Tag der Kinderhospizarbeit – Vorstellung des Kinderhospizes „Berliner Herz“ in Friedrichhain

Pia Heinreich (links) und Marlene Thomas (rechts)

Pia Heinreich, Leiterin des Berliner Herz (links), und Marlene Thomas, Leiterin des ambulanten Kinderhospizdienst (rechts)

Der 10. Februar ist der Tag der Kinderhospizarbeit. 2006 wurde er vom Deutschen Kinderhospizverein ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich begangen. Der bundesweite Aktionstag soll die Inhalte und Angebote der Kinder- und Jugendhospizarbeit bekannter machen, Menschen zu ehrenamtlichem Engagement und finanzieller Unterstützung ermutigen und die Thematisierung vom Tod und Sterben junger Menschen enttabuisieren.

Auch in Friedrichshain gibt es ein Kinderhospiz, das Berliner Herz, getragen vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg, das letztes Jahr sein 10-jähriges Bestehen feierte. Das Kinderhospiz am Strausberger Platz richtet sich mit seinen teil- und vollstationären Angeboten an lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre sowie deren Familien und Angehörige. Ergänzt wird das Angebot durch den ambulanten Kinderhospizdienst, der ehrenamtliche Familienbegleiter*innen bereits seit fast 20 Jahren berlinweit an betroffene Familien vermittelt, die die Angehörigen im vertrauten häuslichen Umfeld unterstützen und entlasten. Über die Begleitung der Familien durch den ambulanten Kinderhospizdienst wurde der Bedarf eines teil- und vollstationären Angebotes deutlich, sodass 2015 das Kinderhospiz in der Lebuser Straße eröffnet wurde.

Ambulant und stationär begleitete Familie

„Die Grundlage unserer Arbeit ist es, jedes Kind und seine Familie individuell nach ihren Bedürfnissen zu versorgen und zu begleiten“, erklärt Pia Heinreich, die das Kinderhospiz Berliner Herz seit drei Jahren leitet. Ursprünglich kommt sie aus der Kinderkrankenpflege, hat verschiedene Weiterbildungen gemacht und ist seit über 20 Jahren in der Kinderhospizarbeit tätig. „Es ist uns aber auch sehr wichtig, dass die Kinder und ihre Familien weiter am normalen Leben teilhaben können. Deshalb unternehmen wir auch viel mit ihnen. Es geht immer darum, das zu tun, was den Kindern guttut.“ Mal sei das eine kulturelle Veranstaltung, mal ein Spaziergang im Park, mal der Besuch der „Roten Nasen Clowns“, die immer besonders schöne und leichte Momente zauberten. „Wir wollen Erinnerungen schaffen – schließlich sind es Erinnerungen, die den Familien am Ende bleiben“, betont die Leiterin des Hospizes.

Ein besonderes Highlight seien die Ausflüge zum Bauernhof „Inmitten – Inklusion mit Tieren“, ergänzt Marlene Thomas, die seit 2019 den ambulanten Kinderhospizdienst leitet. Auch sie ist gelernte Kinderkrankenschwester, hat Rehabilitationspädagogik studiert und verschiedene Weiterbildungen gemacht. „Diese Besuche auf dem Bauernhof und die Interaktion mit den Tieren steigern das Wohlbefinden der Kinder und ihrer Angehörigen sehr.“ Mit diesem Ansatz der „tiergestützten Intervention“ unterscheidet sich das Berliner Herz auch von anderen Berliner Hospizen.

Pflege im Kinderhospiz

Pflege im Kinderhospiz

Breites Angebot für Kinder und ihre Angehörigen

Sehr beliebt sei auch der „Snoezelenraum“ im Hospiz. Hier gibt es verschiedene Leuchtelemente und Klanginstallationen, zum Beispiel ein Wasserbett mit integriertem Lautsprecher, sodass man die Musik auch spüren kann. Auch dieser Raum diene der Entspannung und der Verbesserung des Wohlbefindens, erklärt Pia Heinreich. Darüber hinaus werden im Hospiz etwa auch Kunst-, Musik- und Aromatherapie eingesetzt, es gibt verschiedene Trauergruppen und ein Trauercafé für verwaiste Angehörige, welches einmal im Monat stattfindet und den Eltern Zeit und Raum gibt, mit anderen Eltern zusammenzukommen, sich auszutauschen und an ihre Kinder zu denken.

Zudem hat das Berliner Herz ein besonderes Angebot für die Geschwister von lebensverkürzend erkrankten Kindern, beispielsweise eine eigene Trauergruppe, regelmäßige Geschwistertreffen und Geschwisterreisen, in denen sich die Betroffenen intensiv mit ihrer Situation auseinandersetzen und gegenseitig stärken können. „Geschwister gehen in so einer Situation schnell unter. Deswegen ist es besonders wichtig, dass es spezielle Angebote für sie gibt“, betont Pia Heinreich. Dabei spielten auch die Ehrenamtlichen eine große Rolle. Als ehrenamtliche*r Familienbegleiter*in unterstützt man die Familie eines lebensverkürzend erkrankten Kindes wöchentlich zwei bis drei Stunden im Alltag. Oft betreuen die Ehrenamtlichen das erkrankte Kind, sodass die Eltern Zeit für die Geschwister haben, oder unternehmen selbst etwas mit den Geschwisterkindern.

Musiktherapie im Kinderhospiz

Musiktherapie im Kinderhospiz

Ehrenamtliche Familienbegleiter*innen

Für das Ehrenamt wird man im Rahmen eines kostenlosen Qualifizierungskurses vorbereitet. Diesen können Interessierte entweder berufsbegleitend über ein halbes Jahr hinweg absolvieren, oder nun ganz neu ab Februar 2026 auch in einem zweiwöchigen Intensivprogramm, das sich als Bildungsurlaub anrechnen lässt. Vorkenntnisse brauche man keine, betonen die beiden Leiterinnen, nur ausreichend Zeit und Kapazitäten und die Bereitschaft, sich auch mit den eigenen Erfahrungen und Gedanken rund um die Themen Sterben und Tod auseinanderzusetzen. „Die Ehrenamtlichen berichten immer wieder, wie wertvoll die Ausbildung für sie war, nicht nur für die Einsätze bei den Familien, sondern auch für sich selbst. Da lernt man wirklich was fürs Leben!“ erzählt Marlene Thomas.

Alle Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen kommen regelmäßig in verschiedenen Supervisionsformaten zusammen, um ihre Erfahrungen gemeinsam zu verarbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und in unterschiedlichen Trauerritualen an die Verstorbenen zu erinnern. Diese Formate und Gesprächsräume seien sehr wichtig, die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Sprechen essentiell für ihre Arbeit, erläutern die beiden Leiterinnen.

Gleichzeitig betonen sie, dass Kinderhospizarbeit weit mehr umfasst als den oft vermuteten Umgang mit Trauer und Abschied: „Es gibt dieses weit verbreitete Bild, dass unsere Arbeit nur traurig und belastend sei und man ständig mit Tod und Sterben konfrontiert sei“, erzählt Pia Heinreich, „aber es gibt auch so viele schöne und wertvolle Momente – eigentlich steht das Leben im Mittelpunkt unserer Arbeit!“

Zum Kinderhospiztag am 10. Februar kommen Mitarbeitende und Ehrenamtliche des Berliner Herz und anderer Berliner Anbieter am Alexanderplatz zusammen, verteilen grüne Bänder als Zeichen der Solidarität für die Betroffenen und informieren über die Kinder- und Jugendhospizarbeit in Berlin.