Gedenkveranstaltungen des Bezirksamtes und der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg am Standort des ehemaligen Juweliergeschäfts Freundlich
Pressemitteilung Nr. 341 vom 04.11.2025
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die Bezirksverordnetenversammlung gedenken der Pogromnacht am 9. November 1938 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung an dem Standort des ehemaligen Juweliergeschäfts der Familie Freundlich.
Wann? Sonntag, 9. November 2025, 14 Uhr
Wo? Karl-Marx-Allee 71-75 / Ecke Koppenstraße, 10243 Berlin
An der Gedenkveranstaltung werden die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Werner Heck teilnehmen. Die Veranstaltung wird mit Musik und einem Redebeitrag zu jüdischem Leben in Friedrichshain gestaltet.
Bezirksbürgermeistern Clara Herrmann: „Am 9. November 1938 wurde in der Reichspogromnacht ein furchtbares Kapitel unserer Geschichte geschrieben. Mit dem Gedenken erinnern wir an diesen tiefgreifenden Einschnitt für zahlreiche jüdische Mitbürger*innen und das gesellschaftliche Leben im Bezirk und setzen ein Zeichen für die Bewahrung jüdischer Kultur und gelebter Vielfalt in Friedrichshain-Kreuzberg. Wir erinnern an die Opfer von Gewalt, Diskriminierung und Unmenschlichkeit. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, diese Erinnerungen wachzuhalten und sicherzustellen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen. Wir stehen für eine Gesellschaft, die auf Respekt, Vielfalt und Toleranz basiert.“
In der Nacht auf den 10. November 1938 setzten das NS-Regime und ihre Anhänger Synagogen in Brand, zerstörten jüdische Geschäfte und Einrichtungen und erniedrigten, überwältigten und töteten jüdische Mitbürger*innen. Dieses Datum gilt als Beginn der beispiellosen systematisch organisierten Gewalt, Ermordung und Entrechtung der europäischen Jüdinnen und Juden. Auch jüdische Einrichtungen in Friedrichshain und Kreuzberg wurden geschändet und zerstört.
Besonders rund um die ehemalige Große Frankfurter Straße (heute Karl-Marx-Alle), die Warschauer Straße und die Frankfurter Allee gab es damals zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber*innen. Auch hier fielen viele der ansässigen Geschäfte der Pogromnacht 1938 zum Opfer.
Seit 1890 betrieb Philipp Freundlich im Osten Berlins, verschiedene Geschäfte, unter anderem ein Juweliergeschäft in der Großen Frankfurter Straße 19 (heute Karl-Marx-Allee 71–75). Nach seinem Tod im Jahr 1936 führten seine Nachkommen den Betrieb weiter. Mit dem Novemberpogrom 1938 endete die wirtschaftliche Existenz der Familie. Das Geschäft wurde Anfang 1939 zwangsweise geschlossen und „arisiert“. Durch Deportationen nach Theresienstadt, Majdanek und Riga wurden Erwin, Rosa und Thea Freundlich 1942 voneinander getrennt. Dort wurden sie vermutlich noch im selben Jahr durch das NS-Regime ermordet.
Das Gedenken an die Familie Freundlich steht exemplarisch für das einst vielfältige jüdische Leben in Friedrichshain, das sich nicht nur in religiöser kultureller Hinsicht, sondern auch im ganzen sozialen Alltag widerspiegelte. Das Schicksal der Familie Freundlich verdeutlicht den gewaltsamen Bruch, den die rassistisch antisemitische Enteignungs-, Ausschluss- und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus auch für jüdische Geschäftsinhaber*innen bedeutete.
Eine weitere Gedenkveranstaltung findet an der Synagoge Fraenkelufer anlässlich des 87. Jahrestags der Reichspogromnacht statt. Die Bezirksverordnetenversammlung, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die Synagoge Fraenkelufer laden gemeinsam zu einem stillen Gedenken mit Kranzniederlegung ein.
Wann? Sonntag, 9. November 2025, 16 Uhr
Wo? an der Synagoge Fraenkelufer, Fraenkelufer 10, 10999 Berlin
Am stillen Gedenken wird neben dem Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, Werner Heck, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann gemeinsam mit Nina Peretz, Vorsitzende der Freunde der Synagoge Fraenkelufer. e.V. und Dr. Dekel Peretz, Vorsitzender des jüdischen Zentrums Synagoge Fraenkelufer e.V. teilnehmen.
Die Veranstaltung findet im Freien statt und ist öffentlich zugänglich.
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