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So divers wie unser Kursprogramm sind auch die Biografien unserer Kursleitenden. Welche Persönlichkeiten und Geschichten sich hinter unseren Lehrkräften verbergen, zeigen unsere kommenden Porträts. Los geht´s mit …

„Scheitern macht heiter“

Dr. phil. Kuan-wu (Jasmin) Lin,
Qigong- und Taiji-Lehrerin an den Berliner Volkshochschulen

Portraitbild der Kursleiterin Dr. phil. Kuan-wu (Jasmin) Lin
Bild: Privat

„Bevor ich offiziell eingestiegen bin, habe ich oft Vertretung für einen ehemaligen Kursleiter gemacht. Durch seine Empfehlung habe ich angefangen, eigene Kurse bei der VHS zu geben. Was mir große Freude macht, ist, dass mir zahlreiche Teilnehmer:innen positives Feedback geben, und dass die Programmleiterinnen so offen für meine Kursvorschläge sind – so können neue Kurse entstehen.

Da es bei meinem Arbeitsbereich um Gesunderhaltung bzw. Gesundheitsprävention vor Krankheiten geht, versuche ich durch Vorträge bzw. Bücher meine Kenntnisse in Traditionell Chinesischer Medizin zu erweitern und Weiterbildungsprogramme bei meinen früheren Meistern und neuen Lehrern zu besuchen. Durch die Reise-Einschränkung wegen Corona gibt es immer mehr Webinare, wodurch ich besonders viel lerne.

Mich reizt an der Erwachsenenbildung, spannende Leute kennenzulernen. Jede Person hat ihre eigene Biografie und aufregende Geschichte, auch wenn das im ersten Moment nicht erkennbar ist. Selbstverständlich begegnet man manchmal auch Leuten, die ihre negativen Emotionen an anderen auslassen. Sie wollen sich selbst nicht ändern, rauben aber gern die Energien anderer und kleben fest wie Briefmarken. Sie wollen nicht wahrhaben, dass man Abstand zu ihnen halten möchte.

Ich bin kein Weltverbesserungstyp. Genauso wenig mag ich, mich als Besserwisserin darzustellen. Ich vermittle Lehrinhalte so, wie ich sie gelernt habe, und verpacke sie mit meinem Humor und meinen persönlichen Erfahrungen. Was mir große Freude macht, ist, wenn Leute mit schlechter Energie oder Trägheit zu mir kommen, aber mit guter Laune und positiver Energie den Klassenraum verlassen. Oder wenn Teilnehmende interessante Fragen stellen, und ich dadurch noch mehr philosophischen und kulturellen Hintergrund vermitteln kann, gibt mir das ein erfüllendes Gefühl, denn in diesen Momenten gibt es keine Machtspielchen, sondern einen aufrichtigen Austausch auf Augenhöhe.

In den Kursen baue ich Witze ein oder auch herausfordernde Aufgaben. Denn „scheitern macht heiter”. Wenn die Leute über sich selbst lachen können, dann ist das Eis gebrochen und die Lernatmosphäre wird besser. Dennoch hängt es immer von der Gruppendynamik ab. Einmal habe ich eine Gruppe erlebt, die von Anfang bis Ende nur gelacht hat. Das hat mich überrascht, denn bei den selben Übungen in einer anderen Gruppe wurde gar nicht gelacht.

Was mir manchmal unangenehm ist, wenn Teilnehmende über früheren Lehrer:innen sprechen, oder sehr eigenwillig die Gruppenarbeit ablehnen. Da frage ich mich, ob ich hier „Sisyphusarbeit” leiste. Doch jeder Weg hinterlässt Spuren. Es ist nie umsonst gewesen. Die Frage ist, ob man die Weisheit besitzt, das zu erkennen. Daher ist mein Motto: „Der Weg ist das Ziel.”

Sie sind Kursleitende an einer der Berliner Volkshochschulen und möchten in unserer Porträt-Serie vertreten sein?

Senden Sie uns gerne eine Nachricht an marketing@vhs-servicezentrum.berlin.de. Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen!