Stadtplanung & -entwicklung

Wie wir die begrenzte Fläche und den Gebäudebestand nutzen und sie sozial gerecht und ökologisch nachhaltig weiterentwickeln können, sind wichtige Fragen der Stadtentwicklung. Dabei gibt es vielfältige Anforderungen und Belange des Klimaschutzes und der Klimaanpassung. Sie werden in Planungs- und Genehmigungsverfahren auf Basis rechtlicher Grundlagen mit anderen Belangen abgewogen.

Wie ist die Stadtentwicklung durch den Klimawandel betroffen?

Friedrichshain-Kreuzberg ist mit 20,4 km² der kleinste Bezirk Berlins, weist jedoch mit 68% den höchsten Versiegelungsgrad und mit 14.235 Einwohner*innen pro km² die höchste Bevölkerungsdichte auf. Eine zentrale Herausforderung ist der Wärmeinseleffekt, der durch die dichte Bebauung, den hohen Versiegelungsgrad und die geringe Durchlüftung verstärkt wird. Aufgrund des Wärmeinseleffekts ist es in Xhain in den Sommermonaten bis zu 11°C heißer als im Berliner Umland. Besonders betroffen sind sehr dicht bebaute und hoch versiegelte Gebiete mit wenig Grünvolumen, wie z.B. das Samariterviertel oder Gewerbegebiete wie das RAW-Gelände.

Abbildung des Wärmeinseleffekts

Klimadaten Xhain

Im Jahr 2024 wurden für den Bezirk ein Klimaschutz- und ein Klimaanpassungskonzept politisch beschlossen. Sie zeigen auf, wodurch im Bezirk Treibhausgasemissionen entstehen und wo der Bezirk schon jetzt besonders durch die Folgen des Klimawandels betroffen ist. Einen Einblick in diese Analysen gibt das KlimaDashboard, es stellt z.B. den Hitzebetroffenheitsindex (HBI) dar. Der zeigt, wo der Bezirk besonders durch Hitze betroffen ist – so genannte Hotspots. Im landesweiten Geoportal ist außerdem eine Starkregenhinweiskarte für Berlin veröffentlicht, die die Überflutungstiefe, Fließrichtung und –geschwindigkeit für extreme und außergewöhnliche Starkregenereignisse darstellt. Alle räumlichen Analysen sind außerdem im bezirklichen Geoportal MeinXhain abrufbar, hier finden sich z.B. Daten zum Versiegelungsgrad.

Wie kann die Bezirksverwaltung tätig werden?

Dieser Betroffenheit durch die Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, ist eine große Aufgabe für die Stadtentwicklung, die gleichzeitig mit weiteren Herausforderungen konfrontiert ist: ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum, fehlende Grünflächen und ein großer Bedarf an sozialer und gewerblicher Infrastruktur. Daraus ergibt sich ein hoher Flächenbedarf, gleichzeitig können Nachverdichtungen den Wärmeinseleffekt weiter verstärken. Jährlich werden etwa 500-1.000 neue Wohneinheiten in Friedrichshain-Kreuzberg genehmigt, wobei öffentlich-rechtliche Vorgaben wie die Berliner Bauordnung und das Baugesetzbuch berücksichtigt werden müssen.
Der Bezirk nutzt rechtliche Instrumente wie Bebauungspläne und städtebauliche Verträge, um Klimaanpassung und Klimaschutz zu fördern. Diese Verfahren sind jedoch oft langwierig und durch knappe personelle sowie finanzielle Ressourcen begrenzt. In bestimmten Fällen, etwa bei Abweichungen von Bebauungsplänen, kann der Bezirk Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen fordern. Darüber hinaus bieten die ausgewiesenen und etwaige zukünftige Gebiete der Städtebauförderung die Möglichkeit, unter bestimmten Fördervoraussetzungen die Finanzierung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen zu unterstützen. In Xhain gibt es zurzeit vier aktive Städtebaufördergebiete: Urbanstraße, Rathausblock, Luisenstadt und Friedrichshain-West.

Was passiert bereits?

In Xhain werden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, wie die folgenden Projekte exemplarisch zeigen. Auch Maßnahmen aus anderen Handlungsfeldern wie Stadtgrün & Biodiversität oder Gebäude & Infrastruktur leisten einen wichtigen Beitrag zu einer klimaangepassten Stadtentwicklung. Darüber hinaus wurden im bezirklichen Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept weitere Schlüsselmaßnahmen entwickelt, die es nun umzusetzen gilt. Das kann nur gemeinsam gelingen – Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, sind hier zu finden: von Förderprogrammen über Beratungsangebote bis hin zu Möglichkeiten der Vernetzung.

Verschiedene Schriftstücke liegen auf einem Tisch und werden von mehreren Personen diskutiert

Klimateam im Stadtentwicklungsamt gegründet

Im Jahr 2023 wurde ein fachbereichsübergreifendes Klimateam im Stadtentwicklungsamt gegründet, was sich monatlich trifft. Seit April 2024 gibt es zudem eine Klimabeauftragte für das Stadtentwicklungsamt, die bei Fragen rund um Klimaschutz und Klimaanpassung als Ansprechpartnerin im Stadtentwicklungsamt zur Seite steht.

Grafische Darstellung MeinXhain

Geodaten nutzen

Neben dem bezirklichen Geoportal MeinXhain gibt es nun auch ein digitales 3D-Modell des Bezirks. Das Tool wird genutzt, um geplante Bauvorhaben in 3D zu modellieren und beispielsweise den Schattenwurf der geplanten Gebäude zu simulieren.

Preis Klimaquartier für den Rathausblock

Modellprojekt Rathausblock klimaangepasst weiterentwickeln

Das Modellprojekt Rathausblock wurde im März 2025 vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen als „Klimaquartier“ ausgezeichnet. Diese Quartiere zeigen, wie Kommunen den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel erfolgreich in die Städtebauförderung integrieren. Für das Dragonerareal wurde unter anderem ein Freiflächen- und Regenwasserbewirtschaftungskonzept entwickelt.

Urbanhafen, Vorentwurf Uferbalkon, Oktober 2024

Projekte in der Städtebauförderung klimafit umsetzen

Im Rahmen der Städtebauförderung wurden darüber hinaus beispielsweise der klimafreundliche Neubau eines Hauses für Familie und Bildung in Friedrichshain-West oder die Umgestaltung der Freiflächen und Uferwege am Landwehrkanal im Fördergebiet Urbanstraße finanziert.