Viele Familien kommen mit Sorgen in die Beratungsstelle. Ein Kind spricht nicht altersgerecht, reagiert wenig oder hat ein auffälliges Screening-Ergebnis in der Kinderarztpraxis oder bei einer anderen Untersuchung erhalten. Für Dr. Napiontek und ihr Team beginnt dann detektivische Arbeit: zuhören, beobachten, testen, wieder testen – und vor allem erklären. Seit Einführung des Neugeborenenhörscreenings sieht die Hörberatungsstelle Kinder oft schon kurz nach der Geburt. Die Höruntersuchung für Neugeborene ist seit dem 1. Januar 2009 fester Bestandteil der U1-Untersuchung und ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Nicht jede Auffälligkeit bestätigt sich, doch bei ein bis drei von 1.000 Neugeborenen liegt tatsächlich eine angeborene Schwerhörigkeit vor. „Für Eltern ist die Ungewissheit oft das Schwerste“, sagt Ulrike Napiontek. „Wenn wir Klarheit schaffen können, auch wenn die Diagnose nicht leicht ist, bringt das vielen Familien große Erleichterung.“
„Hören heißt dazugehören“ – Ein Besuch bei der Hörberatungsstelle zum Tag des Hörens
Dr. Ulrike Napiontek in der Hörkammer der Hörberatungsstelle
Bild: Elisa Ruben/Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Ein leises Piepen, ein kaum wahrnehmbarer Ton, ein kurzer Blick – reagiert das Kind oder nicht? Für Dr. Ulrike Napiontek sind solche Momente keine Routine, sondern entscheidend. Seit 2010 leitet sie die Beratungsstelle für hörbehinderte Kinder und Jugendliche im Gesundheitsamt. Wer ihr zuhört, merkt schnell: Hier arbeitet eine Kollegin, die für ihr Fach brennt. „Hören ist eine Grundlage für Kommunikation, Entwicklung und Teilhabe“, sagt die Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Phoniatrie/Pädaudiologie. Besonders bei Kindern entscheidet sich in den ersten Lebensjahren viel. „Die Hörbahn reift vor allem in den ersten zwei Lebensjahren. In dieser Zeit entstehen im Gehirn die Verknüpfungen, die später Sprache und Verstehen möglich machen.“