenamtlichem Engagement und pauschaler Projektförderung

Eingang und Schaufenster der TEIL-BAR und des Stadtteilzentrums Kiezbegegnung

Die TEIL-BAR im Stadtteilzentrum Kiezbegegnung, Neukölln, Schillerkiez

Im Neuköllner Schillerkiez schreibt das Stadtteilzentrum Kiezbegegnung eine Erfolgsgeschichte. Denn mit dem Projekt TEIL-BAR, das bis Februar 2026 im Programm Europa im Quartier aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde, ist dem Träger interkular gGmbH etwas Besonderes gelungen: Die TEIL-BAR ist im wahrsten Sinne zum „Selbstläufer“ geworden, sie steht nun auf eigenen Beinen, getragen und weiterentwickelt durch ein kleines Team von Ehrenamtlichen.

Das Thema Nachhaltigkeit steht auch inhaltlich im Zentrum des Projekts. Der Leihladen in der Warthestraße 73 ermöglicht Privatpersonen und Gruppen ihre Vorhaben ohne große Anschaffungen von Werkzeug, Veranstaltungstechnik oder anderen Materialien umzusetzen – in dem sozial benachteiligten Quartier besonders wichtig. Beim Ausleihen entdecken engagierte Akteure aus der Nachbarschaft die Angebote des Stadtteilzentrums, berichten von ihren Projekten und knüpfen Kontakte, aus denen neue Ideen entstehen.

Regal mit Leihartikeln in der Teil-Bar

Gut sortiert: das Angebot der TEIL-BAR

Aus der TEIL-BAR ist im letzten Jahr schon die Reparier-Bar hervorgegangen. Auch hier geht es zweimal im Monat darum, Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen und durch das Vermeiden von Neukäufen ganz konkret die Umwelt und nebenbei die Finanzen der Nutzenden zu schonen. Zusätzlich werden Workshops zum Upcycling von Materialien oder Kleidertausch-Nachmittage angeboten. Bildung und Empowerment sind wichtige Themen des Trägers interkular gGmbH.

Ein paar Faktoren waren besonders wichtig für diese Erfolgsgeschichte: Die TEIL-BAR nutzt die Räume und auch personelle Ressourcen zusammen mit dem Stadtteilzentrum Kiezbegegnung. 2024 wurde das kleine Ladenlokal angemietet, gemeinsam renoviert und im Herbst desselben Jahres eröffnet. Vorn Treffpunkt, Arbeitsplätze und Beratungsraum des Stadtteilzentrums, hinten Lager und Arbeitsplatz mit rund 125 Leihgegenständen – von Bügeleisen bis Schleifmaschine, vom Hocker über die Leiter bis zum Siebdruckgerät.

Eine Kundin der TEIL-BAR bei der Registrierung

Gesucht und gefunden: ein großer Tucker für den Innenausbau

Bis sich das Angebot herumsprach, waren Geduld und Ideen gefragt. Das Projektteam nutzte diverse Kanäle, um bekannt zu werden: Los ging es mit digitalen Umfragen und einer Wunschliste für die Gegenstände, heute ist zum Beispiel die Plattform nebenan.de eine gute Adresse. Von 22 Nutzenden im ersten Jahr stieg die Zahl bis März auf 155. Die Verwaltung der Dinge und der Nutzenden erleichtert ein Programm des Verbunds Leihpunkte.de, an dem auch zwei Sharing-Punkte in Friedrichshain teilnehmen. Eine Erweiterung ist möglich und erwünscht. Geholfen haben auch die vielen Sachspenden von Privatpersonen, Vereinen und Gewerbetreibenden. So musste kaum etwas neu angeschafft werden.

Ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor war jedoch ein fördertechnischer: Die TEIL-BAR war eines von aktuell drei EQ-Projekten, die eine pauschale Projektförderung erhielten. Das heißt jedoch nicht, dass es einfach so Geld regnete: Vor dem Zuwendungsbescheid musste eine Ziel- und Ergebnis-Matrix mit genau definierten Indikatoren für die Zielerreichung erarbeitet werden. Zusammen mit dem dazugehörigen Zeitplan bildete diese die Grundlage für die regelmäßigen Auszahlungen. In der Art und Weise, die vorher festgelegten Kennzahlen und Ziele zu erreichen, war das Team vor Ort jedoch frei. Der administrative Aufwand durch Formulare und Rechnungskopien entfiel, sodass die gewonnene Zeit für die inhaltliche Arbeit genutzt werden konnte.“

In den regelmäßigen Gesprächen wurde der Grad der Zielerreichung ausgewertet. Am Schluss steht man bei großartigen 98,6 Prozent. Projektleiter Dominik Haubrich fand besonders die Möglichkeit, regelmäßig inhaltlich mit dem Team der Senatsverwaltung über die Entwicklung des Projekts zu sprechen, sehr wertvoll. Die Beteiligten wollen solidarische Sharing-Modelle durch ihre Arbeit weiter in der Community verankern. Die Möglichkeit der pauschalen Projektförderung sehen sie als großen Gewinn.