Für die 23-Jährige ist dieses Ehrenamt das erste Mal, dass sie mit Obdachlosen arbeitet. Vorher habe sie Obdachlose vor allem im öffentlichen Nahverkehr gesehen. Wenn man in Berlin in der U-Bahn jemandem einen Euro gebe, wisse man nicht genau, was damit genau passiere. Mit ihrem Engagement in der Notübernachtung kann sie den Menschen konkret helfen.
Seit sie in der „Ohlauer365“ aktiv ist, habe sich ihre Wahrnehmung von Menschen ohne festen Wohnsitz und ihr Umgang mit ihnen verändert – auch bei ihren Fahrten mit dem ÖPNV. Früher habe sie vor allem das Elend, die Obdachlosigkeit oder die Suchterkrankung gesehen. „Jetzt sehe ich auch den Menschen. Damit ist die Kluft, die ich früher wahrgenommen habe, überwunden.“
Eine Schicht beginnt um 17.30 Uhr und endet gegen 22.30 Uhr. „Es kann aber auch mal länger werden. Letzten Donnerstag waren wir bis nach 23 Uhr da.“ Zu Schichtbeginn erhält das Team die Lieferung vom Caterer und sichtet die zusätzlich eingegangenen Lebensmittelspenden. Gerade beim gespendeten Obst und Gemüse sei viel ältere Ware dabei, so dass das Team genau sortieren müsse. „Neulich haben wir drei Kisten Birnen bekommen, die wir schnell verarbeiten mussten. Also waren wir eine Weile damit beschäftigt, kiloweise Birnen zu schälen und zu schneiden.“ Viele Spenden kommen von Unternehmen, wie Supermärkten oder Bäckereien. Ab 21 Uhr, wenn kleine Lebensmittelgeschäfte schließen, kämen häufig noch viele Backwaren dazu. Neulich gab es eine große Spende an vegetarischen Würstchen. „Da mussten wir viel Erklärarbeit leisten und immer wieder sagen, dass diese Würstchen vegetarisch sind, also auch halal.“
Zum Abendessen kommen nicht nur obdachlose Menschen in die Einrichtung, die im Anschluss dort übernachten, sondern auch weitere bedürftige Menschen, die sich kein ausgewogenes warmes Abendessen zubereiten können.