Gemeinsame Pressemitteilung: Auf dem Weg zu neuen Deeptech-Standards in der Hauptstadtregion: Start der gemeinsamen Erprobung eines Rahmens für den IP-Transfer an Spinoffs

Pressemitteilung vom 04.09.2026

Das Startup-Ökosystem der Metropolregion Berlin-Brandenburg stellt die Weichen auf Zukunft: Zehn Berliner Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen, die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie die Berlin-Brandenburger Startup Factory JUNI haben ein Memorandum of Understanding (MoU) zum „Berliner IP-Modell” geschlossen. Der gemeinsame Ziel- und Prozessrahmen soll die Verwertung von forschungsbasiertem geistigem Eigentum (IP) vereinfachen und Ausgründungen nachhaltig investitionsfähig machen.

Entwickelt wurde das Rahmenwerk von JUNI gemeinsam mit Berliner und Brandenburger Wissenschaftseinrichtungen. Mit dem MoU beginnen nun die unterzeichnenden Berliner Einrichtungen mit der vereinbarten dreijährigen Erprobungsphase. In dieser Phase wird auch den unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen Rechnung getragen.

Transparenz und Effizienz: Zielmarke 90 Tage vom Labor zum Vertrag

Deutschland und Europa forschen auf Weltniveau – bei der kommerziellen Übersetzung fallen sie jedoch zurück: Talente und IP wandern ab oder bleiben ungenutzt, weil komplexe und unklare Prozesse den Transfer verzögern, entgegen der Präferenz aller Beteiligten. Genau hier setzt das „Berliner IP-Modell” an. Für standardisierbare Transferprozesse formuliert es eine klare Zielmarke: Vom initialen IP-Audit bis zur Unterschrift sollen höchstens drei Monate vergehen. Die Erprobungsphase wird zeigen, welche institutionellen Voraussetzungen für dieses Ziel notwendig sind oder geschaffen werden sollten, um es zuverlässig zu erreichen.

Das Herzstück des Rahmenwerks bilden drei klar definierte Komponenten:

  • Das IP-Audit: Eine strukturierte Bestandsaufnahme, um bestehende Schutzrechte und Eigentumsverhältnisse vorab transparent zu erfassen.
  • Die IP-Scorecard: Ein neutrales Bewertungstool, das in Anlehnung an die SPRIND-Methodik den echten Wettbewerbsschutz der IP in drei Stufen einordnet.
  • Die Transfer-Modelle: Fünf Modelle – von virtuellen Anteilen über echte Geschäftsanteile bis hin zum reinen Nutzungsentgelt oder einer Festvergütung.

Welche Modelle eine Einrichtung in die Erprobung einbezieht und anbietet, entscheidet sie vorab unter Berücksichtigung ihrer bestehenden Transferregelungen. Innerhalb dieses Angebots wählt das Spinoff aus. Je Bewertungsstufe sieht das Berliner IP-Modell vorformulierte, an internationalen Best Practices erfolgreicher Innovationsökosysteme orientierte Vertragsbedingungen vor. Die Standardvertragsvorlagen sowie ein Rechtsgutachten legt JUNI in den ersten drei Monaten der Erprobungsphase vor.

Die Bandbreiten des Rahmenwerks beruhen auf einer Analyse internationaler Transfer-Ökosysteme, die JUNI begleitend veröffentlicht, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.

Laura Möller, CEO von Juni: „Das Berliner IP-Modell ist der strategische Hebel, um Spitzenforschung ohne Reibungsverluste in den Weltmarkt zu bringen. Wir schaffen damit eine investitionsfreundliche Infrastruktur, die Gründungen ab Tag eins maximale Planungssicherheit und die notwendige Liquiditätsschonung ermöglicht. Das Modell und vor allem die Bereitschaft der unterzeichnenden Einrichtungen kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir erleben derzeit ein Momentum hinsichtlich der Relevanz von wissenschaftlichen Ausgründungen und sind davon überzeugt, dass es zu einer positiven Dynamik beiträgt. Die Metropolregion stärkt damit ihre Innovationskraft.“

Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung: „Berlin macht vor, was noch kein anderes Bundesland geschafft hat: Mit dem Berlin Model schaffen wir ein landesweit einheitliches und institutionsübergreifendes IP-Modell für Ausgründungen aus der Wissenschaft. Damit sorgen wir für klare Standards, mehr Transparenz und Planbarkeit – und vor allem für mehr Geschwindigkeit beim Transfer von Ideen aus der Forschung in den Markt. Das macht Ausgründungen einfacher und Berliner Start-ups zugleich attraktiver für Investorinnen und Investoren. Gemeinsam mit JUNI, den Berliner Hochschulen, der BUA, der Charité und der Senatswirtschaftsverwaltung schaffen wir so bessere Bedingungen für wissenschaftsbasierte Gründungen und stärken den Innovationsstandort Berlin. Zugleich geben wir damit einen wichtigen Impuls für die geplante nationale IP-Strategie des Bundes.“

Dr. Severin Fischer, Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Um als Wirtschaftsstandort weiterhin international ganz vorne mitspielen zu können, brauchen wir exzellente Rahmenbedingungen für technologiegetriebene Ausgründungen. Mit der Deep Tech Berlin Agenda und der Berlin Transfer Bridge haben wir den Rahmen gesetzt; das Berliner IP-Modell füllt ihn nun dort, wo es für Gründerinnen und Gründer am konkretesten wird – beim geistigen Eigentum. Es baut Bürokratie ab, erleichtert die Mobilisierung von Investitionen durch Kapitalgeber und legt die Basis für zukunftsfähige Arbeitsplätze. Ein echter Standortvorteil für Berlin.”

Die Vereinbarung sieht eine dreijährige Testphase vor. Während dieses Zeitraums wird JUNI die Erprobung der jeweils einbezogenen Bausteine gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen anhand quantitativer Kennzahlen (wie der Anzahl der Ausgründungen und der Prozessdauer) sowie qualitativer KPIs (Zufriedenheit der Gründer:innen und Transferstellen sowie die Einschätzung von Investor:innen) begleiten und regelmäßig im Berliner Transferrat Bericht erstatten. Ziel ist es, das „Berliner IP-Modell“ auf Grundlage der gewonnenen Erfahrung weiterzuentwickeln und als starkes Gütesiegel für Innovationskraft und Investitionsoffenheit überregional sichtbar zu machen.

Neben JUNI und den beiden Senatsverwaltungen haben in den vergangenen Wochen unterzeichnet: Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Berliner Hochschule für Technik, Alice Salomon Hochschule Berlin, Universität der Künste Berlin und Weißensee Kunsthochschule Berlin.

Unterstützt wird das Berliner IP-Modell zudem von führenden Venture Capital Investoren, wie HV Capital, Cherry Ventures und Earlybird, sowie spezialisierten Kapitalgebern wie Amino Collective, Prototype und Positron Ventures.

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin bringt ihre seit 2023 aufgebaute Erfahrung mit der Standardisierung und Weiterentwicklung des IP-Transfers an Spinoffs in die gemeinsame Erprobung ein. Ihre auf den Empfehlungen der Deutschen Hochschulmedizin basierenden „Fast Track Spin-off Terms“ sind bereits als rechtsverbindlicher Rahmen in Charité und BIH (Berlin Institute of Health at Charité) verankert. Im Rahmen des MoU erprobt die Charité insbesondere die Weiterentwicklung der Prozessschritte IP-Audit und IP-Scorecard sowie gemeinsame Standards für die Evaluierung und Erfolgsmessung. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung anschlussfähiger Transferstandards einfließen. Über die konkrete und zeitliche Umsetzung weiterer Elemente wird im Einklang mit den notwendigen Gremien- und Zustimmungsprozessen entschieden.

Das Modell ist ab sofort unter www.berlinmodel.eu öffentlich einsehbar. Weitere Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen können dem MoU beitreten.

Pressekontakt:
Jana Jones, Pressesprecherin JUNI, jana.jones@juni.science

Dörthe Arnold, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege,
pressestelle@senwgp.berlin.de

Lisa Frerichs, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, pressestelle@senweb.berlin.de