Ehrenamt – „Helfen und etwas zurückgeben. Uns wurde ja auch geholfen.“ - Kuestan und Faris unterstützen Obdachlose

Kuestan Muhiddin und ihr Ehemann Faris Al-Mutar helfen obdachlosen Menschen

Kuestan Muhiddin und ihr Ehemann Faris Al-Mutar helfen obdachlosen Menschen

Gemeinschaft erleben, sich sozial engagieren und in der Freizeit ehrenamtlich anderen Menschen behilflich sein – viele gute Gründe sprechen für die Übernahme eines Ehrenamts.

Kuestan Muhiddin (50) und ihr Ehemann Faris Al-Mutar (55) sind seit 28 Jahren glücklich verheiratet und haben sechs gemeinsame Kinder (11 bis 25 Jahre alt). Beide wissen, wie es sich anfühlt, keine Wohnung zu haben. Gemeinsam mit ihren Kindern kamen sie am 19. Juni 2017 in Deutschland an. Hinter ihnen liegt ein langer weiter Weg, der sie aus dem Irak, über Jordanien und Österreich nach Berlin führte.

„Uns wurde ja auch geholfen.“

Faris Al-Mutar, der Vollzeit für ein Sicherheitsunternehmen arbeitet, erinnert sich: „Als wir hier ankamen, haben wir von allen Seiten, von vielen Menschen Hilfe bekommen. Fünf Jahre lebten wir in einem Heim in Hohenschönhausen. Dort gab es Menschen, die mit uns Deutsch gelernt haben. Wir durften uns Klamotten aussuchen, und es war immer jemand für uns da, auch für Behördengänge.“

So wurde er damals von einem Verein eingeladen, die Johanniter-Notübernachtung in der Ohlauer Straße in Kreuzberg zu besichtigen. „Dort arbeiten sehr viele Freiwillige. Das hat mir sofort total gut gefallen, wie dort zusammengearbeitet wird. Für mich war sofort klar: Das möchte ich auch gern machen – helfen und etwas zurückgeben. Denn meiner Familie und mir wurde ja auch geholfen.“

„Die Arbeit im Team der Notübernachtung macht Spaß"

Inzwischen ist er seit sechs Jahren fest im Team der Ehrenamtlichen integriert, ohne die das tägliche Notübernachtungsangebot für obdachlose Menschen nicht möglich wäre. „Wenn ich bei meiner Arbeit beim Sicherheitsdienst Feierabend habe, fahre ich mindestens zweimal in der Woche mit den Öffentlichen in die Ohlauer Straße. Ab 17:30 Uhr beginnt die Schicht. Da bereiten wir das Essen für die Gäste vor.“

Wenn um 20 Uhr die Essensausgabe beginnt, hilft er entweder bei der Ausgabe oder nimmt bei der Ankunft den Gästen der Notübernachtung das Gepäck ab und verstaut es in große Boxen. „Jede Box hat eine Nummer, die geben wir jedem der etwas abgibt.“

Seit Februar 2024 arbeitet auch seine Ehefrau Kuestan Muhiddin als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Notübernachtung mit. „Unsere Kinder gehen inzwischen eigene Wege, daher helfe ich jetzt auch. Ich bereite in der Küche das Essen vor und verteile es an die Menschen, die kommen.“ Neben ihrem Ehrenamt lernt sie Deutsch und kümmert sich um die jüngste Tochter. Kuestan Muhiddin genießt es, hier zusammen mit anderen Kolleg*innen zu arbeiten: „Es hilft mir bei der Sprache, hier kann ich mein Deutsch üben, mit den Menschen sprechen und dabei etwas Sinnvolles tun. Manchmal backe ich schon zu Hause einen Kuchen für meine Kolleginnen und Kollegen. Der Rest wird dann an die Gäste verteilt. Die freuen sich.“

Einen großen Wunsch hat die hilfsbereite Familie

Möglichst gemeinsam arbeitet das Paar mindestens zweimal in der Woche in der Notübernachtung. „Immer von 18 bis 22 Uhr“, aber dann ist immer noch nicht richtig Feierabend für Faris Al-Mutar, denn: „Dann fahren wir mit den Öffentlichen zusammen nach Hause, nach Karlshost. Das kann schon mal eine Stunde dauern, gerade nach 22 Uhr.“

Mittlerweile lebt das Ehepaar mit ihren Kindern dort in einem Wohnheim. Einen großen Wunsch hat Faris Al-Mutar: „Ich suche seit 2018 für mich und meine Familie eine Wohnung in Berlin.“

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Wer Lust hat, sich ebenfalls in der Notübernachtung zu engagieren, kann sich per Mail an ehrenamt.berlin@johanniter.de:mailto:ehrenamt.berlin@johanniter.de wenden.

Auch Léocadie Reimers und Alexander Christiansen engagieren sich in der “Ohauer365”. Ihre Porträts finden Sie ebenfalls im Bezirksticker.