Immer montagsnachmittags trifft sich die Arbeitsgruppe im Schulgebäude. Die Teilnehmer*innen der AG wechseln von Schuljahr zu Schuljahr. Generell ist die AG für alle ab der fünften Klasse offen. Auch ehemalige Mitglieder, die die Schule inzwischen abgeschlossen haben, melden sich immer mal wieder bei der AG. Generell seien es eher die oberen Jahrgänge, die sich beteiligten. Aktuell sind vor allem Zehntklässler*innen aktiv. Die Heterogenität der Gruppe hat aus Sicht der Teilnehmer*innen einen Vorteil. Es sei eine sehr angenehme Erfahrung, hier mitzumachen. In den Vorjahren sei die Gruppe etwas heterogener gewesen. Derzeit besteht die Gruppe aus acht Schüler*innen. „Leider geht das Engagement für die Themen, die wir bearbeiten, leicht zurück.“ Schülerin Ida findet es wichtig, den Mund aufzumachen und Möglichkeiten zu nutzen, die eigene Meinung zu vertreten. In ihrer Klasse würde viel diskutiert werden, etwa zum Thema Sexismus. Ihr Klassenlehrer empfahl ihr, sich der AG anzuschließen. Ihre Mitschülerin, die ebenfalls Ida heißt, wollte sich engagieren. „Man fühlt sich so machtlos, wenn man die Nachrichten sieht.“ So entschloss sie, sich der Arbeitsgemeinschaft anzuschließen. Auch Mitschüler Fritz möchte sich mit der Mitarbeit in der Courage-AG gegen Ungerechtigkeiten einsetzen. „Wer hier ein bis zwei Jahre in der AG mitmacht, nimmt dieses Engagement meist mit und bleibt auch im Studium politisch aktiv. Die Schüler*innen der AG sind überzeugt, dass die Courage-AG nicht aussterben werde. „Es wird immer politisch aktive Schüler*innen geben.“
Courage-AG des Andreas-Gymnasiums
Bild: Sara Lühmann
Vom 17. bis 30. März finden die internationalen Wochen gegen Rassismus statt. In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es rund ums Jahr vielfältiges Engagement unterschiedlicher Akteur*innen im Bereich Antirassismus, besonders auch an den Schulen des Bezirksamtes. Ein Beispiel ist das Andreas-Gymnasium unweit des Ostbahnhofs. Seit Juli 2015 ist das Friedrichshainer Gymnasium Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Marc Ullrich kam 2016 als Lehrer an die Schule. Damals war die Courage-AG noch im Aufbau. Entstanden war sie aus einem Projekt der Schüler*innen-Vertretung heraus. In der Schülerschaft bestand der Wunsch, sich für das Thema Antirassismus zu engagieren. In den letzten Jahren war die Arbeitsgemeinschaft sehr aktiv und hat mindestens eine Veranstaltung pro Jahr organisiert. 2022 wurde die AG sogar mit dem GermanDream-Award in der Kategorie Schule ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. „Das war für uns sehr schön und überraschend.“
Eine regelmäßige AG sei eine Seltenheit. „Wir haben hier sehr engagierte Schüler*innen.“ Zu den Themen, mit denen sich die Arbeitsgemeinschaft beschäftigt, gehören Rechtsextremismus, Antisemitismus und Sexismus. In der Vergangenheit wurden für das Gedenken an die Pogrome vom 9. November 1938 Transparente gestaltet und am Schulgebäude aufgehängt. Auch Gedenkstättenfahrten für Schüler*innen zu ehemaligen Konzentrationslagern wurden organisiert. Zudem planen die Jugendlichen Diskussionsformate. Nicht immer stoßen die Veranstaltungen auf breites Interesse. Zum Podium anlässlich des Jesiden-Gedenktages seien nur wenige Schüler*innen gekommen. „Das war ein bisschen frustrierend und enttäuschend“, fasst es Schüler Fritz zusammen. Mehrere Stolpersteinverlegungen hat die AG bereits initiiert, wie sie auch regelmäßige Putzaktionen der Stolpersteine organisiert.