Verlegung von vier Stolpersteinen in Friedrichshain
Pressemitteilung Nr. 59 vom 03.03.2025
Der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projektes Gunter Demnig verlegt in Friedrichshain vier weitere Stolpersteine. Mit Stolpersteinen wird am letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden – im Bezirk sind es bereits mehr als 1.050 Stolpersteine.
- Wann? 9. März 2025, 10.55 Uhr
- Wo? Otto-Braun-Straße 90, 10249 Berlin
Mit der Verlegung von vier Stolpersteinen wird an die jüdischen Ehepaare Max und Rosa Loewy sowie Max und Lotte Nordon erinnert.
Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann: „Die Stolpersteine im öffentlichen Raum sind wichtige dezentrale Gedenkorte im öffentlichen Raum. Sie regen uns täglich dazu an, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen, Verantwortung zu übernehmen. Sie mahnen uns, die Bedeutung von Menschlichkeit und Toleranz in einer Zeit zu bewahren, in der diese Werte immer wieder neu verteidigt werden müssen.“
Max Loewy (1868 in Breslau) übersiedelte Anfang der 1890er Jahre nach Berlin. Er heiratete 1908 *Rosa Wohl (*1884 in Bublitz/Pommern). 1909 kam der Sohn Heinz zur Welt. Seit 1913 lebte die Familie Loewy im Haus An der Bartholomäuskirche 2. Diese kleine Straße gibt es nicht mehr, sie verlief südlich der St.-Bartholomäus-Kirche und verband die Neue Königstraße (heute Otto-Braun-Straße) mit der Georgenkirchstraße. Max Loewy war erfolgreicher Fabrikant von Regen- bzw. Gummimänteln. Seine Firma wurde 1938 „arisiert“. Im selben Jahr wanderte der Sohn Heinz nach Südamerika aus.
Die Loewys beherbergten in ihrer Wohnung Ende der 1930er Jahre Rosas Neffen Max Nordon (*1903 in Lewin/Schlesien), der seit seiner Jugend in Annaberg im Erzgebirge lebte und dort eine Posamenten-Firma betrieb. Max Nordon wurde am 9. November 1938 von der Gestapo aus Annaberg in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er mehrere Tage inhaftiert war. Nach seiner Entlassung zog er nach Berlin, wo er Anfang 1939 Lotte Rosenberg (*1910 in Schlawe/Pommern) heiratete. Beide mussten Zwangsarbeit leisten.
Max Loewy starb am 18. Juli 1940 in seiner Wohnung. Rosa Loewy wurde am 29. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz und am 4. Mai 1942 weiter in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert und ermordet.
Max und Lotte Nordon wurden am 19. Februar 1943 von Berlin nach Auschwitz verschleppt und ermordet.
Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen oder Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus initiiert wird, finanziert seit 2017 das Bezirksamt. Dieses Vorgehen hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Beschluss (DS/0417-15/V) bekräftigt.
Recherche und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg.
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