Natur vor der Haustür - Friedrichshain-Kreuzberg ist grün

Baumblüte in der Nähe des Görlitzer Park

An dieser Stelle berichten wir im Vierteljahresrhythmus darüber, was sich in der Natur vor Ihrer Tür tut und was es in Friedrichshain-Kreuzberg zu entdecken gibt. Außerdem informieren wir Sie über die Arbeit der Stadtnatur-Rangerinnen und deren aktuelle Termine.

Mandarinenenten-Familie. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass das Junge im Vordergrund im Schlaf umgefallen ist. Die Tiere nutzen die Wege rund um den Großen Teich gern zum Ausruhen. Hunde anleinen ist jetzt oberstes Gebot

Mandarinenenten-Familie. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass das Junge im Vordergrund im Schlaf umgefallen ist. Die Tiere nutzen die Wege rund um den Großen Teich gern zum Ausruhen. Hunde anleinen ist jetzt oberstes Gebot

Für viele ist jetzt die schönste Zeit des Jahres. Alles sprießt. Alles ist grün. Verschiedenste Pflanzen blühen und locken eine Vielzahl von Insekten an. Das winterliche Grau ist abgeschüttelt. Licht und Farben erwecken die Lebensgeister neu. Das ist nicht nur bei uns Menschen so. Auch in der Tierwelt geht es jetzt äußerst emsig zu. Die einen suchen noch die richtigen Partner, um eine Familie zu gründen. Andere haben das bereits geschafft und sind schon mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Hormone spielen verrückt und lassen die Aufmerksamkeit schwinden. Eier wollen geduldig ausgebrütet werden. Kinder sind zu hüten und immer hungrige Mäuler zu stopfen, so dass unentwegt Nahrung beschafft werden muss.

Diese Zeit ist also für unsere tierischen Nachbarn besonders aufregend und anstrengend. Ungestörte Rückzugsorte sind daher besonders wichtig. Tierkinder und Menschenkinder haben übrigens viel gemeinsam: sie sind neugierig, verspielt, oft unaufmerksam und haben sehr wenig Lebenserfahrung. Sie kennen Gefahren bisher nicht und können z.B. den Straßenverkehr aber auch freilaufende Hunde noch nicht einschätzen.

Eine Nachtigall im Geäst

Haubentaucher in einem Nest in der Rummelsburger Bucht

Vogelinteressierte haben längst bemerkt, dass sich unsere Stadt wieder mit den gefiederten Sommergästen gefüllt hat. Die meisten Zugvögel sind zurückgekehrt. Ob Mönchsgrasmücken oder Singdrosseln: viele verschiedene Vogelgesänge erfüllen die Parks genauso wie manch vergessene Ecke, in der sich wildes Stadtgrün erhalten konnte. Wer der Nachtigall lauschen möchte, sollte einen abendlichen Streifzug durch den Volkspark Friedrichshain machen. Nicht nur sie baut ihr Nest am Boden oder in dessen Nähe. Wer jetzt mit offenen Augen durch die Natur geht, bemerkt an sonnigen und sandigen Plätzen zu seinen Füßen ein auffälliges Summen und Schwirren. Viele Wildbienen haben im Boden ihre Nester angelegt und versorgen diese jetzt. Wohin man auch schaut und wohin man auch tritt, entwickelt sich neues Leben. Achtsamkeit und Rücksichtnahme sind gute Begleiterinnen und ermöglichen zur Zeit außergewöhnliche Naturbeobachtungen.

Auch bei den ersten Amphibien gibt es Nachwuchs. Im Viktoriapark kommen Erdkröte und Grasfrosch vor. Die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt, den Berliner Wasserbetrieben und der Unteren Naturschutzbehörde ermöglichte in diesem Jahr, dass die Becken der Brunnenanlage im März befüllt wurden. So haben die Amphibien dort beste Bedingungen vorgefunden. Ein toller Erfolg!

Glasfroschlaich im Viktoriapark

Glasfroschlaich im Viktoriapark

Die meisten heimischen Amphibienarten halten sich übrigens nur zur Fortpflanzungszeit im und am Gewässer auf. Den Rest des Jahres verbringen sie an Land und nutzen dabei strukturreiche Lebensräume mit ausreichendem Pflanzenbewuchs und schattigen Plätzen. Auch hier bietet der Viktoriapark mit seinen wilden Hängen und verwunschenen Ecken gute Bedingungen. Auf ihren alljährlichen Wanderungen zu den Gewässern und zurück dienen sie einer Vielzahl von Tieren als Nahrung. Geht es den Amphibien gut, ist das kein Problem, denn sie haben genug Nachwuchs, um diese Verluste auszugleichen. Allerdings ist diese Artengruppe durch den Klimawandel und schwindende Lebensräume sehr gefährdet.

Die Blessrallen haben eine Nisthilfe angenommen und bauen das Nest weiter aus, während ein Tier bereits zu brüten scheint

Künstliche Gewässer mit ihrem meist konstanten Wasserstand gewinnen daher vor allem im urbanen Raum an Bedeutung. Bedroht werden die Amphibienbestände aber auch durch nicht heimische und zum Teil invasive Arten, die in Gewässer ausgesetzt wurden und in großen Mengen Laich und Larven (Kaulquappen) fressen. Dazu zählen u.a. ausgesetzte Schmuckschildkröten, der in Berlin besonders invasive Rote Amerikanische Sumpfkrebs und Fischarten wie der Sonnenbarsch und Goldfische. Einmal in ein Gewässer eingebracht, haben solche Tierarten unabsehbare Folgen für das gesamte Ökosystem.

Zum Schluss haben wir noch einen schönen Erfolg zu vermelden:
Die Untere Naturschutzbehörde hat im Großen Teich im Volkspark Friedrichshain drei Nisthilfen finanziert. Eine davon wurde bereits von den Blessrallen angenommen. So klappt es hoffentlich auch in diesem Jahr mit dem Nachwuchs dieser interessanten Vogelart.

Veranstaltungstipps:

Langer Tag der Stadtnatur:

In unserem Bezirk u.a. Quizrallye für Alle: Von Elstern und Eichen – Eröffnung des Erlebnispfades Stadtnatur im Görlitzer Park, Sa 10. Juni 2023 15 Uhr auf der Obstbaumwiese östlich der großen Kuhle

Rangersprechstunde im Volkspark Friedrichshain & Görlitzer Park
Wir stehen Ihnen für naturschutzfachliche Fragen zur Verfügung, geben Do-it-yourself-Tipps und informieren Sie über unsere Tätigkeit als Stadtnatur-Rangerinnen.

Volkspark Friedrichshain (Café Schönbrunn): April bis Juli, jeden 1. Mittwoch im Monat von 16 – 18 Uhr
Görlitzer Park : August bis Oktober, jeden 1. Mittwoch im Monat von 15 – 17 Uhr

Sie möchten mehr über uns als Stadtnatur-Ranger erfahren und das Projekt näher kennenlernen? Schauen Sie auf unserer Website vorbei! https://www.stiftung-naturschutz.de/unsere-projekte/stadtnatur-ranger/das-projekt

Mehr Angebote der Stadtnatur-Ranger-Teams finden Sie unter
https://www.umweltkalender-berlin.de/anbieter/details/2422

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen haben. Und vor allem genießen Sie die vielfältige Natur in unserer Stadt!

Ihre Kristina Roth und Janet Huber
Stadtnatur-Rangerinnen Friedrichshain-Kreuzberg

  • Das Jungtier einer Mandarinenente am großen Teich im Volkspark Friedrichshain

    Das Jungtier einer Mandarinenente am großen Teich im Volkspark Friedrichshain

  • Haubentaucher in einem Nest in der Rummelsburger Bucht

    Eine Nachtigall im Geäst

  • Dieses Bild zeigt, wie winzig die kleinen Enten sind und wie achtsam wir sein sollten. Der Fuß im Vordergrund gehört einem kleinen Kind, dass die Enten beinahe nicht sah.

    Dieses Bild zeigt, wie winzig die kleinen Enten sind und wie achtsam wir sein sollten. Der Fuß im Vordergrund gehört einem kleinen Kind, dass die Enten beinahe nicht sah.

  • Eine Mitarbeiterin an einem Infostand der Stadtnatur-Ranger.

    Eine Mitarbeiterin an einem Infostand der Stadtnatur-Ranger.

  • Graureiher sind immer häufiger in der Stadt anzutreffen und haben innerstädtische Kleingewässer längst als Jagdgebiete entdeckt.

    Graureiher sind immer häufiger in der Stadt anzutreffen und haben innerstädtische Kleingewässer längst als Jagdgebiete entdeckt.

  • Graureiher sind immer häufiger in der Stadt anzutreffen und haben innerstädtische Kleingewässer längst als Jagdgebiete entdeckt.

    Graureiher sind immer häufiger in der Stadt anzutreffen und haben innerstädtische Kleingewässer längst als Jagdgebiete entdeckt.

  • Der schlafende Fuchs zeigt, wie wichtig ungestörte Rückzugsorte sind (diese Füchsin hat ruht sich während der Jungenaufzucht aus)

    Der schlafende Fuchs zeigt, wie wichtig ungestörte Rückzugsorte sind (diese Füchsin hat ruht sich während der Jungenaufzucht aus)

  • Die Graugänse finden auf dem Friedhof Rückzugsräume. Hier sind sie ungestört und vor Hunden sicher.

    Die Graugänse finden auf dem Friedhof Rückzugsräume. Hier sind sie ungestört und vor Hunden sicher.

  • Wasserfall im Viktoriapark

    Wasserfall im Viktoriapark