Tag der Arbeit im Bezirk: Wie Romana Wittmer sich für Gute Arbeit einsetzt

Romana Wittmer, Beauftragte für Gute Arbeit im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, steht vor einer begrünten Fläche.

Romana Wittmer, Beauftragte für Gute Arbeit im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

Während viele Menschen den 1. Mai als freien Tag erleben, ist er für Romana Wittmer ein Tag der Sichtbarkeit. Die Beauftragte für Gute Arbeit im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nutzt den Anlass, um ins Gespräch zu kommen –am Infostand und im direkten Austausch mit Beschäftigten. Der Tag der Arbeit steht für Rechte, die erkämpft wurden – und für die Frage, wie Arbeit heute gestaltet ist.
Seit November 2019 ist Romana Wittmer in ihrer Funktion tätig. Ihr Fokus liegt vor allem auf den Menschen außerhalb der Verwaltung: Beschäftigte, die Unterstützung benötigen oder ihre Rechte durchsetzen wollen.

Was Gute Arbeit konkret bedeutet

Gute Arbeit hat viele Facetten: Sie erhält die Gesundheit, schädigt nicht, sichert ein Einkommen, von dem man leben kann, und ermöglicht Weiterentwicklung“, sagt Romana Wittmer. Was selbstverständlich klingt, ist für viele Beschäftigte keine Realität. Belastungen durch Arbeitszeiten, körperliche Anforderungen oder niedrige Löhne sind weiterhin verbreitet.

Die Beratungsanfragen, die Frau Wittmer erreichen, zeigen, wo es konkret hakt. Besonders häufig geht es um:

  • ausstehende oder vorenthaltene Löhne
  • Kündigungen und Kündigungsschutz
  • Inhalte des Arbeitsvertrags
  • Urlaubsansprüche, insbesondere bei Minijobs

„Viele wissen nicht, welche Rechte sie haben – oder trauen sich nicht, diese einzufordern.“ Ein Schwerpunkt liegt auf Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, insbesondere im Bereich Minijob.

Romana Wittmer sitzt am Schreibtisch und telefoniert - eine typische Geste, da Anfragen sie oft telefonisch erreichen.

Romana Wittmer zeigt in ihren Beratungsgesprächen Möglichkeiten auf und begleitet Beschäftigte konkret dabei, ihre Rechte durchzusetzen.

Mitbestimmung stärken: Betriebsratswahlen im Fokus

Neben der individuellen Beratung spielt auch die strukturelle Stärkung von Beschäftigtenrechten eine zentrale Rolle. Ein aktuelles Thema sind die anstehenden Betriebsratswahlen. „Ich informiere auch an diesem Tag, zum Beispiel am Infostand, und kläre Beschäftigte über aktuelle Themen wie Betriebsratswahlen auf“, sagt Frau Wittmer. Gerade in vielen Branchen, in denen sie berät, fehlt es an betrieblicher Mitbestimmung. Dabei sind Betriebsräte ein zentraler Baustein für Gute Arbeit: Sie stärken die Rechte von Beschäftigten und ermöglichen es, Arbeitsbedingungen aktiv mitzugestalten. Romana Wittmer zeigt Möglichkeiten auf und begleitet Beschäftigte konkret dabei, ihre Rechte durchzusetzen. „Ich mache selbst keine Lohnzahlungs- und Kündigungsschutzklagen, vermittle jedoch das Wissen darum oder vermittle an eine geeignete Fachberatung.“ Kündigungsschutz- und Lohnzahlungsklagen können im ersten Schritt ohne anwaltliche Unterstützung und ohne Kosten eingeleitet werden – ein Wissen, das häufig fehlt. „Einige haben sich zurückgemeldet und berichtet, dass sie ihren Lohn erhalten haben, nachdem sie aktiv geworden sind.“

Neue Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt

Neben individuellen Fällen spielen auch strukturelle Entwicklungen eine Rolle. Die Plattformökonomie führt zu neuen, oft unsicheren Beschäftigungsformen. „Dort gibt es viele Beschäftigte, aber oft keine Betriebsräte oder Tarifverträge.“ Auch zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten wirkt sich auf Gesundheit und Vereinbarkeit aus. Auch innerhalb des Bezirksamts wurden Veränderungen angestoßen. In bestimmten Bereichen wird bewusst auf Minijobs und Leiharbeit verzichtet, um sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu stärken. „Ziel ist, dass öffentliches Geld nur für gute Arbeit eingesetzt wird.“ Ein Leitfaden unterstützt die Mitarbeitenden bei der Umsetzung.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Ein zentrales Element ihrer Arbeit ist die Vernetzung. Romana Wittmer hat ein bezirkliches Netzwerk für Gute Arbeit aufgebaut, das Gewerkschaften, Betriebsräte und Verwaltung zusammenbringt. „Viele Themen kann man auf bezirklicher Ebene nicht direkt regeln, aber sichtbar machen und gemeinsam voranbringen.“ Dafür ist die kooperative Zusammenarbeit im Netzwerk Gute Arbeit angelegt. „Angebote wie Obstkorb oder Tischtennisplatte ersetzen keine guten Arbeitsbedingungen“, sagt Frau Wittmer. Entscheidend seien sichere Beschäftigung, faire Bezahlung und echte Mitbestimmung. Gerade in Krisenzeiten zeige sich, welche Strukturen tragen. „Der Tag der Arbeit ist für mich ein Kampftag.“

Frau Wittmer steht vor einer Mauer neben einer begrünten Fläche.

Der Tag der Arbeit am 1. Mai ist für Romana Wittmer, Beauftragte für Gute Arbeit, ein Tag der Sichtbarkeit.

Öffentlicher Dienst: Stabilität und Perspektiven

Der öffentliche Dienst bietet aus ihrer Sicht viele Vorteile, die oft unterschätzt werden: „Vor allem die Sicherheit: verlässliche Bezahlung, Kündigungsschutz und tarifliche Regelungen.“ Hinzu kommen Mitbestimmung, Weiterbildungsmöglichkeiten und Angebote im Gesundheitsmanagement. „Es ist wichtig, Missstände nicht zu ignorieren, sondern sich zu informieren, Unterstützung zu suchen und sich zusammenzuschließen“, sagt Romana Wittmer. Der Tag der Arbeit erinnert daran, dass Arbeitsrechte erkämpft wurden – und dass es auch heute Engagement braucht, um sie zu sichern.

Beschäftigte, die Fragen zu ihren Arbeitsbedingungen haben oder Unterstützung suchen, können sich direkt an die Beauftragte für Gute Arbeit wenden:

Romana Wittmer
Beauftragte für Gute Arbeit
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Yorckstraße 4–11, 10965 Berlin
Telefon: (030) 90298 4819
E-Mail: gute-arbeit@ba-fk.berlin.de
Webseite der Beauftragten für Gute Arbeit