Inhalte:
Grundlagenschulung (BB33-01-2026)
Das Grundseminar behandelt die Schulung eines tatverhaltensbasierten Risikoklassifikationssystems zur Einschätzung der Rückfallgefahr von Sexualstraftätern und einer darauf fußenden Ableitung geeigneter Präventionsmaßnahmen.
Folgende Inhaltspunkte sind vorgesehen:
- Überblick: Verschiedene Strategien der Kriminalprognose, rechtliche Vorgaben bei der Prognoseerstellung und Spezifika bei Sexualstraftätern
- Bestimmung des statistischen Ausgangsrisikos für einen sexualdeliktbezogenen Rückfall anhand Tatbildrisikoscore (TBRS) und Static-99R (unter Nutzung eines Fallbeispiels)
- Die Erweiterung der Risikoklassifikation durch das typologische Täterklassifikationsmodell
- Zuordnung des vorliegenden Falls zu verschiedenen Tätertypen anhand des Zusammenspiels (Tatmuster) verschiedener Tatmerkmale
- Differenzierung der Art und Schwere zu erwartender Rückfälle
- „Innere Handlungslogik“ verschiedener Tätertypen
- Schulung des entwickelten Excel-Tools zur computergestützten Anwendung des behandelten Risikoklassifikationssystems
- Strategien zur Formulierung eines weiterführenden ganzheitlichen individuellen Fallverständnisses für die Ableitung geeigneter Rückfallpräventionsstrategien
Vertiefungsseminar (BB33-02-2026)
Das Vertiefungsseminar richtet sich an Personen, die das Grundseminar bereits absolviert und schon Erfahrung bei der Anwendung des Risikoklassifikationssystems gesammelt haben. Auf der Basis selbst eingebrachter Fälle sollen die Anwendung des Risikoklassifikationssystems und damit verbundene Erfahrungen und Spannungsfelder reflektiert werden. Darüber hinaus soll die Verknüpfung der Risikoklassifikation mit weiteren relevanten Faktoren zur Erzeugung eines individuellen Fallverständnisses beleuchtet werden, um schließlich zur Ableitung geeigneter Handlungsstrategien seitens der Bewährungshilfe zu gelangen.
Die Teilnehmer*innen organisieren sich bereits im Vorfeld der Fortbildung in Gruppen und bereiten die Vorstellung von insgesamt ca. vier Fällen vor, die sie im Rahmen der Bewährungshilfe betreuen. Den Teilnehmer*innen wird hierfür ein Schema sowie ein Beispielfall zur Verfügung gestellt. Die Fallvorstellung innerhalb der Fortbildung beinhaltet die Anwendung des Excel-Tools zur Risikoklassifikation des Probanden sowie die Darstellung weiterer relevanter Faktoren für ein individuelles Fallverständnis (wesentliche biografische Entwicklung, Haftverlauf, Nachsorgesetting und Auflagen, individuell vorhandene Interessen und Bedürfnisse sowie positive Lebensziele im Sinne des Good-Lives-Models, bisheriger Verlauf der Betreuung, etc.). Auf dieser Basis können in der Gruppe ungünstige Entwicklungsszenarien (mit der Folge eines Rückfalls) und günstige Entwicklungsszenarien (mit der Folge eines straffreien Lebens) abgeleitet werden, und es wird für den vorliegenden Fall gemeinsam
reflektiert, was die zuständigen Personen der Bewährungshilfe konkret tun können, um ungünstige Entwicklungen zu verhindern und günstige Entwicklungen zu fördern.
Zielgruppe: PsychD, SozD, SozDJ
Dozent: Prof. Dr. Jürgen Biedermann, Professor für Psychologie Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg
Teilnehmendenanzahl: Min.8/max. 20
Ort: Soziale Dienste der Justiz, Veranstaltungsraum 5.OG,
Schönstedtstr. 5, 13357 Berlin
Zeit: 08:30-16:15 Uhr
Termine:
- 28.04.2026 Grundlagenschulung (BB33-01-2026)
- 13.10.2026 Vertiefungsseminar (BB33-02-2026)
Anmeldeschluss:
- 05.03.2026 (BB33-01-2026)
- 20.08.2026 (BB33-02-2026)