Bezirksamt lehnt Pläne für weiteren Tower „The HUB“ an der Warschauer Straße ab

Pressemitteilung Nr. 290 vom 12.09.2025

Erst vor kurzem wurde dem Bezirk durch den Senat die Planungshoheit für ein Grundstück an der Rudolfstraße 18/19 entzogen, um für ein 140 Meter hohes Hochhaus eines privaten Investors Planungsrecht zu schaffen. Begründet wurde dies durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hauptsächlich durch den Bau neuer Wohnungen. Der Bezirk sieht hier aber keinen nennenswerten Anteil an bezahlbarem Wohnraum im Verhältnis zum Anteil an entstehendem hochpreisigem privatem Wohnraum und den Interessen privater Investoren.

Neben dem Hochhaus an der Rudolfstraße 18/19 plant der Senat mit einem Investor offenbar ein weiteres Wolkenkratzer-Projekt mit der Bezeichnung „The HUB“. Ein über 120 Meter hohes Hochhaus, das als „Zwilling“ direkt gegenüber dem Amazon-Tower auf der Ostseite der Warschauer Brücke positioniert werden soll und das Gesicht des Bezirks und der Stadt auf Jahrzehnte und darüber hinaus prägen würde. Der Bezirk erfuhr davon mehr oder weniger nebenbei über eine kurzfristige Einladung zu einem Vorbereitungstreffen zum Baukollegium.

Für den Bezirk sind in diesem Bereich die Planungsansätze maßgeblich, die vor einiger Zeit gemeinsam mit den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Wirtschaft, der Industrie- und Handelskammer und auch der Handwerkskammer zur Sicherung von bezirklichen Gewerbeflächen erarbeitet wurden.
Im vergangenen Jahr wurde auf dieser Grundlage ein städtebauliches Entwicklungskonzept unter hoher Partizipation für das sogenannte „Rudolfband“ erarbeitet. Die Hochhauspläne an der Rudolfstraße und das noch neuere Projekt „The HUB“ konterkarieren diese Ansätze fundamental. Zudem ist das Areal aus denkmalpflegerischer Sicht von sehr hoher Bedeutung und stellt ein einmaliges Ensemble dar. Die nun geplanten Entwicklungen stellen diesen letzten großen Standort im Bezirk in Frage, der für den Erhalt wohnortnaher Gewerbeflächen für produzierendes Gewerbe geeignet ist, das den ganzen Kiez seit Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt hat.

Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und kooperative Stadtentwicklung: „Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bringt in undemokratischen Hinterzimmerverfahren am Bezirk vorbei riesige Hochhausprojekte auf den Weg, welche die Planungshoheit des Bezirks ignorieren und zum Teil gemeinsam mit dem Senat entwickelte städtebauliche Ziele unterlaufen. Die strikte Ablehnung durch das Landesdenkmalamt wird nicht berücksichtigt. Hier soll für ein städtebaulich heikles Projekt mit großer Tragweite offenbar ein Bebauungsplan in einem intransparenten Schnellverfahren aufgestellt und ein Wettbewerbsverfahren so übereilt auf den Weg gebracht werden, dass man es nur unseriös nennen kann. Ein öffentlicher Diskurs, der normalerweise essentieller Standard für Verfahren dieser Größenordnung ist, wird bewusst vermieden. Soziale und städtebauliche Auswirkungen können nicht öffentlich diskutiert werden. Eine kluge, substantiell durchdachte und partizipativ entstehende, demokratische Planungsentwicklung seitens der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist hier nicht mehr zu erkennen. Ich fordere den Senat auf, die Planungshoheit des gewählten Bezirksparlaments zu achten, welches die Interessen der Wohnbevölkerung im Blick hat, statt in intransparenten Eilverfahren Investorenträume Wirklichkeit werden zu lassen. Das Abgeordnetenhaus ist in der Verantwortung, dem Senat hier Einhalt zu gebieten.“

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