HAU Hebbel am Ufer – vier Spielorte für tausende Künstler*innen

Annemie Vanackere, Intendantin und Geschäftsführerin, und Produktionsleiter Hannes Frey arbeiten bereits seit 2012 für das HAU Hebbel am Ufer

Annemie Vanackere, Intendantin und Geschäftsführerin, und Produktionsleiter Hannes Frey arbeiten bereits seit 2012 für das HAU Hebbel am Ufer

Es gibt Theater. Und es gibt das HAU Hebbel am Ufer – Zuhause und zugleich international anerkannter Knotenpunkt der freien Theaterszene Europas. Zentral, direkt am Kreuzberger Landwehrkanal gelegen, bietet es unvergleichliche Theatermomente auf drei ganz unterschiedlichen Bühnen sowie an einem digitalen Spielort.
Alles am Laufen zu halten, ist ein täglicher Drahtseilakt für das eingespielte Team: ca 90 Mitarbeiter*innen, die präzise Hand in Hand arbeiten.

Annemie Vanackere, Intendantin und Geschäftsführerin, und Hannes Frey, Leitung Produktion, sind seit 2012 hier am Theater mitverantwortlich dafür, dass die Bühnen und Räume der drei Häuser mit der Präsentation von etwa 350 Veranstaltungen im Jahr gut ausgelastet sind. Über das eigene Programm hinaus wird das HAU auch für Preisverleihungen, Interviews oder Filmproduktionen oft angefragt und entsprechend vermietet.

Das HAU Hebbel am Ufer umfasst drei analoge Spielstätten: HAU1 mit ca. 500 Sitzplätzen, HAU2 mit 200 Sitzplätzen und HAU3 mit 100 Sitzplätzen. Ergänzt wird das Angebot durch die digitale Bühne HAU4. Alle Häuser liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander unweit des Mehringplatzes. Für das leibliche Wohl sorgt das Restaurant WAU – Wirtschaft am Ufer.

Das HAU2 bietet bis zu 200 Zuschauer*innen beste Sicht auf die Bühne

Das HAU2 bietet bis zu 200 Zuschauer*innen beste Sicht auf die Bühne

Wichtigste Institution der freien Theaterszene in Berlin

Dank der kurzen Wege zwischen den Häusern und einer geschickten zeitlichen Planung der Vorstellungen kommen Theaterliebhaber*innen hier besonders auf ihre Kosten.

„Einige unserer Besucher*innen nutzen die Möglichkeit, sich mehrere Vorstellungen hintereinander anzusehen – so kommen sie in den doppelten Genuss an nur einem Theaterabend“, beschreibt Produktionsleiter Hannes Frey.

Neben einem feinen Gespür für sinnvolle und zukunftsweisende Produktionen spielt für das HAU auch der kontinuierliche gesellschaftliche Diskurs eine zentrale Rolle.

Annemie Vanackere betont: „Wir sind die wichtigste Institution der freien Theaterszene in Berlin. Wir zeigen Koproduktionen und Gastspiele aus aller Welt und unterstützen zugleich die Entstehung künstlerischer Projekte der deutschen, insbesondere der Berliner freien Szene.“

Eine stylische wie gemütliche Lounge lädt im HAU2 zur Pause ein

Eine stylische wie gemütliche Lounge lädt im HAU2 zur Pause ein

Wohltuende Verlässlichkeit zwischen Künstler*innen und HAU

Ganzjährig präsentiert das HAU Theater, Tanz, Performance, Diskurs, Musik und digitale Kunst. „Und im Sommer präsentieren wir darüberhinaus, am HAU und in der ganzen Stadt, das beliebte internationale Festival ‚Tanz im August‘ “. Über die Jahre haben sich vertrauensvolle, kreative Beziehungen entwickelt, die sowohl den Künstler*innen als auch dem HAU eine wohltuende Verlässlichkeit bieten, von der die Zuschauenden profitieren.

Eine dieser guten Verbindungen besteht zu She She Pop, die erst vor Kurzem am HAU gemeinsam mit dem indischen Sandbox Collective ihre Europa-Premiere der Inszenierung „Wait To Be Seated feierten. She She Pop ist ein Berliner feministisches Performance-Kollektiv, deren Produktionsbüro im Kreuzberger Kunstquartier Bethanien ansässig ist.

„Eine tolle Premiere, ein Projekt, das in die Zeit passt: Zwei Gruppen, die zunächst auf gegensätzlichen Seiten stehen, aber behutsam Wege der Annäherung suchen und finden – bis sie sich in der Mitte treffen“, freut sich Annemie Vanackere, die sich als Belgierin ganz bewusst für dieses besondere Theater in Berlin entschieden hat. „Nach vielen Jahren in Rotterdam wollte ich eine Veränderung, und dieser Job hat mich sehr angezogen. Deshalb habe ich mich auch beworben – und es endete damit, dass Klaus Wowereit, der damals als Regierender Bürgermeister zusätzlich das Amt des Kultursenators innehatte, meinen Vertrag unterschrieben hat.“ Und das ist auch gut so, denn es folgte der Umzug von der Nieuwe Maas im holländischen Rotterdam an den Kreuzberger Landwehrkanal, an dessen Ufer sie jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit radelt.
Im Sommer präsentiert das HAU am Theater und in der ganzen Stadt das Festival ‚Tanz im August‘

Im Sommer präsentiert das HAU am Theater und in der ganzen Stadt das Festival ‚Tanz im August‘

Das HAU begleitet und unterstützt

Die freie Theaterszene umfasst professionelle Gruppen, Ensembles und Einzelkünstler*innen, die unabhängig von städtischen oder staatlichen Theatern arbeiten. Neben innovativen Projektideen gehört der ständige Kampf um Finanzierung zu ihren zentralen Themen.

Produktionsleiter Hannes Frey erklärt: „Wir haben hier kein festes Ensemble. Von der Stoffentwicklung über die Finanzierung bis zur Premiere auf einer unserer Bühnen vergehen in der Regel rund 15 bis 24 Monate.“

Zeit, in der das HAU begleitet und unterstützt, wo es geht. „Wenn wir uns entscheiden, bei einem Projekt in Koproduktion zu gehen, unterstützen wir die Partner*innen durch einen Koproduktionsbetrag. Die Partner*innen beantragen dann auf dieser Grundlage zumeist auch noch Fördergelder, um größere Projekte umsetzen zu können.“

Die Intendantin sieht die Beschäftigung mit Förderanträgen nicht nur negativ: „Es tut, gerade wenn die Ideen und Vorstellungen sprudeln, sehr gut, sich noch einmal hinzusetzen und ganz genau zu überlegen, was und warum man etwas machen möchte. Das findet sich dann im Antrag wieder. Es macht Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, und hilft im Prozess.“

Annemie Vanackere an ihrem Schreibtisch - der Fuchs hat 2012 den 1. Preis als bestes Kulturplakat in Deutschland gewonnen

Annemie Vanackere in ihrem Büro - der Fuchs hat 2012 den 1. Preis als bestes Kulturplakat in Deutschland gewonnen

Premieren machen mich nicht mehr nervös!

Annemie Vanackere liebt die Premierenabende immer wieder, doch aus der Fassung bringen sie sie nicht mehr, dafür sind es einfach zu viele. „Auch Wiederaufnahmen sind toll, vor allem für das Publikum, das eine gefeierte Produktion beim ersten Mal verpasst hat. Zudem schätze ich die Diskursveranstaltungen sehr, in denen öffentliche Auseinandersetzungen mit den Themen unserer Zeit verhandelt werden“, sagt die Intendantin des HAU.

So lädt das Haus etwa zu Gesprächsformaten wie bei „EXPOSING CRIMES IS NOT A CRIME – The Real-World Consequences of WikiLeaks“ ein. Ein hochkarätig besetztes Podium mit der Menschenrechtsaktivistin Stella Assange, Ehefrau des WikiLeaks-Gründers Julian Assange, diskutiert dabei die Frage, ob und warum die Veröffentlichung geheimer Dokumente wichtig und richtig ist.

Die Intendantin steht den Künstler*innen des HAU nahe; die guten Beziehungen spiegeln sich in wertschätzenden, oft leuchtenden Geschichten zu den verschiedenen Veranstaltungen wider. Annemie Vanackere bringt es auch noch auf einen anderen Punkt: „Wir laden die Künstler*innen in unser HAU ein – und wir bezahlen sie für ihre Arbeit.“ Kunst, Performance und Tanz seien harte Arbeit, die hier am HAU Anerkennung finde und einen Ort des gemeinsamen Erlebens zwischen Bühne und Publikumssaal.

Eine Künstlerin, die regelmäßig mit neuen Arbeiten am HAU vertreten ist, ist Miet Warlop. Annemie Vanackere schwärmt: „Miet ist eine international gefragte und anerkannte Künstlerin, die immer wieder gern bei uns zu Gast ist.“ Ihre Arbeiten waren bereits in London, Brüssel, Barcelona, Paris oder New York zu sehen. „Sie wurde ausgewählt, auf der Kunstbiennale von Venedig im belgischen Pavillon täglich die Performance „It never SSST“ zu zeigen – eine sehr besondere Künstlerin!“

Das HAU1 mit etwa 500 Sitzplätzen ist neben einer digitalen Bühne eines von drei analogen Spielstätten in Kreuzberg

Das HAU1 mit etwa 500 Sitzplätzen ist neben einer digitalen Bühne eines von drei analogen Spielstätten in Kreuzberg

Das HAU als guter Nachbar mit vielseitigen Angeboten

Zur Förderung freier Theaterprojekte werden in Berlin unter anderem Mittel der Senatsverwaltung für Kultur, des Hauptstadtkulturfonds sowie verschiedener bezirklicher Förderprogramme vergeben.

Die Schwerpunkte liegen auf Projekt-, Wiederaufnahme- und Konzeptförderungen sowie auf gezielter Unterstützung für Kinder- und Jugendtheater.

Neben Intuition und dem Mut, neuen Projekten auf einer der renommierten HAU-Bühnen ein temporäres Zuhause zu geben, ist dieses Theater noch so viel mehr.

Annemie Vanackere erzählt: „Wir feiern gerade 15 Jahre Houseclub – ein besonderer Anlass. Hier entwickeln lokale und internationale Künstler*innen gemeinsam mit Jugendlichen interdisziplinäre Projekte, deren Ergebnisse anschließend im HAU-Programm präsentiert werden.“

Seit 2011 besteht über den Houseclub eine enge Partnerschaft mit der benachbarten Hector-Peterson-Schule. Annemie Vanackere betont: „Für die Jugendlichen ist dieses Projekt sehr wichtig. Sie lernen hier, wie sie selbst als aktiver Teil des Theaters wirken können.“

Das HAU ist mit seinen vielseitigen Angeboten ein guter Nachbar und bietet auch Mitwirkung für Interessierte an: „Für den Sommer planen wir zum Beispiel direkt auf dem Mehringplatz eine Veranstaltung, bei der vom französischen Choreografen Saïdo Lehlouh die unmittelbare Nähe zu den Zuschauer*innen im Stadtraum ausdrücklich erwünscht ist“. Zusätzlich bietet das Theater Nachbar*innen noch bis zum 26. August 2026 ein besonderes Angebot an: Mit der HAU-Quartierskarte erhalten Anwohnende bestimmter Adressen stark vergünstigten Zugang zum vielfältigen Programm. Immer am 20. des Monats gibt es exklusiv in der Zeit von 17 bis 21 Uhr für alle weiteren Theaterliebhabenden alle Tickets zum halben Preis – solange der Vorrat reicht.

Produktionsleiter Hannes Frey auf der Wendeltreppe im HAU2

Produktionsleiter Hannes Frey auf der Wendeltreppe im HAU2

Das HAU als engagierter Arbeitgeber

Während die Theaterwelt oft als wenig familienfreundlich gilt, setzt das HAU in Kreuzberg bewusst ein anderes Zeichen. Annemie Vanackere erklärt: „Wir arbeiten im Alltag eng und hochkonzentriert mit allen Mitarbeitenden zusammen. Uns ist wichtig, dass Familienfreundlichkeit hier nicht zu kurz kommt. So suchen wir bei den Einsatzzeiten nach guten Lösungen, damit Theaterarbeit und Familienleben miteinander vereinbar bleiben.“

Als Theater, als Nachbar und auch als Arbeitgeber ist das HAU engagiert: „Wir freuen uns natürlich immer über Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen, ergänzt Hannes Frey, „aber auch Initiativbewerbungen – gerade von Studierenden – lesen wir aufmerksam. Wir haben ja alle einmal angefangen, und der Nachwuchs ist uns wichtig.“

Weitere Informationen zum Theater und zum Programm:

HAU Hebbel am Ufer,
Theaterkasse: Hallesches Ufer 34, 10963 Berlin
Telefon (030) 259004-27

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag ab 15 Uhr bis eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, an vorstellungsfreien Tagen bis 19 Uhr
E-Mail: tickets@hebbel-am-ufer.de
www.hebbel-am-ufer.de