Verlegung von zwei Stolpersteinen in Friedrichshain

Pressemitteilung Nr. 361 vom 17.11.2025

Am 22. November 2025 werden im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zwei weitere Stolpersteine verlegt. Mit den Stolpersteinen wird am letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Im Bezirk sind bereits ca. 1.100 Stolpersteine verlegt.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann: „Die Stolpersteine mahnen uns, innezuhalten und Verantwortung zu übernehmen, wo andere vorbeigehen. Sie sind ein Zeichen gegen das Vergessen und führen uns täglich vor Augen, dass wir gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus klar einstehen müssen, um ein vielfältiges und weltoffenes Berlin zu wahren.“

  • Wann? Samstag, 22. November 2025, 15.00 Uhr
  • Wo? Frankfurter Tor 7, 10243 Berlin

Mit der Verlegung von zwei Stolpersteinen wird die Erinnerung an Frieda und Bruno Linde wachgehalten.

Frieda Kallmann kam 1880 in der Kleinstadt Berent (damaliges Westpreußen) in einer jüdischen Familie zur Welt. Sie besuchte die „höhere Töchterschule“, erlernte den Beruf der Näherin und übersiedelte Mitte der 1910er Jahre nach Berlin. 1919 heiratete sie ihren ersten Ehemann, der eine Werkstatt für Damenkonfektion betrieb. Nach dessen Tod 1928 führte sie die Werkstatt allein weiter.
1931 heiratete sie den jüdischen Kaufmann Bruno Linde (*1882 in Berlin). Da dieser auch in der Textilbranche tätig war, betrieb das Ehepaar die Konfektionswerkstatt für Damenmäntel fortan gemeinsam. Etwa seit Mitte der 1930er Jahre befanden sich ihre Wohnung und die Arbeitsräume in der Warschauer Straße 87 (das Gebäude existiert nicht mehr, heute Frankfurter Tor 7). Das Ehepaar Linde lebte in gutbürgerlichen Verhältnissen.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 begann die schrittweise Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen, auch Frieda und Bruno Linde waren davon betroffen.
Sie erfuhren ab 1933 zunehmend den Boykott jüdischer Geschäftsleute und mussten ihr Gewerbe 1938 aufgeben. Das Ehepaar bemühte sich intensiv, ein Visum für ein beliebiges Land zu bekommen, um Deutschland verlassen zu können.
Im Sommer 1939 konnten sie nach Shanghai emigrieren, das für mehr als 20.000 europäische Juden und Jüdinnen zur Zuflucht wurde. Wie der Großteil der Emigrant*innen in Shanghai lebten auch Frieda und Bruno Linde dort in den beengten, sehr einfachen Verhältnissen der Massenunterkünfte. Sie litten unter dem Klima und den schlechten hygienischen Bedingungen. Das Ehepaar Linde hatte oft mit Krankheiten zu kämpfen und musste widrige Bedingungen aushalten, denn die Versorgung mit Lebensmitteln war unzureichend und Medikamente knapp.
Im April 1947 konnten die beiden in die USA auswandern. Sie ließen sich in Michigan City, Indiana, nieder. Frieda Linde starb dort 1967, Bruno Linde starb 1968.

Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg

Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen oder Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus initiiert wird, finanziert seit 2017 das Bezirksamt. Dieses Vorgehen hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Beschluss (DS/0417-15/V) bekräftigt.

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