Bienen machen Schule - Die Umwelt- und Bienen AG am Andreas-Gymnasium unterstützt sie bei der Honig-Produktion

Der Leiter der Umwelt- und Bienen-AG mit teilnehmenden Schüler*innen im Schulgarten

Der Leiter der Umwelt- und Bienen-AG mit teilnehmenden Schüler*innen im Schulgarten

Es summt und brummt unter dem Ginkgo-Baum auf dem Schulhof des Andreas-Gymnasiums in der Koppenstraße in Friedrichshain. Direkt neben der riesigen Regentonne leben derzeit drei Bienenvölker mit bis zu 10.000 Bienen pro Volk. Die prachtvoll blühenden Bäume und Sträucher auf dem Schulgelände ermöglichen den Bienen kurze Wege bei der Nahrungssuche. Doch die gute Pflege durch die Umwelt- und Bienen-AG hat die Tiere so stark gemacht, dass sie es sich nicht nehmen lassen, auch im Umkreis von zwei bis drei Kilometern rund um das Schulgelände nach Pollen und Nektar zu suchen.

Jeden Montag im letzten Block, ab 13.45 Uhr, treffen sich Laura (12), Sophie (14) und Pablo (16), um die schuleigenen Bienenvölker zu pflegen, die bereits seit 2020 den Schulalltag am Andreas-Gymnasium bereichern und versüßen. Damit die Jugendlichen keine Angst vor Stichen haben müssen, tragen sie Imkerhüte mit Schleier und spezielle Handschuhe. Ein Stockmeißel hilft bei der anschaulichen Arbeit.

Sophie erklärt: „Das ist ein Universalwerkzeug. Den benötigen wir zum Hebeln, Schaben und Reinigen der Bienenbeuten.“ Die flache, abgewinkelte Seite trennt verklebte Waben, entfernt Propolis und Wachsreste. Propolis ist eine harzartige Substanz, die Honigbienen herstellen, um den Bienenstock abzudichten und zu schützen.

„Es wirkt stark entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral – neben dem leckeren Honig kann es in der Naturheilkunde als natürliches Antibiotikum verwendet werden – eine tolle Sache“, lobt Lehrer Olaf Sill, der die AG leitet. Er unterrichtet am Gymnasium Latein und Chemie und ist Schachspezialist.

Regelmäßig wird der Bienenstock von den Schüler*innen überprüft

Regelmäßig wird der Bienenstock von den Schüler*innen überprüft

Praxisnahe Umweltbildung am Andreas-Gymnasium

„Unsere Bienen-AG ist für die Schüler*innen etwas ganz Besonderes. Wir haben ursprünglich einen Imker gesucht, der seine Bienen bei uns im Hof pflegt. Dann haben wir gemeinsam mit den Schüler*innen entschieden, dass wir es selbst versuchen.“ Professionell, versteht sich: Olaf Sill hat sich mit dem Bienenalltag beschäftigt und die Imkerei erlernt. Er ist Mitglied im Imkerverein Kreuzberg e.V.

„Mit unserer AG bieten wir unseren Schüler*innen praxisnahe Umweltbildung, indem sie eigene Bienenvölker pflegen, Honig ernten und Wachsprodukte herstellen.“ Dadurch wird das Verantwortungsbewusstsein für die Natur gefördert und biologisches Wissen über Bestäubung und ökologische Zusammenhänge vermittelt.

Laura, deren Imkerhut eine niedliche Comic-Biene ziert, vertritt das Projekt auch nach außen: „Wir berichten regelmäßig an die Kinder- und Jugendjury, die unsere Arbeit mit den Bienen mit einem ordentlichen Scheck jährlich fördert. Das motiviert uns.“ Die Kinder- und Jugendjury ruft einmal im Jahr alle jungen Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg dazu auf, sich mit ihren Projektideen zu bewerben. Neben 25 weiteren Projekten wurde das „Imkern im Schulhof“ des Andreas-Gymnasiums im Jahr 2025 mit 300 Euro gefördert.

Olaf Sill erklärt, was im Bienenstock passiert: „Unsere Bienen sind ganz gut durch den Winter gekommen. Die Königin, die deutlich größer und länger als die anderen ist, hat im Zentrum der Wintertraube überlebt. Und das nur, weil die Arbeiterinnen sie durch pures Muskelzittern bei etwa 20 bis 30 Grad warmhalten. Nur, weil die Brut bei der Kälte nicht überleben würde, stellt sie die Eierablage im Winter ein.“ Er ergänzt: „Die Arbeiterinnen füttern sie über den Winter, damit im Frühling ein neues Volk entstehen kann. Für die Arbeiterinnen ist dann allerdings ihr Leben vorbei – Winterbienen leben etwa sechs Monate. Im Sommer leben sie nur sechs Wochen.“

Laura präsentiert eine Wabe

Laura präsentiert eine Wabe

Alles dreht sich um die Königin

Alles dreht sich um die Königin. Sie legt bis zu 2.000 Eier pro Tag und gibt Pheromone ab, die das Verhalten und die Organisation des Volks steuern. Die Arbeiterbienen scheiden aus ihren Drüsen am Hinterleib Wachs aus. Das wird gekaut und zu sechseckigen Zellen geformt, die maximale Stabilität und eine effiziente Lagerung von Honig, Pollen und Brut bieten.

„Wir behalten die Anzahl der Drohnen – die nur für die Fortpflanzung zuständig sind – im Auge. Sie sammeln keinen Nektar, putzen nicht und füttern auch nicht die Brut – wie Männer in klassischen Rollenbildern :-). Sind es zu viele, schmeißen wir sie raus.“ Sie sind etwas dicker, brummen laut und haben keinen Stachel.

Pablo ist am längsten in der AG: „Mich reizt dieses Zusammenspiel und die Verantwortung, die wir mit den Bienen und auch für unsere Umwelt tragen. Ich mag die Natur und den Klimaschutz, deshalb habe ich mich schon vor vier Jahren für diese AG gemeldet.“

Lehrreichen Gesprächsstoff bieten die gut organisierten Bienen jederzeit für die Teilnehmer*innen der AG: der Aufbau des Bienenvolks in seinen Eigenarten, die Rollenverteilung und, politisch gesehen, auch das Thema Monarchie und Demokratie.

„Der Zeitaufwand der reinen Pflege hält sich im Rahmen. Auch in den Ferien reicht es, wenn ich ab und zu vorbeischaue und nach dem Rechten sehe“, sagt der Leiter der AG“

Die Arbeiterbienen scheiden aus ihren Drüsen am Hinterleib Wachs aus. Das wird gekaut und zu sechseckigen Zellen geformt

Die Arbeiterbienen scheiden aus ihren Drüsen am Hinterleib Wachs aus. Das wird gekaut und zu sechseckigen Zellen geformt

Schul-Honig ist frei von Zusätzen

Spannend wird es, wenn der Honig geschleudert wird. „Dann kommen wir alle zusammen und haben ordentlich zu tun, denn nach dem Schleudern muss der Honig abgefüllt werden.“ Sind die Bienen fleißig, können sie auf ihren Flügen durch den Bezirk mehr als 100 Kilogramm Honig zusammentragen. Einmal im Jahr wird der Honig vom Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf kontrolliert. „Es gab noch nie Beanstandungen – unser Honig ist frei von Zusätzen.“

Sophie: „Unser Honig ist richtig lecker und sehr süß. Wir verkaufen ihn auf unseren Schulfesten.“ Oft fragen auch Liebhaber*innen nach, ob noch ein Glas da sei.

Olaf Sill: „Die Bienen beschäftigen uns inhaltlich das ganze Jahr, auch im Winter haben wir zu tun. Dann räumen wir den Bienenraum, in dem unsere Geräte, wie zum Beispiel die Schleuder und die Dosiermaschine stehen, auf, gießen Kerzen aus unserem tollen Wachs und stellen unser eigenes Propolis her. Es gibt immer etwas zu tun.“ Langweilig wird es nie in der Umwelt- und Bienen-AG, die sich auch mit dem Thema Abfalltrennung auf dem Schulgelände beschäftigt.

Außerdem zeigt sich beim Besuch auf dem Schulhof: „Wir kümmern uns auch darum, dass unser Schulhof so bienenfreundlich und bunt wie möglich gestaltet wird. Das macht uns richtig Spaß, wenn wir dann in der Pause alles in Ruhe ansehen können, was wir hier geschaffen haben.“

Weitere Informationen

Andreas-Gymnasium
Koppenstraße 76
10243 Berlin
Telefon: (030) 293 690 20
Mail: sekretariat@andreas.schule.berlin.de

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Andere Bienenvölker gibt es in Friedrichshain beispielsweise im Garten der Offenbarungskirche.