Flotte Bienen im Bezirk - Die sechs Berufe der Honigbienen

Lena Gronert und Anara Weckebach pflegen seit seit zehn Jahren ehrenamtlich die Bienenvölker der Imker*innen-Gruppe der Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau

Lena Gronert und Anara Weckebach pflegen seit seit zehn Jahren ehrenamtlich die Bienenvölker der Imker*innen-Gruppe der Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau

Im Gemeindegarten der Offenbarungskirche in Friedrichshain verspricht ein kleiner Teich im Schatten der Linden Ruhe und Geborgenheit, doch dafür haben die sechs ansässigen Honigbienenvölker keine Zeit – für die fleißigen Pilotinnen ist Hochsaison. Sie sammeln im näheren Umfeld in Gärten, Schul- und Kitahöfen, auf Balkonen und in Parks Nahrung für ihre Brut.

Mit über 30 Kilometern pro Stunde flitzen sie summend von Blüte zu Blüte, um dann ein prall gefülltes „Pollenhöschen“ am hinteren Bein sowie Nektar in ihrem Honigmagen in den Bienenstock zu manövrieren. Honigbienenexpertin Anara Wenckebach, die bereits seit zehn Jahren ehrenamtlich die Bienenvölker der Imker*innen-Gruppe der Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau pflegt, erklärt: „Innerhalb eines Bienenstocks gelten strenge Regeln. Es ist ein eigenes Sozialsystem, welches von der Königin, die etwas größer als alle anderen Bienen ist, geführt wird. Jedes Volk hat eine eigene Königin, die täglich bis zu 2.000 Eier legen kann und damit für Nachwuchs sorgt.“

In guten Sommern wachsen die Völker auf bis zu 50.000 Bienen an. „Im Winter sind es weniger, etwa 15.000 Bienen.“ Für den Zuwachs benötigt die Königin die Drohnen, männliche Bienen, deren einzige Aufgabe im Bienenstock die Begattung einer Königin ist. In der sogenannten „Drohnenschlacht werden sie zum Teil von den Arbeiterinnen aus dem Bienenstock vertrieben.

Erst nach drei Wochen fliegt sie als Sammelbiene im Umkreis von bis zu drei Kilometern über die Felder

Erst nach drei Wochen fliegt sie als Sammelbiene im Umkreis von bis zu drei Kilometern über die Felder

Arbeitsbienen leben 42 Tage

Lena Gronert, die seit zehn Jahren als Imkerin aktiv ist, weiß: „Die Königinnen werden etwa drei bis fünf Jahre alt. Die Drohnen haben eine Lebenserwartung von vier bis acht Wochen.“ Doch die eigentlichen Stars des Bienenvolks sind die Arbeitsbienen, die während ihrer kurzen Lebensdauer von 42 Tagen gleich sechs wichtige Berufe hintereinander abdecken müssen.

„Gleich nach dem Schlüpfen muss die junge Biene Waben putzen, damit die nächste Larve dort heranwachsen kann. Ganze vier Tage ist sie nur mit Putzen beschäftigt. Es folgt ihre Tätigkeit als Amme, die sich um den Nachwuchs kümmert.“

Ab dem elften Tag ist sie Lageristin. „Ist die Biene dann 14 Tage alt, übernimmt sie das Bauen der Waben. Ab Tag 18 bewacht sie das Flugloch.

Erst nach drei Wochen fliegt sie als Sammelbiene im Umkreis von bis zu drei Kilometern über die Felder. Nach 42 Tagen endet ihr Leben.

Anara Weckebach: „Die Lebensdauer der Arbeitsbienen hängt auch vom Zeitpunkt des Schlüpfens ab. Sommerbienen leben deutlich kürzer. Winterbienen, die im Herbst schlüpfen, überleben bis zum Frühjahr, wenn die Königin nach einer Pause wieder mit dem Eierlegen weitermacht.

Die Imkerinnen Anara Weckebach und Lena Groner zeigen ihr Handwerkszeug: Ein Rauchbläser, Stockmeißel mit Wabenheber

Die Imkerinnen Anara Weckebach und Lena Groner zeigen ihr Handwerkszeug: Ein Rauchbläser, Stockmeißel mit Wabenheber

Passion zwischen Faszination und Ruhepol

Ihre Aufgabe ist es, den Winter über durch Muskelzittern die Königin und das Nest schön warm zu halten. „Abwechselnd wärmen sie gemeinsam in einer Art Bienen Kugel ihre Königin bei etwa 20 Grad. Und im Frühling werden die erfahrenen Bienen gebraucht, um die erste Brut zu versorgen.“

Für Anara Weckebach und Lena Gronert sowie die weiteren vier Imker*innen der Imkergemeinschaft ist das Leben rund um die Bienenstöcke und Honigverarbeitung Passion zwischen Faszination und Ruhepol. „Zwischen April und Oktober sind wir regelmäßig hier im Garten und schauen nach den Bienenvölkern.“

Lena Gronert liebt die intensiven Gerüche: „Die Intensität, mit der die Pollen und das Bienenwachs hier riechen, ist unvergleichlich. Für mich ist es immer eine Wohltat. Mich beruhigen die quirligen Bienen. Eine echte Auszeit!“

Die Waben dienen als Produktionsstätte und Speicherplatz für Honig und Pollen

Die Waben dienen als Produktionsstätte und Speicherplatz für Honig und Pollen

Feinster, glasklarer Blütenhonig

Auch Anara Weckebach schwärmt von der wohltuenden Wirkung, die die intensive Beschäftigung mit den Völkern mit sich bringt: „In der Saison sind wir etwa drei bis fünf Stunden pro Woche mit den Tieren und der Honigverarbeitung beschäftigt.

Beide kennen ihre Völker gut und wissen auch die Intensität des Summens richtig einzuordnen: „Ja, tatsächlich, da gibt es Unterschiede. Wenn wir bei der Durchsicht eines Volkes ein auffallend hohes Summen hören und die Bienen dazu noch weniger sanftmütig wirken, kann das darauf hindeuten, dass die Bienen Stress haben, zum Beispiel, dass es der Königin nicht gut geht.“

Anfang Mai fand sich die Imker*innen-Gruppe zum gemeinsamen Honig-Schleudern zusammen. Anara Wenckebach: „Der Standort hier im Pfarrgarten der Kirchengemeinde ist ideal. In diesem Jahr haben wir so früh geerntet, wie noch nie. Das liegt daran, dass in diesem Jahr die Obstgehölze, Kastanien und auch der Ahorn so früh und v.a. innerhalb sehr kurzer Zeit geblüht hat. Das Ergebnis ist feinster, glasklarer Blütenhonig. Was für eine Freude!“

Honigfreund*innen können gegen eine Spende den feinen Blütenhonig im Gemeindebüro der Offenbarungskirche, Simplonstraße 31-37 in Friedrichshain erwerben.