Behandlung/ Betreuung

In der Jugendstrafanstalt Berlin gibt es verschiedene Betreuungsbereiche. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Haftdauer und die Haftart. Weitere Differenzierungen erfolgen bei den pädagogischen und therapeutischen Konzepten sowie bei dem Klientel und deren Problematiken.

Haus 1 - Sozialpädagogische Abteilung

Gemeinsam in Wohngruppen leben

Die jungen Gefangenen lernen durch die Unterbringung in Wohngruppen ihre sozialen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und zu verändern. Dies wird unterstützt durch

  • Einzel- und Gruppengespräche
  • Freizeit- und Sportaktivitäten
  • soziales Kompetenztraining und
  • ergänzende Angebote.

Lernerfolge und Stabilisierung im Sozialverhalten führen zu einer Unterbringung in höheren Stufen (stufenorientierter Wohngruppenvollzug).

In der höchsten Stufe können Vollzugslockerungen gewährt werden, um auf ein Leben außerhalb des Vollzuges vorzubereiten. Hierzu gehört auch der Einsatz als Freigänger und die Verlegung in den offenen Vollzug.

Haus 3 - Strafhaftbereich

Die Straftat wird als Unfähigkeit verstanden, bei Konflikten zwischen gesellschaftlichen Normen und individuellen Bedürfnissen, zufriedenstellende Lösungen zu finden.

Die behandlerische Aufgabe ist es daher dem Gefangenen seine fehlerhafte Kommunikation mit seiner sozialen Umwelt zu verdeutlichen. Das Ziel wird in zwei Schritten angesteuert.

1. Schritt:

Der Gefangene lernt zu erkennen und einzugestehen, dass die aktuellen Konflikte und die früheren Schwierigkeiten keine isolierten Ereignisse sind. Sie hängen vielmehr miteinander zusammen und sind typische fehllaufende, delinquenzstabilisierende Interaktionen.

2. Schritt:

Der Gefangene wird zu nichtdelinquenten Interaktionsprozessen befähigt.

Die Behandlung orientiert sich an

  • Verhaltenstherapie
  • Psychoanalyse und
  • Sozialpädagogik

Haus 4 - Sozialtherapeutische Abteilung

Haus 4

Die sozialtherapeutische Abteilung stellt ein spezifisches, strukturiertes, multimodales Behandlungsangebot dar, das gezielt an den jeweiligen kriminogenen Risikofaktoren ansetzt.

Neben einer intensiven Wohngruppenarbeit finden insbesondere gruppentherapeutische und einzeltherapeutischen Maßnahmen statt: kognitiv-behaviorales Trainingsprogramm Reasoning & Rehabilitation (R&R), Gruppentherapieprogramm für Gewaltstraftäter, Gruppentherapieprogramm für Sexualstraftäter, psychotherapeuische Einzelgespräche.

Daneben werden für die Gefangenen themenspezifische Gruppen (z.B. Arbeit am Suchmittelmissbrauch, Progressive Muskelrelaxation, Mal- und Zeichengruppe) oder Freizeitgruppen (z.B. Sportgruppe, Kochgruppe) angeboten.

Haus 5 - Kurzstraferbereich

Behandlung/Betreuung

Haus 5

Als Methode kommen zum Einsatz: Einzelfallhilfe, soziale Trainingskurse und Gruppenarbeit, Arbeitshefte, Sport- und Freizeitgruppen, Vollzugslockerungen (u.a. Tagesausgänge und Freigänge) sowie Urlaub.

Zur Steigerung und Stabilisierung der sozialen Integrationskompetenz wurde ein Verhaltensfeedback- und Stufensystem entwickelt, an dem alle Mitarbeiter mitwirken. Die Aufenthaltsdauer ist in drei Teilstufen mit aufeinander abgestimmten Lernzielen gegliedert. Damit wird ein grober Orientierungsrahmen geschaffen.

Der zweite Schritt besteht in einem Verhaltensbeurteilungssystem. Dazu erhält der Inhaftierte ein tägliches bzw. wöchentliches Verhaltensfeedback im Freizeit- und Arbeitsbereich. Die Verhaltensleistung wird in einem Punktwert ausgedrückt, der wiederum die Grundlage für den Aufstieg in die nächsthöhere Stufe bildet.

Neben der erzieherischen Aufgabestellung sind die Mitarbeiter mit zahlreichen Sicherungs-, Verwaltungs- und Berichtsaufgaben (z.B. Vollzugsplanfortschreibung, Stellungnahmen) betraut.

Wie in allen Bereichen erhalten die Gefangenen auch in der Kurzstraferabteilung Hilfe und Unterstützung bei persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen sowie Beratung und praktische Hilfe bei allgemeinen Behördenangelegenheiten (z.B. Arbeitsamt, Sozial- und Jugendamt usw.).

Gruppenangebote

Das Soziale Training ist ein fester Bestandteil der sozialpädagogisch orientierten Behandlungskonzeption. Es besteht im Haus 5 aus folgenden Gruppenangeboten:

  • Sucht und Abhängigkeit
  • kreative Entlassungsvorbereitung
  • Sport
  • Bewerbungstraining
  • Konflikte im Alltag
  • Geld und Schulden
  • Vorbereitung auf Vollzugslockerungen

Haus 6 und Haus 9 - Untersuchungshaftbereich

Behandlung/Betreuung

1. Phase

In der Aufnahmephase erfolgt zunächst die Problemanalyse und Hilfestellung für den Insassen, damit er die Chance hat, sich innerhalb des Anstaltsbereiches zurecht zu finden. Die Findungsphase dauert in der Regel eine Woche.

2. Phase

In der zweiten Phase steht zunächst die anamnestische Arbeit im Vordergrund und die Klärung der möglichen Arbeitswünsche innerhalb der Anstalt. Methodisch kommt hier die Einzelfallhilfe zum Einsatz, darüber hinaus auch Kleingruppenarbeit und Gruppenarbeit. Die Insassen haben die Möglichkeit, am sozialpädagogisch orientierten Programm teilzunehmen:

  • Vorbereitung auf die Hauptverhandlung
  • Anti-Gewalttraining
  • Entlassungsvorbereitung
  • sportliche Aktivitäten innerhalb der Anstalt

3. Phase

Die dritte Phase ist der Zeitraum, in dem sich Insassen auf ihren Haupttermin vorbereiten. Diese Phase ist zweigliedrig angelegt, da Insassen auf ihre mögliche Entlassung vorbereitet werden müssen und zum anderen müssen sich die Insassen damit auseinandersetzen, dass sie über einen gewissen Zeitpunkt in der Jugendstrafanstalt Berlin verbleiben müssen.

Haus 7 - Zugangsabteilung

Zentrale Aufgabe der Aufnahme- und Zuweisungsabteilung ist die Erstellung eines Vollzugsplans (§ 11 JStVollzG Bln), der die individuellen Ziele während der Inhaftierung skizziert, beispielsweise hinsichtlich Ausbildung, schulischer Bildung, Arbeit, psycho- oder sozialtherapeutischer Behandlung, sozialer Kompetenzen und Kontakte sowie der Gewährung von Vollzugslockerungen.

Zuvor werden in einem diagnostischen Verfahren Informationen hinsichtlich der biografischen und delinquenten Entwicklung, der Persönlichkeit und Lebensverhältnisse sowie der Ursachen und Umstände der Straftat erhoben sowie der aktuelle Förder- und Erziehungsbedarf (§ 10 JStVollzG Bln) ermittelt.

Dazu werden Gespräche mit dem Gefangenen geführt und Fremdinformationen (u. a. Urteile, Berichte der Jugendgerichts- und Bewährungshilfe, etwaige Gutachten) ausgewertet.

In einer Konferenz wird über den Förder- und Erziehungsbedarf beraten und über den Vollzugsplan entschieden, was auch die Entscheidung über die Verlegung in einen der sozialpädagogisch, psychologisch oder sozialtherapeutisch ausgerichteten Behandlungsbereiche umfasst.

Die Aufenthaltsdauer der Strafgefangenen im Haus 7 beträgt bis zu sechs Wochen.

Haus 8 - Drogenfachbereich

Behandlung/Betreuung

Dem Behandlungskonzept liegt eine Stufenkonzeption in Anlehnung an Drogentherapieeinrichtungen zugrunde:

  • Verhaltenstherapeutische Behandlungselemente
  • Entwicklung und Verstärkung eines Abstinenzwillens
  • Beziehungsarbeit durch Einzelbehandlungen
  • Gruppenarbeit innerhalb der Stationen und übergreifend
  • Unterstützung der Drogenabstinenz durch Urin-Kontrollprogramme
  • Gewaltfreiheit und Erarbeiten von Konfliktlösungsstrategien
  • positives Sozialverhalten gegenüber Mitarbeiter/innen und Mitinsassen
  • Arbeitspflicht

Gruppenangebote

Soziales Training – Drogenberatung:

  • Infos über Suchtsystemangebote in Berlin
  • Selbsterfahrung/Selbsthilfe
  • Eigene Suchtstrukturen erkennen und annehmen
  • Interkultureller Ansatz

Gruppengespräche für Vollzugsgelockerte

  • Erfahrungsaustausch der Insassen
  • Risikofaktoren / Missbrauchsgefahr
  • Entwicklung von Handlungsstrategien
  • Gruppenaktivitäten

Offener Vollzug

Die offene Vollzugsform dient der Entlassungsvorbereitung. Ziel ist es, den jungen Gefangenen schrittweise wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Der Sicherheitsaspekt im offenen Vollzug wird insbesondere durch Betreuung und pädagogische Maßnahmen gewährleistet. Die jungen Gefangenen stehen im engen Kontakt mit unserem 12-köpfigen Betreuerteam.

In Gruppengesprächen werden die neuen Erfahrungen in der Arbeitswelt und in privaten Kontakten außerhalb der Mauern besprochen. Ebenso werden Konfliktsituationen und Geschehnisse im Vollzugsalltag thematisiert.